Es war eine nur kleine Meldung, aber in Fachkreisen sorgte sie durchaus für Aufsehen: Auf dem UN-Klimagipfel von Belém unterzeichneten ein Dutzend Staaten – darunter neben Gastgeber Brasilien auch Deutschland, Österreich, Frankreich und weitere EU-Länder – eine „Deklaration zur Informationsintegrität zum Klimwandel“. Mit ihr wollen die Staaten der Desinformation in der Klimadebatte entschieden entgegentreten. Mit ihrer Unterschrift haben sie sich unter anderem dazu verpflichtet, unabhängige und resiliente Medien-Ökosysteme zu stärken, um verlässliche Berichterstattung über Klima- und Umweltfragen zu ermöglichen. Außerdem wollen sie den Zugang zu evidenzbasierten, verständlichen Klimainformationen verbessern und die Zusammenarbeit fördern.

Aber was folgt konkret aus der Deklaration? Was passiert bereits in anderen Ländern? Wie ist überhaupt die Lage in Deutschland, was (absichtliche oder versehentliche) Falschinformationen zum Beispiel im Fernsehen angeht? Und welche Rolle kann die Politik überhaupt spielen bei der Bekämpfung von Des- und Falschinformationen? Was erwarten Forschung, Zivilgesellschaft und Medien? 

Um diese und weitere Fragen soll es auf einer Veranstaltung gehen, zu der Klimafakten gemeinsam mit drei europäischen Partnerorganisationen – QuotaClimat, Data for Good und Science Feedback – einlädt:

21. Mai 2026, 17:00 bis 19:30 Uhr
Hertie School, 
Friedrichstraße 180, 10117 Berlin 

Die Teilnahme ist kostenlos, zur Anmeldung bitte hier klicken

Hintergrund

Der ungebremste Klimawandel ist nicht nur eine rapide wachsende Bedrohung für Ökosysteme, er gefährdet auch die physischen Grundlagen von Wirtschaft, Wohlfahrtsstaaten und modernen Gesellschaften. Studien zeigen regelmäßig: Eine Mehrheit der Bevölkerung ist besorgt ob des Themas – und erwartet einen ambitionierteren Klimaschutz wünscht. Doch Partikularinteressen und ideologische Kräfte setzen die Klimapolitik aktuell stark unter Druck und attackieren Forschung und Zivilgesellschaft.

Die Verbreitung von Desinformation ist eine gängige Methode, um konstruktive Debatten zu verhindern, Bevölkerungsgruppen zu polarisieren und demokratische Prozesse zu stören. Die aktuelle Lage ist alarmierend: Falsch- und Desinformation zählt laut dem Global Risk Report des Weltwirtschaftsforums (WEF) momentan zu den drei größten Risiken überhaupt auf der Welt. Rund zehn Prozent der gesamten Online-Desinformation bezieht sich nach einer Zählung des Europäischen Observatoriums für Digitale Medien (EDMO) aus dem Jahr  2025 auf Klimathemen. 

Versuche, die Integretität von Informationen zu stärken und Desinformation zu bekämpfen, werden von Interessengruppen regelmäßig als „Zensur“ diffamiert. Gleichzeitig steht der Journalismus vor systemischen Herausforderungen: In einer fragmentierten Medienlandschaft mit algorithmusgetriebenen Plattformen sind emotionalisierte Inhalte erfolgreicher als faktisch korrekte. Die raffinierten Strategien von Desinformation zwingen Redaktionen, immer mehr Zeit mit der Widerlegung von Falschmeldungen zu verbringen – und das in einer Situation, wo die Erosion traditioneller Geschäftsmodelle viele Qualitätsmedien zu Einschnitten in den redaktionellen Kapazitäten zwingt. Die Aufgabe des Journalismus, der Gesellschaft klare, verständliche und relevante Berichterstattung zu liefern, ist wichtiger und zugleich schwieriger zu erfüllen denn je.

Doch das Bewusstsein wächst, wie wichtig der Zugang zu akkuraten und verlässlichen Informationen ist für fundierte öffentliche Debatten und evidenzbasierte Politik. Auf dem G20-Gipfel 2024 riefen Brasilien, UNESCO und UN die „Globale Initiative für Informationsintegrität zum Klimawandel“ ins Leben. Bis zum Klimagipfel Ende 2025 in Belém wurde eine Deklaration zum Thema von mehr als 20 Staaten unterzeichnet, darunter auch Deutschland. Auf nationaler Ebene sind nun die Leitlinien der Erklärung in konkretes Handeln zu übersetzen, beispielsweise zur Messung und zum Verständnis des Phänomens, zum Schutz von Medien und Forschung, zur Unterstützung resilienter und pluralistischer Informationsökosysteme usw.

Was passiert konkret in Deutschland? Was kann und sollte die Politik für die Integrität von Informationen zun Klimawandel tun? Eine Veranstaltung an der Hertie School soll die deutsche Debatte über diese und andere Fragen rund um die Belém-Deklaration anstoßen. 

Programm 

17:00 Uhr – Eröffnung durch Prof. Christian Flachsland, Direktor des Zentrums für Nachhaltigkeit der Hertie School, Berlin

17:05 Uhr – Präsentation des Reports von QuotaClimat, Data For Good und Science Feedback in Zusammenarbeit mit Klimafakten zu Klima-Desinformation in sechs deutschen TV-Sendern (in englischer Sprache)

17:15 Uhr – Fragerunde zu Ergebnissen und Methodik

17:25 Uhr – Panel I: Lehren aus dem Ausland. Was tun andere Unterzeichnerstaaten der Deklaration? (in englischer Sprache)

  • Rodrigo Baena Soares, brasilianischer Botschafter in Deutschland (tbc)
  • Francesco Gaeta, Direktor für europäische und internationale Angelegenheiten im französischen Umweltministerium (tbc)
  • Vertreter aus Belgien (wird noch bekanntgegeben)
  • Barbara Gessler, Leiterin der EU-Vertretung in Deutschland (tbc)
  • Moderation: Eva Morel, Generalsekretärin von QuotaClimat

18:00 Uhr – Panel II: Auf dem Weg zu einer strategischen Roadmap für Deutschland. Was könnten Bundes-, Landes- und Kommunalebene tun zur Stärkung der Informationsresilienz?

  • Katharina Kühn, ARD/ZDF-Hauptstadtstudio (angefragt)
  • Paula Matlach, ISD Germany
  • Prof. Stefan Rahmstorf, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
  • Théodore Tallent, Forscher an der Sciences Po und der Hertie School
  • Moderation: Toralf Staud, Leitung Redaktion & Content bei Klimafakten

18:40 Uhr – Impuls und Ausblick von Dr. Carsten Brosda, Staatsminister und Leiter der Hamburger Behörde für Kultur und Medien, über die Rolle von Regierungen bei der Sicherung der Informationsintegrität zum Klimawandel

ab 18:50 Uhr – Netzwerken 

Zur Anmeldung für die Veranstaltung bitte hier klicken