Zusammenfassung:

Heizen trägt weltweit stark zum Klimawandel bei, weil dabei meist fossile Energieträger wie Kohle, Öl oder Erdgas verbrannt werden und große Mengen CO2 entstehen. Holz wird oft als klimafreundliche Alternative genannt, weil – so der Gedankengang – nachwachsende Bäume genauso viel Kohlendioxid wieder binden würden, wie zuvor die Holzverbrennung verursacht habe, und damit die Emissionen unterm Strich bei Null lägen.

Doch dies ist zu kurz gedacht. Denn häufig ist nicht sicher, dass tatsächlich genügend Holz nachwächst. Und selbst wenn, dauert es Jahrzehnte, bis dadurch das heute emittierte Kohlendioxid wieder aus der Atmosphäre geholt ist. Ein weiteres Argument der Kritiker von Holzheizungen: Um den Klimawandel zu bremsen, muss der Kohlenstoffspeicher Wald vergrößert werden, nicht ausgedünnt. Deshalb scheint es aus Klima-, aber auch aus Naturschutzsicht insgesamt als wenig sinnvoll, Bäume massenhaft zur Brennholzgewinnung zu fälle. Zudem gibt es deutlich klimaschonendere Heizungsalternativen, etwa Wärmepumpen (betrieben mit Strom aus erneuerbaren Energien), Solar- oder Geothermie.

Eine Empfehlung der Forschung lautet daher, zum Heizen höchstens Rest- und Altholz zu nutzen, das nicht mehr anderweitig genutzt werden kann.

 

Gebäude mit Holz zu beheizen statt mit fossilen Energieträgern, klingt zunächst wie eine klimafreundliche Sache. Aber stimmt das? Oder wäre es für den Klima- und auch Artenschutz nicht vielleicht sinnvoller, Wälder zu schützen statt zu roden? Und wie ist die CO2-Bilanz von Holzheizungen genau im Vergleich zum Beispiel zu Gaskesseln, aber auch zu Wärmepumpen? Antworten dazu aus der Wissenschaft.

 

Es warm zu haben, ist ein menschliches Grundbedürfnis. Das eigene Zuhause und andere Innenräume, in denen wir uns aufhalten, müssen ausreichend geheizt sein. Entsprechend hoch ist der Bedarf an Heizenergie vor allem in kühleren Weltgegenden, etwa Teilen Nordamerikas, Europas und Eurasiens (IPCC 2022, AR6, WG3, Kap. 2.4.2.3).

Für den Klimaschutz bedeutet das eine Herausforderung: Die Erzeugung von Heizenergie gehört zu den weltweit größten Quellen von Treibhausgasen (die Bereitstellung von Warmwasser wird in den meisten Statistiken unter Heizenergie mitbilanziert). Der Grund für die hohen Emissionen: Bisher werden in den meisten Ländern – so auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz – gewaltige Mengen fossiler Energieträger zum Heizen verbrannt, also Kohle, Erdöl und Erdgas.

Laut Sechstem Sachstandsbericht des IPCC verursacht der Gebäudesektor insgesamt pro Jahr weltweit rund zwölf Milliarden Tonnen Emissionen (das entspricht etwa einem Fünftel des globalen Treibhausgasausstoßes). Gut 80 Prozent der Gebäudeemissionen resultieren aus der Erzeugung von Heiz- und anderer Energie (der Rest aus dem Bau bzw. den nötigen Baustoffen) – schätzungsweise sind also es pro Jahr knapp zehn Milliarden Tonnen Kohlendioxid, die von Heizungen verursacht werden (IPCC 2022, AR6, WG3, Kapitel 9.3.1).

Rund 67 Prozent des globalen Heizenergiebedarfs wurden nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) 2010 durch fossile Energieträger gedeckt; 2022 (dem Jahr mit den aktuellsten verfügbaren Daten) waren es gerade einmal vier Prozentpunkte weniger – obwohl klimaschonende Alternativen laut IEA „verfügbar und ausgereift“ sind. Doch der Umstieg etwa auf Wärmepumpen [siehe dazu unser separates F&A] verläuft vielerorts zäh. Zugleich machen (regional aber durchaus unterschiedliche) Trends wie Bevölkerungszunahme, besonderes Wachstum der Städte und zunehmender Wohlstand (der oft verbunden ist mit mehr Wohnfläche pro Kopf) viele Effizienzgewinne zunichte.

