The Big Picture: Eine Session zur Klimakrise auf dem World Economic Forum in Davos, Januar 2026; Foto: Sikarin Thanachaiarn/WEF
"Manometer!"-Durchblick
Im internationalen Streit um Grönland hat sich die Weltordnung grundlegend verschoben. Europa hat die USA als verlässlichen Verbündeten verloren, die Großmächte USA, China und Russland wollen die Welt in Einflusssphären aufteilen. Die EU ist gefordert, ihre Sicherheiten auszubauen. Dabei geht es um militärische und digitale Sicherheit ebenso wie um Wettbewerbsfähigkeit – und die Energieversorgung.
In seiner Rede beim World Economic Forum in Davos sprach der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz vom „Zeitalter der Großmachtpolitik“, das auf Macht, Stärke und – wenn es drauf ankomme – Gewalt ausgerichtet sei. Er betonte die europäische Solidarität, und dass Deutschland sich wieder wettbewerbsfähig mache. Er setze in seiner Energiepolitik auf die Senkung der Energiepreise und bei der Stromversorgung auf eine Kombination aus erneuerbaren Energien, Energiespeichern und dem Ausbau von Gaskraftwerken.
Dies ist die vierte Ausgabe von Manometer!, einer Koproduktion von Klimafakten und DER STANDARD. So wie das namensgebende Gerät den Druck von Gasen und Flüssigkeiten anzeigt, messen wir den gesellschaftlichen Druck in der Klimadebatte.
Unser Manometer! ist dabei so aufgebaut:
- Im „Durchblick" sortieren wir aktuelle politische Entwicklungen und Debatten aus der Perspektive ein, was daraus für die Kommunikation zu Klimathemen folgt.
- Im zweiten Abschnitt namens „Überblick" sammeln wir beispielhafte Ansätze, wie man Druck aus der klimapolitischen Debatte nehmen kann, um Lösungen zu erleichtern.
In dieser Manometer!-Ausgabe gehen wir der Frage nach, inwiefern der Verlust der USA als Verbündeter Europas einen weiteren und vielleicht sehr wirksamen Begründungsrahmen für die deutsche und europäische Energie- und Klimapolitik liefert und sammeln Stimmen von verschiedenen Akteur:innen aus Politik, Wirtschaft, Medien und NGOs. Denn die Abhängigkeit von den USA wurde größer, als Deutschland nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine von russischem Gas unabhängiger werden wollte. Eine Analyse der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ergab, dass aktuell rund 96 Prozent der deutschen Flüssiggas-Importe (LNG) aus den USA stammen.
Erneuerbare Energien: "Schutzschirm gegen Erpressungsversuche"
Die Deutsche Umwelthilfe mahnt, dass Donald Trump Gaslieferungen gezielt nutze, um Deutschland und Europa in eine neue fossile Abhängigkeit zu drängen. Deshalb fordert sie eine EU-Initiative für den Ausstieg aus fossilen US-Importen. DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner: „Versorgungssicherheit erreichen wir nur durch mehr Energieeffizienz und den schnellen Ausbau Erneuerbarer Energien. Das dient nicht nur dem Klima, sondern auch unserer Sicherheit.“
Anlässlich des internationalen Nordsee-Gipfels in Hamburg Ende Januar forderten Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sowie der Energieverband BDEW eine stärkere europäische Zusammenarbeit beim Ausbau von Offshore-Windenergie, einem Schlüsselelement der Energiewende. Die Nordsee solle zum „größten Energiehub der Welt entwickelt werden“, um die Versorgungssicherheit zu steigern und Strompreise zu senken, sagte Reiche.
„Versorgungssicherheit erreichen wir nur durch mehr Energieeffizienz und den schnellen Ausbau Erneuerbarer Energien. Das dient nicht nur dem Klima, sondern auch unserer Sicherheit.“
Aus Regierungskreisen hieß es begleitend, ein gemeinsames Vorgehen der Anrainerstaaten sei entscheidend, um Europas Energiesicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, Investitions- und Planungssicherheit der Windenergiebranche wiederherzustellen und die Strompreise zu senken. Der Schutz des Klimas, die Erreichung der Klimaziele und Senkung von Treibhausgasen jedoch kamen in der Argumentation nicht vor.
