Hitzewelle in Europa satellitenbild

Die ungewöhnlich frühe Hitzewelle in Europa forderte einige Todesopfer in Frankreich – hier beobachtete der Satellit Sentinel-3 die Hitze vom Weltall aus; Quelle: ESA.

Laufend erarbeitet die Sozialforschung wertvolle Erkenntnisse, die bei einer wirksameren Klimakommunikation helfen können. In dieser Rubrik von #DebattenKLIMA stellen wir jeden Monat eine besonders herausragende Publikation vor. Dafür bringen Mitglieder des Climate Communication Lab (Leitung: Prof. Dr. Brüggemann, Universität Hamburg) ihre Expertise ein. Auf dem Blog ClimateMatters.de des Lehrstuhls erscheint auch eine englischsprachige Version dieses Artikels.

Welcher Frage gehen die Studien nach? 

Wir diskutieren in dieser Ausgabe zwei Studien, die sich mit den Fragen beschäftigen, wie Erfahrungen mit Extremwetter und Unterstützung für Klimaschutz zusammenhängen.

Viktoria Cologna et al. (2025) nähern sich der Frage auf globaler Ebene. Sie untersuchen dabei auch, ob Menschen mehr Klimaschutz unterstützen, wenn sie subjektiv Extremwetter und Klimawandel miteinander in Verbindung bringen.

Nils Christian Hoenow et al. (2025) analysieren die Daten mehrerer Studien aus Deutschland. Sie gehen dabei u.a. der Frage nach, ob die schweren Unwetter des Jahres 2021 und die Flutkatastrophe im Ahrtal zu mehr Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen führten.

Welche Methodik wurde verwendet, und wieso ist diese belastbar?

Cologna et al. (2025) nutzen einen sehr großen internationalen Datensatz mit über 70.000 Respondenten aus 68 Ländern. Zusätzlich schätzen sie anhand von Klimamodellen, welcher Anteil der Bevölkerung jedes Landes von Extremwetterereignissen betroffen ist. Diese Daten wurden in einem komplexen statistischen Mehrebenenmodell analysiert. Dadurch können individuelle Faktoren wie z. B. persönliches Vertrauen in die Klimawissenschaft mit Kontextvariablen – etwa das Ausmaß einer Katastrophe – in nur einem Modell untersucht werden.

Der große Datensatz und die weite Streuung über verschiedene Weltregionen lässt es zu, verallgemeinerbare Aussagen zu treffen. Auch ist die Arbeit in einem großen Konsortium entstanden und wurde in einem der renommiertesten Wissenschaftsmagazine, Nature Climate Change, eröffentlicht.

Hoenow et al. (2025) nutzen detaillierte Datensätze aus Deutschland, die sie auf Landkreisebene auflösen. So konnten sie vergleichen, ob Menschen, die 2021 direkt von den Flutereignissen betroffen waren, jetzt Klimaschutzmaßnahmen eher unterstützen als jene, die in nicht-betroffenen Landkreisen leben.

Die besondere Stärke dieser Studie liegt in der sogenannten „Triangulation” — da mehrere Datensätze mit unterschiedlichen Erhebungszeiträumen und unterschiedlichen Variablen verwendet werden, sind die Ergebnisse robuster als bei anderen Studien.

In der Studie wird nicht nur Unterstützung für politische Maßnahmen untersucht. „Eine Stärke der Herangehensweise Nils Christian Hoenow liegt auch darin, Verhalten direkt zu messen —am Ende des Fragebogens werden Teilnehmende konkret nach Spenden für verschiedene Projekte gefragt”, so Dr. Mike Farjam (Universität Hamburg).

Was sind die Kernbefunde, und warum sind sie relevant für Klimakommunikation?

Die Kurzfassung: Menschen, die Extremwetterereignisse erlebt haben, zeigen nicht notwendigerweise mehr Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen. Die beiden hier diskutierten Studien kommen auf unterschiedliche Weise zu ähnlichen Resultaten, die diesen Befund untermauern.

Cologna et al. (2025) zeigen, dass Menschen in Ländern, die insgesamt mehr von Extremwetterereignissen betroffen sind, nicht mehr Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen zeigen. Auf den ersten Blick mag das zwar der Fall sein, aber werden andere Variablen auf individueller Ebene berücksichtigt, verschwindet dieser Zusammenhang.

