In der Klimakommunikation, wenn sich etwa die Wissenschaft mit einer neuen Studie zu Wort meldet oder Medien zum Thema berichten, geht es meist um Ursachen oder Folgen der Erderhitzung. Also darum, wie stark die Temperaturen ansteigen werden, wie schnell das Eis an den Polen schmilzt, wieviele Hitzetote weltweit zu erwarten sind und so weiter. Ein typisches Beispiel ist die Veröffentlichung der großen IPCC-Reports, in denen der Weltklimarat etwa alle sieben Jahre den Stand der Forschung zusammenfasst. Als erster Band wird stets jener zu naturwissenschaftlichen Grundlagen veröffentlicht (und er bekommt am meisten öffentliche Resonanz). Es folgt der Band 2 zu Folgen der Erderhitzung und Möglichkeiten der Anpassung; und wenn dann irgendwann Band 3 zu Möglichkeiten beim Klimaschutz vorgelegt wird, ist die Aufmerksamkeit oft schon ermattet.
Doch am Interesse eines Großteils der Öffentlichkeit geht diese routinierte Art der Klimakommunikation ziemlich vorbei. Darauf lassen neue Zahlen aus dem PACE-Projekt schließen, in dem das Institute for Planetary Health Behaviour (IPB) der Universität Erfurt und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin Hamburg unter Leitung von Prof. Cornelia Betsch seit Jahren die Einstellungen und das Verhalten der deutschen Bevölkerung in Sachen Klima erheben. (Die gesammelten Ergebnisse der aktuellsten Befragungswelle sind hier online abrufbar.)
Fast die Hälfte der Befragten will vor allem eines wissen: Was nützt?
Auf Anregung von Klimafakten stellte das PACE-Team bei diesem Durchgang den Probanden erstmals eine Frage, die sich an eine Studie des Yale Center on Climate Change Communication (YCCC) anlehnte. "Wenn Sie einem Klimaexperten EINE EINZIGE FRAGE stellen könnten, welche wäre es", hatten die dortigen Forscherinnen und Forscher Ende 2023 eine repräsentative Auswahl der US-Bevölkerung gefragt. Ergebnis: Mit Abstand am größten (44 Prozent) war das Interesse an Klimalösungen. Dieser Befund war vor zwei Jahren einer der Gründe, warum Klimafakten ein eigenes Ressort namens "Was nützt?" startete, das gezielt den Forschungsstand zu erfolgversprechenden Klimaschutzoptionen aufbereitet.
Ähnliche Daten zu Deutschland gab es damals nicht – nun aber liegen sie vor. Und das Ergebnis ist klar (aber vielleicht nicht wirklich überraschend): Auch hierzulande interessiert die Öffentlichkeit vor allem, was sich denn tun ließe gegen den bedrohlichen Klimawandel. Aus einem Set von dreizehn möglichen Fragen wählten 17 Prozent der Probanden: "Was können die Länder der Welt tun, um den Klimawandel einzudämmen?" Knapp dahinter folgte mit 16 Prozent: "Haben wir noch Zeit, den Klimawandel einzudämmen, oder ist es schon zu spät?" Erst auf Platz drei folgte eine Frage zu den Ursachen (allerdings eine ziemlich spezielle): "Woher wissen Sie, dass der Klimawandel hauptsächlich durch menschliche Aktivitäten verursacht wird ...?"
Gruppiert man die Antwortoptionen nach Themenbereichen, so ist das Ergebnis noch deutlicher: Am häufigsten wurden Fragen zu möglichen Lösungen ausgewählt (46,2 Prozent), mit großem Abstand gefolgt von Ursachen (27,7 Prozent) und Auswirkungen (13,3 Prozent). Am seltensten gefragt wurde nach Belegen für die tatsächliche Existenz des Klimawandels (12,8 Prozent).
Vertrauen in die Klimapolitik der Bundesregierung "auf einem Tiefpunkt"
Insgesamt zeigten die neuesten PACE-Daten wenig Veränderung gegenüber früheren Erhebungen, schreibt das Forschungsteam in seiner Zusammenfassung: "Die psychologische Klimalage im April 2026 wirkt auf den ersten Blick bemerkenswert ruhig. Handlungsbereitschaft, Zustimmung zu konkreten Maßnahmen, auch in Bezug auf Maßnahmen, die in der akuten Öl- und Gaskrise besonders relevant oder diskutiert sind — fast alles bewegt sich seit 2022 in einem engen Korridor."
"Diese Stabilität scheint aber trügerisch", heißt es in der Auswertung weiter. "Die Bevölkerung will im Grundsatz mehr Klimaschutz, traut ihn dem politischen System aber immer weniger zu." Bloße 18 Prozent der Befragten gaben an, sie hielten die Bundesregierung für fähig, Klimaschutz umzusetzen und dabei ehrlich zu sein und ehrlich zu kommunizieren. Damit befinde sich, so das Team, "das Vertrauen in staatliches Klimahandeln auf dem Tiefpunkt" seit Beginn der Erhebungen 2022.
Das Wissen um wirksame Klimalösungen erhöht die Handlungsbereitschaft
Eines der Hauptthemen des PACE-Projekts ist die Frage, was die Handlungsbereitschaft von Menschen in Sachen Klimaschutz beeinflusst. Für Antworten dazu hat das Team die Ergebnisse aus zehn Befragungswellen mit Daten von rund 10.000 Probanden zusammengefasst. Personen haben eine höhere Handlungsbereitschaft, lautet ein Ergebnis, wenn sie überzeugter davon sind, dass die Klimakrise schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit haben wird. Oder wenn sie es leicht finden, sich selbst klimaschonend zu verhalten (detaillierte Ergebnisse dazu ab Seite 11 dieses PDF-Dokuments). Dass es sinnvoll ist, zum Beispiel konkret über gesundheitliche Auswirkungen der Klimakrise zu sprechen, oder die sogenannte Selbstwirksamkeit von Menschen zu stärken, ergaben auch schon andere Untersuchungen.
Wer möchte, kann aus den Resultaten noch weitere praktische Schlüsse ziehen für die Klimakommunikation. Denn auch hier zeigte sich, dass die Vermittlung von Wissen über Lösungen ein sehr lohnenswertes Ziel ist: Wenn Menschen die Wirksamkeit von Klimaschutzmaßnahmen als hoch einschätzen, ist auch ihre Bereitschaft zu handeln ungleich höher (siehe rechts oben auf der untenstehenden Grafik).
Die aktuelle Welle der PACE-Befragung fand zwischen dem 22. und 29. April 2026 statt, es nahmen 1.095 Menschen teil; die Untersuchung basiert auf einer deutschlandweiten, nicht-probabilistische Quotenstichprobe, die die Bevölkerung zwischen 18 und 74 Jahren für die Merkmale Alter, Geschlecht und Bundesland abbildet.