Wenn Politik, Medien oder Öffentlichkeit über Klimaschutz diskutieren, dann geht es oft um Maschinen, um Technologien, die Industrie. Dass es noch ganz andere, nämlich naturbasierte Klimaschutzoptionen gibt, spielt häufig kaum eine Rolle – wenn überhaupt, dann sind vor allem Bäume und Wälder im Blick. Doch eine der größten Möglichkeiten liegt im wahrsten Sinne des Wortes zu unseren Füßen: in den Böden.
Was kaum jemand weiß: In praktisch allen Land-Ökosystemen ist unter der Erdoberfläche mehr Kohlenstoff gebunden als in der oberirdischen Vegetation (siehe Grafik). Weltweit ist in Böden eine unfassbare Menge von mehr als 2.000 Milliarden Tonnen gebunden; in Deutschland zum Beispiel speichern allein die landwirtschaftlich genutzten Böden rund doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder.
Grafik: VisualCapitalist 2022/EASAC 2026
Doch die gegenwärtige Landwirtschaft schützt diesen Schatz nicht, ganz im Gegenteil werden Böden durch die übliche intensive Bewirtschaftung sogar zu einer Quelle von Treibhausgasen. Sich stärker mit dem Thema zu befassen, kann deshalb zum einen Emissionen senken; zum anderen können Böden große Mengen von Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen, wenn man sie klug bewirtschaftet (und dies politisch gefördert wird).
Werden zum Beispiel Äcker in Grünland umgewandelt, können die Böden große Mengen an Kohlenstoff langfristig binden
Wie genau Böden und Klima zusammenhängen, wie der Mensch sie zu Treibhausquellen macht, aber wie sie umgekehrt auch zum Klimaschutz beitragen können – das alles erklärt ein neuer Artikel in unserem Ressort "Was nützt?". Er ist (wie gewohnt) in übersichtlicher Frage-Antwort-Form, in allgemeinverständlichen Worten und streng auf Basis wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Der Text schildert auch, wie konkret in Deutschland landwirtschaftliche Böden dem Klima nutzen könnten. Erhalt oder Wiederherstellung strukturreicher Landschaften mit Bäumen und Hecken zum Beispiel ist eine Maßnahme, die von der Forschung empfohlen wird. Auch ein geringerer Einsatz von Kunstdünger auf Äckern und der Anbau bodenqualitätsfördernder Zwischenfrüchte gilt als hilfreich. Das Hauptziel dabei ist, den Anteil von Humus und damit Kohlenstoff im Boden zu erhöhen. Dauergrünland (also Weiden und Wiesen) binden deutlich mehr Kohlendioxid als Ackerflächen; der Erhalt von Grünland oder gar die Umwandlung von Äckern in Wiesen ist deshalb eine sehr wirksame Klimaschutzoption.
„Landbasierte Maßnahmen zur Minderung gehören zu den wichtigsten Optionen [beim Klimaschutz], die momentan verfügbar sind.“ IPCC 2022
Für den Klimaschutz sind die Böden jedenfalls von kaum zu unterschätzender Bedeutung. „Landbasierte Maßnahmen zur Minderung [von Emissionen] gehören zu den wichtigsten Optionen, die momentan verfügbar sind“, so schreibt der IPCC in seinem Sechsten Sachstandsbericht in deutlichen Worten. Sie könnten kurzfristig und zu vergleichsweise geringen Kosten umgesetzt werden – aber seien kein Ersatz für schnelle Emissionsminderungen auch in anderen Sektoren.
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red