Die Folge: In den vergangenen Jahren sind die CO2-Emissionen durchs Heizen kaum gesunken; das gilt weltweit ebenso wie für Deutschland. Um wichtige Klimaziele zu erreichen, müsste dies aber sehr schnell passieren, mahnt die IEA. Konkret sei eine Halbierung des Treibhausgasausstoßes aus Heizungen bis 2030 nötig, wenn das Ziel in Reichweite bleiben soll, die weltweiten Gesamtemissionen bis 2050 auf Null zu senken (IEA 2023: Heating).

In Deutschland resultieren laut Umweltbundesamt rund 25 Prozent aller CO2-Emissionen aus dem Beheizen von Gebäuden. In Österreich entfallen laut amtlicher Statistiken rund 14 Prozent der Gesamtemissionen auf den Gebäudesektor, in der Schweiz sind es nach offiziellen Angaben rund 22 Prozent. Ursache dafür ist, wie erwähnt, der weiterhin hohe Anteil fossiler Energieträger an der Wärmegewinnung: In Deutschland werden laut Branchenverband BDEW mehr als die Hälfte aller Wohnungen mit Erdgas beheizt, fast ein Fünftel mit Erdöl und rund ein Siebtel mit (häufig ebenfalls noch fossil erzeugter) Fernwärme. In Österreich gewinnen 35 Prozent der Hauptwohnsitze ihre Wärme direkt aus Erdgas oder Erdöl, in der Schweiz werden 58 Prozent der Gebäude fossil beheizt.

Infografik zu Heizungssystemen in Deutschland (BDEW)

Abbildung 1: Rund drei Viertel der Wohnungen in Deutschland werden trotz laufender Energiewende noch mit fossilen Energieträgern beheizt, die meisten mit Erdgas; Grafik: BDEW 2024

Seit Jahren sinken die Emissionen zum Beispiel aus dem deutschen Gebäudesektor nicht oder nur kaum, wie etwa Statistiken des Umweltbundesamtes immer wieder zeigen; dieser Bereich liegt deutlich hinter den Vorgaben des Klimaschutzgesetzes zurück. Die Heizemissionen zu senken, gehört damit zu den drängendsten Aufgaben der deutschen Klimapolitik.

Die konkrete Klima-Wirkung einer Heizung hängt vor allem vom verwendeten Brennstoff ab und davon, wie sauber und effizient er verbrennt. Das wiederum wird durch die verwendete Heiztechnologie beeinflusst und durch die Eigenschaften des Brennstoffs selbst, beispielsweise durch seinen Kohlenstoff- und Wassergehalt sowie den Heizwert (UBA 2022). Eine präzise Antwort auf die Frage, wie viel Kohlendioxid die Erzeugung einer bestimmten Wärmemenge der jeweilige Brennstoff in einer konkreten Situation verursacht, gibt es deshalb meist nicht – wohl aber begründete Schätzwerte.

Das deutsche Umweltbundesamt (UBA) zum Beispiel kalkuliert für jede aus Erdgas erzeugte Kilowatt-Stunde (kWh) Wärmeenergie mit Emissionen von 257 Gramm CO2-Äquivalenten (bei dieser Maßeinheit, abgekürzt CO2-Äq, werden andere Treibhausgase wie Methan in die Klimawirkung von Kohlendioxid umgerechnet). Fernwärme schlägt mit durchschnittlich 308 Gramm je kWh zu Buche, leichtes Heizöl mit 313 Gramm, Steinkohle mit 433 Gramm und Braunkohlebriketts mit 445 Gramm.

Klimaschonende Alternativen liegen bei den Emissionen mindestens um den Faktor 10 darunter: Solarthermie verursacht laut UBA nur 23 Gramm CO2-Äquivalente pro kWh, und eine mit erneuerbarem Strom betriebene Wärmepumpe ist mit 9 Gramm je kWh Heizenergie nahezu emissionsfrei. Wichtig zu bedenken: Die Behörde rechnet bei allen Heizungsoptionen auch Vorab-Emissionen mit ein, die beim Transport und der Herstellung des jeweiligen Brennstoffs entstehen ([ehr zu klimaschonenden Heizungen in Abschnitt 6].

