Schon der Klimawandel ist ein Thema, das in Medien und Politik oft vernachlässigt wird – noch mehr jedoch gilt dies für den Verlust an Biodiversität. Dieser ist wohl die Großkrise, bei denen öffentliche Aufmerksamkeit und Dramatik der drohenden Folgen am weitesten auseinanderklaffen. Für die Wissenschaft jedenfalls steht außer Frage: Eine große Biodiversität (also eine Vielfalt an Genen, Arten und Ökosystemen) ist für den Menschen essenziell, etwa für die Versorgung mit sauberem Wasser, sauberer Luft und anderen lebenswichtigen Ressourcen.
Doch die Biodiversität steht weltweit unter immer stärkerem Druck – und der menschengemachte Klimawandel ist dabei ein wichtiger Faktor: Die rasant steigenden Temperaturen führen dazu, dass sich Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten in einem Tempo verschieben (meist in Richtung der Pole oder in höhere Lagen), das ihnen ein Mitwandern unmöglich macht. Aber auch Dürren und Extremwetter bedrohen Arten und ihre Lebensräume. Bislang jedoch waren andere Faktoren noch wichtiger, zum Beispiel die hochintensive Landwirtschaft oder rücksichtslose Ausbeutung von Naturressourcen, etwa durch Überfischung der Meere. Doch in den kommenden Jahrzehnten, warnt die Forschung, wird der Klimawandel diese Bedrohungen überholen.
Wie genau Biodiversität und Erderhitzung zusammenhängen, erörtert ein neuer Text in unserem Ressort "Was nützt?" – es gibt nämlich Wechselwirkungen in beide Richtungen: Der fortschreitende Klimawandel bedroht die Artenvielfalt, und schwindende Biodiversität verschlimmert die Folgen des Klimawandels. Zugleich nützt eine größere Artenvielfalt auch beim Klimaschutz. Doch während ein Bremsen der Erderhitzung grundsätzlich beim Erhalt von Biodiversität hilft, gibt können manche Klimaschutzmaßnahmen auch ein Problem für den Artenschutz sein.
Arten- und Klimaschutz sollten immer zusammengedacht werden
Der Artikel ist (wie gewohnt) in übersichtlicher Frage-Antwort-Form verfasst, in allgemeinverständlichen Worten und streng auf Basis wissenschaftlicher Quellen (Hintergründe dazu, wie die Texte entstehen, finden Sie hier).
Neben den IPCC-Sachstandsberichten ist eine der Hauptquellen dieses Artikels der IPBES, die Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, auf Deutsch auch kurz: Biodiversitätsrat. Er ist ein Gremium, das – ähnlich dem Weltklimarat IPCC für die Klimaforschung – regelmäßig den weltweiten Stand der Wissenschaft zu biologischer Vielfalt in großen Berichten zusammenfasst und bewertet (und dessen Sekretariat übrigens in Bonn angesiedelt ist).
„Die gegenseitige Verstärkung von Klimawandel und Biodiversitätsverlust bedeutet, dass eine zufriedenstellende Lösung eines der Probleme die Berücksichtigung des anderen erfordert.“
IPBES&IPCC 2021
In einem gemeinsamen Report aus dem Jahr 2021 betonen IPCC und IPBES: „Die gegenseitige Verstärkung von Klimawandel und Biodiversitätsverlust bedeutet, dass eine zufriedenstellende Lösung eines der Probleme die Berücksichtigung des anderen erfordert. Klimawandel und Biodiversitätsverlust sind eng miteinander verbunden und haben gemeinsame Ursachen, die auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen sind. Beide haben überwiegend negative Auswirkungen auf das Wohlergehen und die Lebensqualität der Menschen.“
In der Publikation werden auch Beispiele für Maßnahmen genannt, die zugleich den Klimawandel bremsen und der Biodiversität nützen. So können Photovoltaik-Parks, die auf großen Flächen errichtet werden, einerseits wichtige Lebensräume zerstören – bei sorgfältiger Planung aber auch positive Folgen für die Biodiversität haben. Mehr speziell dazu in Abschnitt 6 unseres Artikels.
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red