Energiesicherheit und -unabhängigkeit waren auch die bestimmenden Themen der Pressekonferenz der IG Windkraft in Wien. Nach Ansicht des österreichischen Interessenverbandes mache sich Europa angesichts internationaler Spannungen durch Energieimporte erpressbar, da böten die Erneuerbaren einen "Schutzschirm gegen Erpressungsversuche". In einer Studie zeigte die IG Windkraft gemeinsam mit dem europäischen Windenergieverband WindEurope, dass Europa bei einem konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien bis 2030 im Jahr 330 Milliarden Euro sparen könne. In Österreich seien jedoch lange Genehmigungsverfahren, der zähe Stromnetzausbau und eine schleppende Elektrifizierung zentrale Hindernisse.
Versorgungssicherheit durch Verteidigung
Doch dass man aus der veränderten Weltlage auch ganz andere Schlüsse ziehen kann, zeigte eine Gastkolumne im Handelsblatt. Dort forderte ein Unternehmensberater als Reaktion auf den Grönland-Streit sogar eine Hinwendung zu fossilen Energien. Die deutsche und europäische Politik habe die „neue Realität“ einer „Kriegswirtschaft“ noch nicht akzeptiert und halte (fälschlich) am eingeschlagenen Kurs von Klima-, Energie- und Sozialpolitik fest. Europa müsse seine industrielle Basis schützen und wiederherstellen; und das sei nur möglich, „wenn wir aufhören, mit dem Ziel der Begrenzung des Klimawandels – dem keiner der Rivalen folgt – die Deindustrialisierung durch immer höhere Energiekosten zu befördern“. Die Ausgaben für Soziales müssten in den europäischen NATO-Staaten zugunsten höherer Militärausgaben halbiert werden. Mit Blick auf Grönland müsse es der EU darum gehen, sich einen Teil der Rohstoffe zu sichern, so der Autor. Für diesen Plan eventuell relevant: Grönlands progressive Politik hat sich wegen des Klimawandels und der Umwelt eigentlich entschieden, die Förderung von Öl, Gas und Seltenen Erden zu verbieten.
Viel berichtet wurde über die Davos-Rede des kanadischen Premierminister Mark Carney, der mit seiner Prognose aufrüttelte: Die alte Ordnung werde nicht zurückkehren. Ein Westen ohne die USA? Bislang in Europa nicht denkbar. Carney fordert ein Ende politischer Selbsttäuschung – aber verliert nicht Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung, Solidarität und Achtung von territorialer Integrität anderer Staaten aus den Augen. Er rief die Mittelmächte auf, Koalitionen zu bilden – „denn wenn wir nicht am Tisch sitzen, stehen wir auf der Speisekarte".
Ressourcen-Resilienz durch Recycling und erneuerbare Energien
Die explizite Verknüpfung von Souveränitätsverteidigung und Klimaschutz leistete der deutsche Umweltminister Carsten Schneider im Deutschlandfunk: „Wir leben in Zeiten, in denen Großmächte wie nun leider auch die USA Machtpolitik mit Öl und Gas betreiben. Wer davon abhängig ist, hat ein Problem. Wer es dagegen schafft, weniger Öl und Gas zu verbrauchen und wichtige Rohstoffe zu recyceln statt zu importieren, steht besser da. Deswegen sind für mich die Umweltthemen, also Recycling und erneuerbare Energien, wichtiger denn je, um unabhängig und resilient zu werden“, sagte der SPD-Politiker.
Wie das konkret aussehen kann, zeigt das Volkswagen-Werk im sächsischen Zwickau, das zu einem Zentrum für Kreislaufwirtschaft umgebaut werden soll. Dort werden Altfahrzeuge systematisch zerlegt, um wertvolle Rohstoffe und Komponenten für die Wiederverwendung zurückzugewinnen: „Damit wird Volkswagen unabhängiger vom weltweiten Rohstoffhandel, verringert den CO2-Fußabdruck der Fahrzeuge und schafft neue Geschäftsmodelle“, so Andreas Walingen, Leiter Group Circular Economy im Unternehmen.
