Laufend erarbeitet die Sozialforschung wertvolle Erkenntnisse, die bei einer wirksameren Klimakommunikation helfen können. In dieser Rubrik des Projekts #DebattenKLIMA stellt Klimafakten jeden Monat besonders herausragende Publikationen vor.

Welcher Frage gehen die Studien nach? 

Um die Wirkung von Konsens-Botschaften besser zu verstehen, betrachten wir zwei aktuelle Veröffentlichungen sowie zwei ergänzende Studien:

Jacob Rode et al. (2025) liefern eine groß angelegte Meta-Analyse. Sie fassen die Evidenz ausgesuchter Studien zusammen, um zu klären, ob Konsens-Botschaften die Bereitschaft erhöhen, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu unterstützen.

Jan-Pascal Göbel et al. (2026) untersuchen in einer neuen Studie, ob eine Konsens-Botschaft die Wirksamkeit nachfolgender Informationen erhöhen kann: Lernen Menschen mehr aus einem Video, wenn ihnen kurz zuvor der wissenschaftliche Konsens vor Augen geführt wurde?

Zusätzlich blicken wir auf Ergebnisse von Nadia Said et al. (2022) und meine eigenen Auswertungen (Robin Tschötschel et al. 2021): Wir haben ebenfalls spezifisch untersucht, wie das deutsche Publikum auf diese Art der Kommunikation reagiert.

Eine englische Version dieses Artikels ist auf der Website der Universität Hamburg zu finden, mit der wir für diese Serie kooperieren.

Welche Methodik wurde verwendet, und wieso ist diese belastbar?

Rode et al. (2025) nutzen eine Meta-Analyse, bei der Datensätze aus neun ausgesuchten Studien mit insgesamt 12.975 Teilnehmenden zusammengeführt und dann ausgewertet wurden. Diese Form der Analyse bietet eine sehr hohe statistische Belastbarkeit und wird vor allem im medizinischen Bereich oft verwendet, um Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Jedoch stammen die Daten großteils aus den USA (sieben von neun Studien), was dazu führt, dass bei der Verallgemeinerung auf andere Länder Vorsicht geboten ist.

Die Studie von Göbel et al. (2026) überzeugt durch ein Experiment mit 943 Teilnehmenden aus Deutschland. Eine „Präregistrierung” garantiert, dass das Forschungsdesign nicht ad-hoc geändert wird, sobald die Daten vorliegen. Dafür werden die Forschungsfragen, Hypothesen und die anzuwendenden Methoden für die Erhebung der Daten und deren Analyse bereits vor der Durchführung der Studie publiziert. Dies erhöht die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse stark, da sichergestellt ist, dass negative Ergebnisse nicht verschwiegen werden.

Die Teilnehmenden des Experiments wurden in drei Gruppen eingeteilt und bekamen a) die Konsens-Botschaft wie oben beschrieben, b) eine Falschinformation („55 % der Wissenschaftler:innen sind sich einig”), oder c) gar keine Botschaft zu sehen. Im Anschluss sahen sie ein Lernvideo und wurden daraufhin befragt, um zu messen, wie gut sie die Informationen aus diesem Video aufnehmen konnten.

Was sind die Kernbefunde, und warum sind sie relevant für Klimakommunikation?

Anteil von Klimawissenschaftlern, die überzeugt sind, dass Menschen der Grund für die Erderwärmung sind.

97 % aller Wissenschaftler:innen sind sich einig, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Noch Fragen?; Grafik: SkepticalScience.com

Die Forschung von Rode et al. (2025) bietet starke Evidenz für die Logik des sogenannten „Gateway Belief Model“ (GBM). Die Idee dahinter: Die Wahrnehmung des wissenschaftlichen Konsens fungiert als Eintrittstor (Gateway):

Wer lernt, dass sich die Wissenschaft einig ist, ist überzeugter davon, dass der menschengemachte Klimawandel stattfindet. Auch führt das Wissen über einen wissenschaftlichen Konsens zu größerer Sorge angesichts der Problematik und resultiert schließlich in einer höheren Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen.

„97 % aller Wissenschaftler:innen sind sich einig”: Dass eine so einfache Botschaft solche Auswirkungen hat, ist bemerkenswert – und gibt Kommunikator:innen ein einfaches Mittel an die Hand, ihre Botschaften zu bestärken. Auch wenn der Effekt global gesehen nur zu einem leichten Anstieg bei der Unterstützung von Klimaschutzmaßnahmen führt, erklären die Autor:innen: „Auch kleine Effekte können den gesellschaftlichen Diskurs über Zeit verändern” (Rode et al., 2025, S. 4).

Während in den USA vielseitige Effekte einer solchen Bekräftigung des wissenschaftlichen Konsens gemessen werden, sind diese in Deutschland laut Tschötschel et al. (2021) und Said et al. (2022) eher zu vernachlässigen. 

Das liegt vor allem daran, dass das deutsche Publikum bereits vergleichsweise gut informiert ist und die Unterstützung für Maßnahmen allgemein sehr hoch ist. Dr. Mike Farjam (Universität Hamburg)1 erklärt: „Es könnte hier ein sogenannter ,Ceiling Effect’ auftreten, der dazu führt, dass sich die Überzeugung, dass der Klimawandel menschengemacht ist, wenig nach oben beeinflussen lässt”.

