Laufend erarbeitet die Sozialforschung wertvolle Erkenntnisse, die bei einer wirksameren Klimakommunikation helfen können. In dieser Rubrik von #DebattenKLIMA stellen wir jeden Monat eine besonders herausragende Publikation vor. Dafür bringen Mitglieder des Climate Communication Lab (Leitung: Prof. Dr. Brüggemann, Universität Hamburg) ihre Expertise ein. Auf dem Blog ClimateMatters.de des Lehrstuhls erscheint auch eine englischsprachige Version dieses Artikels.

Welcher Frage gehen die Studien nach? 

In dieser Ausgabe betrachten wir zwei wesentliche Forschungsarbeiten.

  • Eine umfassende Meta-Analyse zu „Correction Effects“ von Man-pui Sally Chan und Dolores Albarracín (2023), die untersucht, wie Menschen auf Richtigstellungen reagieren, wenn ihnen kurz zuvor wissenschaftsbezogene Falschinformationen präsentiert wurden – unter anderem zum Thema Klima. 
  • Die zweite Arbeit ist eine experimentelle Studie aus Deutschland von Viorela Dan und Renita Coleman (2025), die sich speziell der Korrektur von Fehlvorstellungen widmet, die bereits verbreitet waren. Dabei wurde insbesondere verglichen, ob Fact-Checks im Videoformat wirksamer sind als klassische Textformate.

Welche Methodik wurde verwendet, und wieso ist diese belastbar?

Die Meta-Analyse von Chan und Albarracín (2023) fasst die Ergebnisse aus 75 Einzeluntersuchungen statistisch zusammen. Dieses Verfahren erhöht die Aussagekraft erheblich, da es zufällige Abweichungen herausfiltert und hilft, übergreifende Effekte zu identifizieren, die über verschiedene Kontexte hinweg stabil bleiben.

Die experimentelle Untersuchung von Dan und Coleman (2025) nutzt ein kontrolliertes Design mit qualitativ hochwertigem Informationsmaterial: Entweder Videos oder Texte. Durch die zufällige Zuweisung zu den Video- oder Textgruppen lässt sich kausal bestimmen, welches Medium die Korrektur von Fehlwissen am besten unterstützt. Die Studie ist auch deshalb besonders relevant, weil sie nicht nur einzelne Aussagen untersucht, sondern Rückschlüsse erlaubt, wie man tief verwurzelte Fehlannahmen adressieren kann.

 

Was sind die Kernbefunde, und warum sind sie relevant für Klimakommunikation?

Frau beim Scrollen von News auf ihrem Handy

Wie Informationen aufbereitet sind – als Text oder als Video mit Ton –, macht einen großen Unterschied für die Verankerung im Gehirn; Foto: Unsplash.

Zunächst ist es sinnvoll, zwischen unterschiedlichen Effekten zu differenzieren: Der sogenannte Misinformation-Effekt beschreibt, wie sich Auffassungen als Reaktion auf Falschinformationen verändern. Der sogenannte Correction-Effekt misst im Gegensatz dazu, wie sich richtige Informationen auf Auffassungen auswirken. 
Die Meta-Analyse von Chan und Albarracín (2023) beschäftigt sich vor allem mit der Frage, ob der Correction-Effekt stärker ist als der Misinformation-Effekt: Was passiert, wenn Befragte zuerst eine Falschinformation, und dann eine Richtigstellung zu sehen bekommen? Der Kernbefund hier ist: im Durchschnitt überwiegt der Effekt der Fehlinformation, die darauf folgende Korrektur kann also den angerichteten Schaden nicht vollständig beheben. Es gibt aber einige Faktoren, die dazu beitragen, dass dies mehr oder weniger wahrscheinlich wird.

So heben Chan und Albarracín hervor, dass „Polarisierung [rund um das Thema] die Korrektur weniger wirksam werden lässt, vermutlich weil sich die Empfänger:innen in ihrer Identität bedroht sehen, und daher geistig gegen die Korrektur argumentieren” (2023, S. 1518). Im Gegenzug dazu scheint ein Charakteristikum der Falschinformation dazu beizutragen, dass Korrekturen effektiver werden: wenn die Fehlinformation „negative” Gefühle auslöst, also z.B. Unsicherheit, Traurigkeit oder Wut, scheinen die Rezipienten die Korrektur besser anzunehmen. 

Laut Chan und Albarracín (2023) macht es keinen Unterschied, ob die Teilnehmenden aus den USA oder einem anderen Land kommen – oder ob die Falschinformation Politik, Umwelt, oder andere Themen betrifft. Ausnahme: bei Gesundheitsthemen wirken Korrekturen schlechter. Auch ob die Korrektur detailliert ist, oder ob diese den bestehenden Vorstellungen der Teilnehmenden entspricht, scheint keinen Unterschied zu machen.