Fehlende Ressourcen-Resilienz und Erpressbarkeit durch fossile Exportländer wirken sich nicht nur auf Spritpreise oder Heizkosten aus, sondern auch auf unsere Einkäufe im Supermarkt. So argumentiert der Unternehmer Reinhard Schneider von Werner & Mertz, dass die Preise für Plastikverpackungen steigen, wenn das Erdöl teurer wird. Da rund 50 Prozent der Produkte in Supermärkten in Plastik verpackt seien, sei die staatliche Förderung deutscher mittelständischer Recycling-Firmen entscheidend, andernfalls werde Recycling weiter in China ausgebaut. Plastik müsste dann aus China importiert werden.
Auch RiffReporter fordern eine Offensive, sowohl bei der Energiewende als auch der Kreislaufwirtschaft. Es sei kein Preis zu hoch „dafür, dass die nötigen Solarzellen und Windräder in Europa produziert und ihre Rohstoffe vollständig wiederverwertet werden.“
Sicherheit und Klima wird auch in der Friedensforschung ein neuer Fokus; Foto: War Prevention Initiative
Nicht nur die eingangs zitierte DUH, auch andere Organisationen haben das Sicherheitsargument als Begründung für die Abkehr von fossilen Energien (wieder)entdeckt. So formuliert etwa Greenpeace Deutschland in einer neuen Unterschriftenkampagne: „Die Alternativen liegen auf der Hand: Europa macht sich unabhängig, indem wir erneuerbare Energien weiter ausbauen, unsere Energieeffizienz steigern und die Wärmewende konsequent vorantreiben – nicht wenn wir von einem fossilen Energielieferanten zum nächsten wechseln.“
Schon vor Donald Trumps Besitzansprüchen an Grönland und Venezuela betonten Expert:innen und Journalist:innen die Notwendigkeit einer erdgasunabhängigen Wirtschaft für Deutschland und Europa. Der Fachrat Energieunabhängigkeit formulierte bereits 2024 in seinem Bericht „Sicherheitsorientierte Energiepolitik“, dass Deutschland die Abhängigkeit von Erdgasimporten minimieren müsse, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, und benannte zehn konkrete Maßnahmen für Gebäude, Industrie und Finanzwirtschaft.
„Weaponizable Dependencies“ – Abhängigkeit als Waffe
Fachleute haben für Importabhängigkeiten, die Staaten erpressbar machen und geopolitisch schwächen, einen Begriff: „weaponizable dependencies“. Gemeint sind Abhängigkeiten, die gezielt als Waffe eingesetzt werden können – ob über Preiserhöhungen bei Gas- und Ölimporten, die Sabotage an Pipelines oder eine Erpressungen über Lieferketten.
Die Spiegel-Redakteurin Susanne Götze und Journalistin Annika Joeres (Correctiv, ZEIT) buchstabieren das Thema in ihrem Buch „Die Sicherheitslüge. Wie Europa sich mit Waffen schützen will – aber mit Öl & Gas erpressbar macht“ (2025) aus. Wirkliche Sicherheit sei nur mit heimischen Energiequellen zu erreichen: „Europa hat aber schlicht wenig Öl- und Gasvorkommen, was wir zur Genüge haben, sind Wind und Sonne.“
Private Autarkie sticht Preisprognosen
Nicht zuletzt für den privaten Heizungskeller bietet die instabile Weltlage einen neuen Argumentationsrahmen. Während der Anstieg der Öl- und Gaskosten lange Zeit Kern von Vergleichsrechnungen in der Energieberatung war, verändert sich laut Lennart Feldmann vom Verband der Energieberatenden GIH der Fokus. Früher galt: Je höher der CO2-Preis, desto eher rentierte sich Wärme aus Erneuerbarer Energie. „Heute versuchen wir klarzumachen, sich nicht zum Spielball der Politik machen zu lassen", sagt Feldmann der ARD. Wärmeerzeuger auf Basis erneuerbarer Energien steigerten nicht nur den Wert, sondern auch die Unabhängigkeit einer Immobilie – unabhängig von aller Klimapolitik.
"Manometer!"-Überblick
Good News
Die Zustimmung für ambitionierte Klimapolitik ist in Deutschland nach wie vor ungebrochen. Das zeigt das Klima-Update 2026 der Organisation “More in Common Deutschland (MiC)”. Für diese Umfrage wurden im September rund 2.000 Erwachsene befragt. Der Aussage „In unserer aktuellen wirtschaftlichen Lage sollten wir uns nicht so sehr um das Klimathema kümmern“ stimmten lediglich zwei von fünf Befragten zu, 64 Prozent halten es nach wie vor für “wichtig, dass wir für den Klimaschutz Dinge in unserem Land verändern.“ Insgesamt ist die Mehrheit nach wie vor für ehrgeizigeren Klimaschutz. 55 Prozent der Befragten sind der Meinung, die Politik solle die Klimaanstrengungen steigern, 18 Prozent wollen zumindest das bisherige Niveau halten.
