Mehr als 150 Tote, eingestürzte und fortgeschwemmte Häuser, verwüstete Landstriche, Schäden in Milliardenhöhe – seit Tagen beherrscht die Starkregenkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen die Medien. Wir arbeiten seit mehr als einem Jahr am sukzessiven Erscheinen unseres Handbuchs, doch nie war eines der Kapitel aktueller. Denn wie man mit Katastrophen in der Kommunikation zum Klimawandel umgeht (und wie man Katastrophismus vermeidet), ist Thema eines der beiden Kapitel, das wir heute veröffentlichen. Entstanden sind die Texte deutlich vor den aktuellen Ereignissen und doch können sie vielleicht einen Beitrag dazu leisten, den kommunikativen Umgang mit Katastrophen zu verstehen und einzuordnen.

Etwas allgemeiner fragt das andere heute veröffentlichte Handbuch-Kapitel: Welche Rolle können und sollen Emotionen spielen, wenn man über die Erderhitzung redet?

Grundsätzlich sind Gefühle wichtig in der und für die Kommunikation - auch in der Wissenschaftskommunikation, obwohl in der Wissenschaft selbst und ihrer Methodik bekanntlich großer Wert gelegt wird auf Emotionslosigkeit. Doch Gefühle sind zweischneidig - egal ob es sich um positive oder negative handelt. Sowohl Angst als auch (falsche) Hoffnung zum Beispiel können demotivieren. "Überlege genau, wie Du mit Emotionen umgehst", lautet deshalb der Titel von Kapitel 14. Und ein Fazit: "Niemand sollte der Versuchung erliegen, mit dem Auslösen von Empfindungen gewünschte Resultate erzwingen zu wollen."

Es ist also keine gute Idee, bewusst Angst vor dem Klimawandel zu schüren. "Angst löst bei Menschen einen 'Kampf oder Flucht'-Reflex aus", bringt es Handbuch-Autor Christopher Schrader auf den Punkt. "Als Klimakommunikator:in hofft man auf Kampf, bekommt aber häufiger Flucht. Es kann darum sogar nach hinten losgehen, bedrohliche Szenarien der Zukunft zu präsentieren, weil Menschen dann abschalten, abstumpfen, sich manipuliert fühlen oder gar – wenn die Warnung drastisch war und (kurzfristig) als überzogen erscheint – Zweifel an der Glaubwürdigkeit der ganzen Aussage bekommen." Andererseits darf man die katastrophalen Folgen des Klimawandels nicht verschweigen oder kleinreden - was also soll man tun? Genau darum geht es in Kapitel 15 mit dem Titel "Meide Katastrophismus".

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Wie bei allen Kapiteln unseres Handbuchs vereinen auch diese beiden fundierte Erkenntnisse der Sozialforschung mit ganz praktischen Ratschlägen für eine wirksamere Kommunikation. Und wie immer gibt es beide Kapitel in einer kompakten Webversion mit interaktiven Elementen; daneben können sich Tiefeninteressierte eine ganz ausführliche Version zum Schmökern als PDF-Datei herunterladen.

Die ersten Kapitel unseres Kompendiums hatten wir Ende November 2020 veröffentlicht, weitere folgten im Dezember, im Februar, im März und im Mai. Nun also die sechste Tranche - damit sind jetzt rund drei Viertel der insgesamt gut 20 geplanten Kapiteln online. Zu finden ist das Handbuch im Kopf unserer Website unter dem Stichwort "Fakten ... und dann?" Auch alle weiteren Kapitel des Handbuchs werden wir bis Ende des Jahres etappenweise veröffentlichen.

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red