Knapp vier Prozent der Wohnungen in Deutschland werden mit Holz beheizt, in Österreich sind es Statistiken zufolge sogar 18 Prozent. In der Schweiz werden immerhin acht Prozent des gesamten Energiebedarfs für Gebäudeheizungen aus Holz gewonnen. Millionen Menschen also wärmen sich mit Pellets, Hackschnitzeln, Holzbriketts oder Scheitholz, mit Heizkesseln, Kamin- oder Kachelöfen.
Die Beliebtheit nimmt eher noch zu – auch weil Heizen mit Holz weithin als klimaschonend gilt. Außerdem ist der Umstieg von einem Gas- oder Öl-Brenner zum Beispiel auf einen Pelletofen oft preiswerter als der Einbau einer Wärmepumpe. Nicht zuletzt werden Holzheizungen teils staatlich gefördert, das deutsche Bundeslandwirtschaftsministerium etwa sieht „Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft“ als „klima- und ressourcenschonende“ Quelle von Heizenergie. Denn, so die Argumentation, das Kohlendioxid, das beim Verbrennen entsteht, werde ja später von nachwachsenden Bäumen wieder aus der Atmosphäre gezogen.
In der Forschung werden die meisten Holzheizungen ziemlich kritisch gesehen
Aber stimmt das wirklich? Ist Holz ein klimafreundlicher Brennstoff? Den Stand der Forschung zum Thema fasst ein neuer Text in unserem Ressort "Was nützt?" zusammen. Ein genauerer Blick nämlich lässt das Bild wenig eindeutig erscheinen: Denn oft ist nicht sicher, dass tatsächlich genügend Holz nachwächst, um die Emissionen aus Holzöfen auszugleichen. Und selbst wenn, dauert es Jahrzehnte, bis dadurch das heute emittierte Kohlendioxid wieder aus der Atmosphäre geholt ist.
Ein weiteres Argument der Kritiker: Um den Klimawandel zu bremsen, muss der Kohlenstoffspeicher Wald vergrößert werden, nicht ausgedünnt. Deshalb scheint es aus Klima-, aber auch aus Naturschutzsicht insgesamt als wenig sinnvoll, Bäume massenhaft zur Brennholzgewinnung zu fällen. Zudem gibt es deutlich klimaschonendere Heizungsalternativen, etwa Wärmepumpen (betrieben mit Strom aus erneuerbaren Energien), Solar- oder Geothermie.
Das deutsche Umweltbundesamt jedenfalls hat im März 2024 das Heizen mit Holz neu bewertet – und stuft es seither, unter teils harscher Kritik zum Beispiel von Interessenverbänden, erheblich schlechter ein. Weil ein Kilogramm Holz durch seinen relativ hohen Feuchtigkeitsgehalt einen schlechteren Brennwert hat als dieselbe Menge Kohle, schneiden etwa Holzscheit-Öfen bei der Klimabilanz kaum besser ab als Kohleheizungen (siehe Grafik). Doch auch international warnen viele renommierte Fachleute davor, bei der Energiewende massiv auf die Alternative Holz zu setzen. So hieß es im Februar 2021 in einem Offenen Brief an EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und weitere Staats- und Regierungschefs:
„Wir appellieren dringend, nicht Klimaziele und weltweite Biodiversität dadurch zu gefährden, dass Bäume statt fossiler Energieträger verbrannt werden. [...] Würde die Welt nur zwei Prozent mehr Energie aus Holz gewinnen, müsste sie ihre kommerziellen Holzeinschläge verdoppeln. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass der verstärkte Einsatz von Bioenergie in Europa bereits zu einer erheblichen Zunahme der Holzernten geführt hat. Dies schafft zudem ein Modell, das tropische Länder dazu ermutigt, mehr ihrer Wälder abzuholzen.“
Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler raten deshalb: Holz sollte nur vorsichtig und innerhalb enger Grenzen, erst nach „Kaskadennutzung“ (also der vorherigen Verwendung in langlebigen Produkten) und in vergleichsweise geringen Mengen zum Heizen genutzt werden. Dies solle außerdem nur in Kombination mit einer tatsächlich nachhaltigen Waldbewirtschaftung geschehen. Eine solche nachhaltige Bewirtschaftung hat nicht nur das Nachwachsen von genügend Holz im Blick, sondern zum Beispiel auch Umwelt- und Artenschutz.
Unser Artikel zum Heizen mit Holz ist – wie alle Texte im Ressort "Was nützt?" – in übersichtlicher Frage-Antwort-Form verfasst, in allgemeinverständlichen Worten und streng auf Basis wissenschaftlicher Quellen. (Hintergründe dazu, wie die Texte entstehen, finden Sie hier).
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red