Wer mehr über das Klima-Update wissen will: Christopher Schrader hat für klimafakten.de die Umfrage zusammengefasst: https://www.klimafakten.de/kommunikation/einstellungen-zur-klimapolitik-deutschland-jetzt-macht-doch-endlich
Presseschau
Ablehnung gegenüber Klimaschutz steigt in britischen Leitartikeln
Die Plattform Carbon Brief zählt aufgrund seiner tiefgehenden Analysen in Klimawissenschaft, Klima- und Energiepolitik zu den weltweit besten Klima-Nachrichtenseiten. Seit dem Jahr 2011 wertet Carbon Brief die Leitartikel britischer Medien aus, die sich mit Klimapolitik befassen – und stellt in der neuesten Analyse, die das Jahr 2025 untersuchte, eine Trendwende fest: „Erstmals übertrifft die Ablehnung von Klimaschutzmaßnahmen in britischen Zeitungsredaktionen die Zustimmung.“
Die Trendwende sei massiv: 98 negative Leitartikel stehen 46 gegenüber, die mehr Klimaschutz einforderten. Mit Hinblick auf die Blattlinie der Zeitungen lässt sich diese Aussage allerdings relativieren, denn laut Carbon Brief kam „die Kritik an Netto-Null-Maßnahmen, einschließlich des Ausbaus erneuerbarer Energien, ausschließlich von rechtsgerichteten Zeitungen, insbesondere von The Sun, Daily Mail und Daily Telegraph.“ Jene, die mehr Klimaschutz einforderten, erschienen in eher linken oder neutralen Zeitungen wie The Guardian und Financial Times. Laut Carbon Brief spiegele die Auswertung „eine bedeutende Verschiebung innerhalb der politischen Rechten Großbritanniens im Jahr 2025 wider, als die oppositionelle Konservative Partei der rechtsextremen populistischen Partei Reform UK nacheiferte und das von ihr gesetzlich festgelegte Netto-Null-Ziel sowie die zuvor von ihr vertretenen politischen Maßnahmen endgültig ablehnten“.
Zur Carbon-Brief-Analyse: https://www.carbonbrief.org/analysis-uk-newspaper-editorial-opposition-to-climate-action-overtakes-support-for-first-time/
(Fehlendes) Framing von Netto-Null als Klimalösung
Eine weitere Auffälligkeit förderte die britische Organisation „The Energy and Climate Intelligence Unit” (ECIU) zutage. Demnach trennen britische Medien zunehmend die Begriffe „Netto-Null-Ziel” vom „Klimawandel”. Durch die Ausblendung des wissenschaftlichen und politischen Kontexts „laufe das Netto-Null-Ziel Gefahr, neu definiert zu werden – nicht mehr als Lösung zur Eindämmung des Klimawandels, sondern als Teil eines grünen Kulturkampfs“, warnt ECIU-Direktor Peter Chalkley.
ECIU ließ rund 73.000 Artikel analysieren. „Im Jahr 2018, ein Jahr bevor Großbritannien ein Gesetz zum Netto-Null-Emissionsziel verabschiedete, ergab die Analyse, dass hundert Prozent der Artikel in neun großen britischen Tageszeitungen, in denen der Begriff ‘Netto-Null’ mindestens dreimal erwähnt wurde, darunter auch in der Überschrift, auch den Begriff ‘Klimawandel’ oder einen ähnlichen Begriff wie ‘globale Erwärmung’ enthielten”, heißt es in der Analyse. „Bis 2024 war dieser Anteil auf 59 % gesunken.”
Auch in dieser Untersuchung wird die Kluft sichtbar, der sich durch die britische Medienlandschaft zieht. So stellt der linksliberale Guardian den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Netto-Null zwei bis drei Mal häufiger her (71 Prozent) als die rechtsgerichteten Blätter The Sun (23 Prozent) und The Telegraph (32 Prozent).
