Holzkohle kennt vermutlich jeder. Doch dass sie außer zum Grillen zu noch etwas gut ist (sehr gut sogar!), spricht sich erst langsam herum: Holzkohle und andere aus Biomasse hergestellte "Kohlen" sind eine wirksame Möglichkeit, CO2 langfristig in Böden zu binden – und nebenbei können sie auch noch die Bodenfruchtbarkeit erhöhen.
Als "Pflanzenkohle" (engl. biochar) werden Substanzen bezeichnet, die durch die Pyrolyse von Biomasse hergestellt werden. Dabei werden organische Materialien (typischerweise Holz oder Pflanzenreste) unter Luftabschluss und bei hohen Temperaturen unvollständig verbrannt. Während der chemischen Reaktion zerfallen die eingebrachten Stoffe in kleinere, sehr stabile Elemente oder Moleküle, ein Großteil des Kohlenstoffs aus der Biomasse bleibt so dauerhaft gebunden. Bringt man diese Pflanzenkohle dann in Böden ein, ist der Kohlenstoff dort für sehr lange Zeit gespeichert. Und weil die Biomasse zuvor Kohlendioxid per Photosynthese aus der Luft gezogen hat, kann auf diese Weise quasi CO2 aus der Atmosphäre entnommen werden.
Im Prinzip ist Pflanzenkohle lange bekannt, seit Jahrtausenden wird sie von Menschen genutzt. Ihre bodenverbessernden Eigenschaften nutzten bereits die Ureinwohner im Amazonas. Doch wegen der Klimakrise rückt Pflanzenkohle ganz neu in den Fokus, zahlreiche wissenschaftliche Publikationen sind in den vergangenen Jahren erschienen.
Der IPCC sieht ein „ein moderates bis großes Klimaschutzpotenzial“
Welche Rolle Pflanzenkohle für den Klimaschutz spielen könnte, erörtert ein neuer Text in unserem Ressort "Was nützt?" Er erklärt en detail, wie das Ausbringen der Substanz die Kohlen- und Stickstoffkreisläufe in den Böden beeinflusst und damit auch den Ausstoß an Treibhausgasen. Er erklärt weitere Vorteile, aber auch mögliche Risiken. Der Artikel ist (wie gewohnt) in übersichtlicher Frage-Antwort-Form verfasst, in allgemeinverständlichen Worten und streng auf Basis wissenschaftlicher Quellen (Hintergründe dazu, wie die Texte entstehen, finden Sie hier).
Bisher ist Pflanzenkohle ein Nischenprodukt. Deshalb geht es in dem Artikel auch darum, wie sich ihr Einsatz erhöhen ließe. Denn das Klimaschutzpotenzial ist groß, nach Schätzungen des IPCC könnten durch Pflanzenkohle weltweit rund 1,1 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr vergleichsweise preiswert gebunden werden. Zum Vergleich: Das entspräche knapp den doppelten Jahresemissionen Deutschlands. Das Fazit des IPCC ist jedenfalls klar. In seinem Sechsten Sachstandsbericht heißt es, Pflanzenkohle habe „ein moderates bis großes Klimaschutzpotenzial“.
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red