Videos wirken besser 

Im Gegensatz zu den ernüchternden Ergebnissen der Meta-Analyse, zeigen Dan und Coleman (2025), dass sich bereits festsitzende Fehlvorstellungen sehr wohl korrigieren lassen. Die Diskrepanz lässt sich zum Teil dadurch erklären, dass in dieser Studie die Fehlinformation nicht wiederholt wurde. Vielmehr wurde der Correction-Effekt gemessen: Welche Auswirkungen hat es, richtige Information zu teilen?
Eine wichtige Erkenntnis aus der Arbeit von Dan und Coleman (2025) ist, dass Videos besser wirken als Information, die nur im Text übermittelt wird. Laut den Autoren sind „Videos realistischer und daher glaubwürdiger; und sie sind auch leichter zu verarbeiten” (S. 794). Es profitieren besonders diejenigen vom Videoformat, die zuvor falsches Wissen besaßen oder unsicher waren.

Laut den Autorinnen ist ein Hauptgrund für den Erfolg von Videos deren sogenannte „Processing Fluency“. Da Informationen aus Videos gleichzeitig über Augen und Ohren aufgenommen werden, verarbeitet das Gehirn die Inhalte flüssiger als beim aktiven Dekodieren von Texten. Diese geringere kognitive Last führt dazu, dass neue, korrekte Informationen schneller akzeptiert und im Gedächtnis verankert werden.

Was lässt sich aus der Studie konkret ableiten für die Praxis?

Auch wenn Fact-Checking direkt nach einer Falschinformation deren negativen Effekt nicht komplett aufhebt, zeigt die Forschung, dass Korrektureffekte erstaunlich stabil sind – und zwar Länder- und Themenübergreifend. Richtigstellungen funktionieren nicht nur bei neuen Informationen, sondern können auch bereits existierende Fehlvorstellungen im Gedächtnis effektiv überschreiben.

Aus der Meta-Analyse geht klar hervor, dass es kontraproduktiv ist, Falschinformation zu detailliert zu wiederholen, da es diese ungewollt festigen kann. Eine detaillierte Darstellung der richtigen Information ist weitaus wirksamer, als eine detaillierte Zerlegung des Fehlers. Das Handbuch Klimakommunikation schlägt vor, bei Richtigstellung ein „Sandwich”-Modell zu benutzen: zuerst kommen die richtigen Fakten, zum Beispiel In der Überschrift. Daraufhin wird die Falschinformation kurz paraphrasiert und als solche gekennzeichnet. Zuletzt wird detailliert erklärt, wie die richtigen Zusammenhänge lauten, und noch einmal kurz die richtige Kernaussage wiederholt.

Es hilft, Informationen gleichzeitig visuell und auditiv zu vermitteln, denn dadurch kann das Gehirn die Inhalte flüssiger verarbeiten. Diese geringere kognitive Hürde sorgt dafür, dass Fakten schneller akzeptiert und besser erinnert werden als bei reinen Textinformationen. Dr. Anne Reif (Universität Hamburg) fügt hinzu, dass „Falschinformation oft auf Videoplattformen wie Instagram, Tiktok, oder YouTube zu finden ist, und es daher auch dort Inhalte zur Korrektur braucht, die den Zusehenden Argumente für persönliche Gespräche mit anderen an die Hand geben”. 
Wenn es gelingt, die Polarisierung im Diskurs zu senken, steigt die Bereitschaft der Zielgruppe, wissenschaftliche Fakten auch dann anzunehmen, wenn diese dem eigenen Weltbild widersprechen. 
Chan und Albarracín (2023) schlagen zum Beispiel vor, Rezipienten aufzufordern, sich beim Nachrichtenlesen Bekannte vor Augen zu rufen, die andere politische Ansichten haben. Dadurch werden Informationen scheinbar weniger emotional einseitig betrachtet.

Nicht zuletzt entfaltet Fact-Checking seine größte Wirkung dort, wo echtes Unwissen oder Unsicherheit herrscht. Idealerweise werden diese Zielgruppen erreicht, anstatt Menschen anzusprechen, die bereits richtige Vorstellungen haben, oder Falschinformationen selbst als solche erkennen. Laut Dr. Michael Brüggemann (Universität Hamburg) herrscht zum Beispiel bei „Fragen zur Klimapolitik sehr viel Unwissen, und Fact-Checking kann hier sehr wirksam sein”. 

 

Zum Weiterlesen

  • Handbuch Klimakommunikation, Kapitel 19: So gehe ich richtig mit Zweifeln und Falschinformation um. Online hier verfügbar.

Die Studien