Good-Practice Klimakommunikation
Kaum irgendwo lassen sich die Folgen des Klimawandels eindrucksvoller beobachten als auf Gletschern, die sich in den vergangenen Jahrzehnten rasant zurückgezogen haben. Der „Girls* on Ice Austria" veranstaltet für junge Frauen zwischen 15 und 17 Jahren eine kostenlose Expedition in die vergletscherten Berge Tirols. Die Teilnehmerinnen verbingen eine Woche abseits der Zivilisation – und können dort die Folgen der Klimakrise nicht nur erleben, sondern auch mehr über das Klima erfahren.
Begleitet werden sie von Erdwissenschaftler:innen, Künstler:innen und Bergführer:innen. Die Expedition wird von der Universität Innsbruck und ihrem Stiftungsförderkreis 1669 finanziert. Die nächste Expedition ist von 23. Juli bis 2. August angesetzt, bewerben können sich junge Frauen im Alter von 15 bis 17 Jahren noch bis Februar. Kenntnisse im Bergsteigen sind nicht notwendig.
Alle Informationen hier: https://www.inspiringgirls.org/goi-austria
Neuigkeiten aus der Forschung
Welche Botschaften in der Klimakommunikation machen tatsächlich einen Unterschied? Mit dieser Frage haben sich 25 Forscher:innen in einer Studie auseinandergesetzt, an der mehr als 13.000 Menschen aus den USA teilgenommen haben. Die Wissenschaftler:innen untersuchten dabei zehn Kommunikationsstrategien, die in 157 bereits publizierten Studien erwähnt worden waren.
Die im Fachjournal Nature Climate Change erschienene Studie kommt zu dem Schluss, dass mindestens sechs der zehn Kommunikationsstrategien für den Klimaschutz wirken – und zwar über politische Lagergrenzen hinweg. „Die Überzeugungskraft variierte kaum zwischen den Parteien, was nicht mit Theorien übereinstimmt, die heterogene Auswirkungen für gezielte Botschaften vorhersagen“, heißt es in der Studie. Die sechs Argumente, die die Einstellung auf Klimaschutzmaßnahmen positiv beeinflusst, gereiht nach Wirksamkeit:
- Klimaschutz schützt Amerika,
- der Klimawandel ist wissenschaftlicher Konsens und wird nur durch Fake-News infrage gestellt,
- Klimaschutz bewahrt den American-Way-of-Life,
- Der ungebremste Klimawandel hat schlimme Folgen, kann aber gelöst werden,
- Klimaschutz birgt Vorteile und
- Klimaschutzmaßnahmen sind mit dem freien Markt vereinbar.
Link zur Studie: https://www.nature.com/articles/s41558-025-02536-2
Fundstück des Monats
Klimaschutz spielend leicht lernen? Kein Problem. Es gibt mittlerweile eine große Auswahl an Spielen, die um das Thema kreisen und Bewusstsein schaffen. Beim Brettspiel “E-Mission” streben etwa verschiedene Regionen der Erde gemeinsam danach, Runde für Runde die Treibhausgas-Emissionen der Welt zu senken. Beim Kartenspiel „CHALLENGE accepted“ überlegen sich die Mitspieler:innen, wie sie auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen und Umweltprojekte voranbringen können. Beim Weltklimaspiel – einem dreitägigen Workshop – versuchen bis zu 30 Teilnehmer:innen, eine nachhaltige Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung zu etablieren.
Wer Inspiration braucht: Die Plattform Klimaaktiv gibt einen guten Überblick zur Klimabildung mit Spaßfaktor: https://www.klimaaktiv.at/klimabildung/klima-bildung/grundlagen-tipps/klimaspiele
Vernetzung für junge Klimaaktive
Die Klimakrise zählt zu den größten Sorgen von Jugendlichen. Dennoch zeigt ein neuer Bericht des deutschen Umweltbundesamts, dass sich weniger junge Menschen als früher für Nachhaltigkeit engagieren und Jugendliche schwieriger für Umwelt-, Klimaschutz- und ökologische Nachhaltigkeitsthemen zu erreichen sind. Unter dem Titel „Ungehört? Ungesehen? Unengagiert? Gemeinsam Jugendengagement für Nachhaltigkeit stärken“ wollen das deutsche Umweltministerium und das Umweltbundesamt junge Vertreter:innen zum Engagementforum am 21. Februar in Berlin zusammenbringen. Das Ziel ist, jungen Menschen wieder mehr Gehör zu verschaffen und Wege aufzuspüren, wie sie sich für Nachhaltigkeit engagieren können.