Dennoch liefern Göbel et al. (2026) ein besonders spannendes Ergebnis für die Bildungspraxis, auch in Deutschland: Konsens-Botschaften führen dazu, dass Menschen aus nachfolgenden informativen Videos tatsächlich mehr lernen.

Die Botschaft scheint die Aufnahmefähigkeit zu erhöhen – Menschen messen den folgenden Informationen möglicherweise mehr Bedeutung bei, oder sind aufmerksamer, wenn sie wissen, dass die Wissenschaft dahinter auf festem Fundament steht. Prof. Dr. Michael Brüggemann (Universität Hamburg)1 betont: „Es ist plausibel, dass diese Nachricht dazu führt, dass Menschen offener dafür werden, neue Informationen aufzunehmen”.

Göbel et al. (2026) zeigen auch, dass Falschnachrichten über mangelnde Einigkeit in der Wissenschaft den wahrgenommenen Konsens kurzzeitig drücken können. Wird jedoch bald danach die korrekte Information präsentiert, korrigiert sich die Wahrnehmung wieder nach oben.

Was lässt sich aus den Studien konkret ableiten für die Praxis?

Konsens-Botschaften sind keine ,Silver Bullet’, die alle Probleme löst, aber sie können ein hocheffektives Unterstützungswerkzeug sein. So starke Effekte wie in den USA sind aber bei einer deutschsprachigen Zielgruppe nicht zu erwarten.

Wie Göbel et al. (2026) zeigen, können Konsens-Informationen als Einstieg genutzt werden: Bevor detaillierte Fakten oder technische Details diskutiert werden, macht es Sinn, kurz den wissenschaftlichen Konsens zu erklären. 

Dieses sogenannte Priming erhöht die Chance, dass die Zuschauer:innen oder Leser:innen den „wissenschaftlichen Quellen [im darauf folgenden Video] mehr Glaubwürdigkeit geschenkt haben, was wiederum zu einer tieferen Beschäftigung mit den Inhalten geführt haben könnte” (Göbel et al., 2026, S. 6).

Da die Konsens-Botschaft selbst minimal sein kann, reicht oft schon eine kleine Grafik, etwa ein Tortendiagramm, das die 97 % (oder neuere Werte von bis zu 99 %) visualisiert. In Kombination mit einem einfachen Satz wird diese Information schnell erfasst.

Wie Professor Dr. Michael Brüggemann (Universität Hamburg) betont, „wird der wissenschaftliche Konsens in den deutschen Nachrichtenmedien sehr selten explizit erwähnt”. Dies öfter zu tun, kann helfen, die Anerkennung eines wissenschaftlichen Konsens zu bekräftigen, was angesichts steigender Wissenschaftsskepsis ein willkommener Nebeneffekt wäre.

Das Prinzip lässt sich auf andere Bereiche übertragen, in denen hohe Einigkeit herrscht. Zum Beispiel sind sich viele Wirtschaftswissenschaftler:innen einig, dass die derzeitigen CO2-Preise zu niedrig für eine ausreichende Lenkungswirkung sind.

Und auch in den übrigen Sozialwissenschaften herrscht weitgehend Konsens darüber, dass rein freiwillige Maßnahmen allein nicht ausreichen werden, um die Klimaziele zu erreichen. Diese Einigkeit ist nicht so gut  numerisch beziffert wie jene unter Klimawissenschaflter:innen. Dies macht es etwas schwieriger, diese mit ähnlicher Wirksamkeit zu kommunizieren. Gegebenenfalls kann es zielführend sein, Expert:innen zu deren Meinung zum Grad der Einigkeit in ihrem Fachbereich zu befragen. Denn wer die hohe Einigkeit bei verschiedenen wissenschaftlichen Themen betont, gibt der Öffentlichkeit einen Kompass an die Hand, um die Relevanz politischer Debatten besser einordnen zu können.


Für die Studie des Monats bringen Mitglieder des Climate Communication Lab der Universität Hamburg (Leitung: Prof. Dr. Brüggemann) ihre Expertise ein. Auf dem Blog „Climate Matters” des Lehrstuhls erscheint auch eine englischsprachige Version dieses Artikels: LINK.

 

Die besprochenen Studien

Jan Pascale Göbel, Buder, J., Ogiermann, M., Burkhardt, M., Forstner, A., Fischer, H., & Huff, M. (2026). Understanding the gateway: Unpacking the mechanisms, boundaries, and outcomes of climate consensus messaging. Journal of Environmental Psychology, 110, 102913. https://doi.org/10.1016/j.jenvp.2026.102913

Jacob B. Rode, Remshard, M., Groot, L. J., & van der Linden, S. (2025). A meta-analytic structural equation analysis of the Gateway Belief Model: Highlighting scientific consensus increases support for public action on climate change. Current Opinion in Behavioral Sciences, 63, 101521. https://doi.org/10.1016/j.cobeha.2025.101521

Nadia Said, Frauhammer, L. T., & Huff, M. (2022). Pre-registered replication of the gateway belief model – Results from a representative German sample. Journal of Environmental Psychology, 84, 101910. https://doi.org/10.1016/j.jenvp.2022.101910

Robin Tschötschel, Schuck, A., Schwinges, A., & Wonneberger, A. (2021). Climate change policy support, intended behaviour change, and their drivers largely unaffected by consensus messages in Germany. Journal of Environmental Psychology, 76, 101655. https://doi.org/10.1016/j.jenvp.2021.101655