Auch Hoenow et al. (2025) schließen: „Trotz unseres umfangreichen Forschungsvorhabens haben wir keine signifikanten Unterschiede [zwischen betroffenen und nicht-betroffenen Regionen] gefunden” (S. 221).

Die Flutkatastrophe 2021 hat vor allem im Ahrtal und Nordrhein-Westfahlen zu schweren Schäden und Toten geführt. Die betroffenen Landreise zeigen aber keine höhere Unterstützung für politische Maßnahmen, die den Klimawandel bekämpfen.

Ebenso zeigen Daten, die vor und nach den Flutereignissen erhoben wurden, keinen Unterschied – weder in den betroffenen Regionen, noch im Rest von Deutschland. Dies könnte laut dem Autorenteam aber auch daran liegen, dass diese auch zuvor schon auf sehr hohem Niveau lag.

Wetter oder Klima?

Vor allem die Arbeit von Cologna et al. (2025) zeigt klar: „Wer subjektiv Extremwetterereignisse als eine Folge des Klimawandels sieht, zeigt höhere Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen” (S.729f).

Wer sich also bewusst ist, dass der Klimawandel zu häufigeren und schwereren extremen Wetterereignissen – wie Überflutungen, Hitzewellen, schweren Stürmen, Wald- und Buschbränden oder Dürren – führt, ist eher bereit, Klimaschutz politisch zu unterstützen.

Es gibt hier auch positive „Interaktionseffekte” für manche der untersuchten Wetterphänomene: Stürme, Niederschlag und Hitzewellen. Wer also sowohl die Verbindung zwischen diesen Wetterextremen und dem Klimawandel subjektiv herstellt, als auch in einem stärker betroffenen Land lebt, zeigt noch stärkere Unterstützung, als jene Menschen, die zwar das entsprechende Bewusstsein haben, aber nicht in einem besonders betroffenen Land leben.

Was lässt sich aus der Studie konkret ableiten für die Praxis?

Die Ableitung für die Praxis ist eindeutig: es ist eine essentielle Aufgabe der Klimakommunikation, die Zusammenhänge zwischen dem Klimawandel und Extremwetterereignissen zu vermitteln.

Hendrik Meyer (Universität Hamburg) betont: „Es wäre besonders wichtig, Kommunikatoren zu mobilisieren, die auch jene Gruppen erreichen können, die nicht bereits davon überzeugt sind, dass der Klimawandel unser Wetter verändert”.

Die Folgen des Klimawandels in Form von Extremwettern werden zwar zunehmend offensichtlich. Dieser Zusammenhang ist vielen Menschen aber weiterhin nicht bewusst – eine klare Kommunikation, zum Beispiel durch Wettermoderation in den Nachrichten, hat möglicherweise große Effekte, nicht nur auf die Bereitschaft politische Maßnahmen zu unterstützen.

Dr. Anne Reif (Universität Hamburg) erklärt: „Je stärker wahrgenommen wird, dass die Medien über Extreme berichten und dies mit dem Klimawandel in Verbindung bringen, desto stärker das Vertrauen in die Klimawissenschaft”.Die Attributionsforschung hat sich in den vergangenen Jahren als Forschungsfeld etabliert. Eine einzelne Hitzewelle lässt sich nicht zu 100 Prozent auf die Erderwärmung zurückführen. Aber die Wissenschaft kann heute sehr schnell berechnen, wie viel wahrscheinlicher oder intensiver ein konkretes Ereignis durch die Erderwärmung geworden ist. Der sogenannte „Climate Shift Index“ gibt diese klimabedingte Veränderung in Zahlen an. Die Flutkatastrophe in Westdeutschland von 2021 wurde zum Beispiel durch den Klimawandel „1,2 bis 9 Mal wahrscheinlicher” (World Weather Attribution).

Eine weitere Studie aus den USA kam zum Schluss, dass es hilfreich ist, diesen Zusammenhang auf unterschiedliche Arten zu vermitteln — über Prozentzahlen, historische Vergleiche, mit oder ohne wissenschaftliche Erklärung.

Grundsätze erklären

 

 

Zum Weiterlesen

Die Studien