Die kostenlose Veranstaltung richtet sich an Haupt- und Ehrenamtliche aus zivilgesellschaftlichen Jugendorganisationen und -forschung, mitmachen können allerdings auch junge Menschen, die sich bislang noch gar nicht für Nachhaltigkeit eingesetzt haben. Für 50 Teilnehmende werden Reise- und Übernachtungskosten übernommen.
Alle Informationen zur Veranstaltung hier; Anmelden können sich Interessierte bis 7. Februar.
Die Ergebnisse des Berichts des Umweltbundesamts „Jugendengagement für Nachhaltigkeit stärken” finden Sie hier: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/jugendengagement-fuer-nachhaltigkeit-staerken-0
Druck rausnehmen
Die einen versprechen, der Markt werde die Klimakrise lösen – man müsse ihn nur entfesseln. Die anderen glauben, die Wirtschaft müsse gesundschrumpfen, damit sich die Naturzerstörung noch stoppen lasse. Dritte hoffen auf die Lösung durch Zukunftstechnologien und trommeln „Technologieoffenheit". Wieder andere fordern mehr staatliche Eingriffe, um den Planeten zu retten.
Wie wirkmächtig diese klimapolitischen Erzählungen geworden sind, analysiert der österreichische Sozioökonom Michael Soder in seinem neuen Buch „Hitzige Debatten" und erklärt, warum sich die Positionen so verhärtet haben.
„Wer die Klimadebatten nur als Kampf gegensätzlicher Lager versteht, übersieht das Potenzial der Zwischenräume. Es sind nicht die Extreme, die Lösungen blockieren, sondern es ist die Unfähigkeit, die geteilten Bedürfnisse hinter den Geschichten zu erkennen: Sicherheit, Gerechtigkeit, Freiheit und Zugehörigkeit”, schreibt Soder und folgert: „Genau hierin können Schlüssel für eine effektive Klimapolitik liegen. Eine Klimapolitik, die nicht zwischen Richtig und Falsch moralisch urteilt, sondern den Fokus auf die Anschlussfähigkeit legt. Denn nur wer Brücken erkennt, kann sie auch bauen.”
Michael Soder (2025): „Hitzige Debatten. Wie der Streit ums Klima unsere Gesellschaft spaltet und was wir dagegen tun können", ÖGB Verlag, 206 S., € 24,90.
Dieser Text ist Teil unseres Projekts #DebattenKLIMA. Es will – möglichst praxisnah – der Frage nachgehen, wie gesellschaftliche und politische Debatten über Klimaschutz und Klimaanpassung so geführt werden können, dass sie möglichst viel dazu beitragen, die Emissionen auf Null herunterzubringen. Eine der besonders spannenden Fragen hierbei ist, wie dies auch dann gelingen kann, wenn sich wichtige gesellschaftliche Akteure (seien es politische Parteien, seien es reichweitenstarke Medien, seien es einzelne Interessengruppen) einem solchen Diskurs entziehen oder verweigern oder ihn gar aktiv torpedieren – aus welchen Motiven auch immer.
Im Rahmen des Projekts erscheint unter anderem die monatliche Rubrik Manometer! – hier beobachten und analysieren wir die klimapolitischen Debatten im deutschsprachigen Raum und gehen der Frage nach, wie man Druck aus der klimapolitischen Debatte nehmen kann, um Lösungen zu erleichtern. Eine weitere Rubrik ist die „Studie des Monats“, in der wir monatlich besonders wegweisende Ergebnisse der Sozialforschung zur Klimakommunikation vor – und beschreiben, was sich daraus ganz praktisch ableiten lässt für die tagtägliche Kommunikationsarbeit rund ums Klima. Hierbei arbeiten wir zusammen mit einem Forschungsteam um Michael Brüggemann, Professor für Kommunikationswissenschaft, Klima- und Wissenschaftskommunikation an der Universität Hamburg und langjähriger wissenschaftlicher Berater von Klimafakten.
Gefördert wird das Projekt #DebattenKLIMA von der Marga und Kurt-Möllgaard-Stiftung sowie der Naturstromstiftung.
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