Holz stuften deutsche Behörden bis vor kurzem ebenfalls einhellig als eher klimafreundlich ein – und tun es teils immer noch. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zum Beispiel kalkuliert in einem Informationsblatt aus dem Mai 2025 für Holzpellets mit Emissionen von lediglich 36 Gramm je erzeugter kWh Wärmeenergie und für getrocknetes Holz mit 27 Gramm; Grundlage dafür sind UBA-Berechnungen aus den Jahren 2019 und 2020. Jedoch hat das UBA im März 2024 Holzheizungen neu bewertet – und deutlich schlechter eingestuft. Es erntete dafür teils harsche Kritik von Interessenverbänden, aber auch von Wissenschaftlern, auf die wiederum der Präsident der Behörde in einer ausführlichen Stellungnahme reagierte [mehr zum Thema in Abschnitt 5]. Das UBA rechnet nun für jede mithilfe von Holzpellets erzeugte Kilowattstunde Wärme mit Emissionen von 374 Gramm, bei Hackschnitzeln mit 343 und bei Stückholz gar mit 404 Gramm CO2-Äq. je kWh. (Auch hier beziehen die Zahlen Emissionen ein, die etwa durch die Holzernte, den Transport und die Verarbeitung entstehen.)

Infografik zur Klimabilanz von Holzheizungen

In Österreich bewertet das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz Holz generell als klimafreundlichen Brennstoff; ebenso in der Schweiz, wo das Bundesamt für Umwelt (BAFU) aber einschränkt: Heizen mit Holz sei nur CO2-neutral,

„solange nicht mehr Holz verbrannt wird, als im gleichen Zeitraum nachwächst. Werden für die Holzernte, die Verarbeitung und den Transport fossile Energieträger eingesetzt, verschlechtert sich die Bilanz der Treibhausgasemissionen. Den besten Effekt auf das Klima hat Holz, das als Baustoff genutzt wird. So bleibt das CO2 aus der Atmosphäre längerfristig im Holz gespeichert.“

In Österreich betont ein Factsheet aus dem Forschungsverbund Climate Change Center Austria (CCCA), dass Holzbiomasse „nur eine bescheidene Rolle in der Transformation des Energiesystems spielen“ könne und nur solche aus „Reststoffflüssen der (tatsächlich benötigten) stofflichen Nutzung“ beschränkt werden sollte – unter anderem, weil es wichtig sei, den Wald als Kohlenstoffsenke zu erhalten [siehe dazu auch Abschnitt 5 und Abschnitt 6].

Seit Jahrtausenden ist Holz weltweit ein wichtiger Energielieferant zum Heizen und Kochen. Doch sind die CO2-Emissionen der Menschheit seit rund 150 Jahren massiv gestiegen und verändern das Klima gefährlich – und auch bei der Verbrennung von Holz entsteht bekanntlich Kohlendioxid. Sie trägt also grundsätzlich zum weltweiten CO2-Ausstoß bei.

Und in vielen Weltgegenden ist Holz bis heute ein essenzieller Energieträger: Etwa ein Viertel der globalen Gebäude-Heizenergie kommt laut der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energie (IRENA) aus der traditionellen Nutzung von Biomasse – eine Kategorie, die beispielsweise offene Holzfeuer, aber auch das Verbrennen von Dung und Holzkohle einschließt. Etwa zwölf Prozent der Gebäude-Heizenergie wird den IRENA-Daten zufolge durch sogenannte „moderne“ erneuerbare Energien geliefert – zwar fallen darunter auch Heizanlagen, die etwa Holzpellets verbrennen, doch die IRENA und andere Fachleute fassen unter diesen Begriff vor allem die klimafreundliche Wärmeversorgung per erneuerbar erzeugtem Strom und Wärmepumpe. (Unbearbeitetes Holz wird von der IRENA demgegenüber nicht als „moderne“ erneuerbare Heizenergie eingestuft.)

In der EU spielt die sogenannte Bioenergie in der Energiepolitik eine wichtige Rolle, darunter werden sowohl Holz als auch Biogas oder flüssige Brennstoffe aus Agrarrohstoffen (etwa Rapsöl) verstanden. Diese Energieträger liefern laut Europäischer Energieagentur (EEA) fast die Hälfte aller insgesamt verbrauchten erneuerbaren Energien in der EU; der Vormarsch der besonders klimaschonenden Wärmepumpen hingegen verläuft in einigen Ländern, etwa Deutschland, eher zögerlich. Die EU-Kommission plant in ihrer Bioökonomie-Strategie, die natürlichen Ressourcen künftig noch intensiver zu nutzen – allerdings möglichst langlebig und in Rohstoffkreisläufen, damit beispielsweise Wälder als sogenannte Kohlenstoffsenken (also CO2-Speicher) und als artenreiche Ökosysteme erhalten bleiben. So wird zum Beispiel die Nutzung von Biomasse wie Holz, Schilf oder anderen Pflanzen aus naturnahen Wäldern, Mooren und anderen besonders kohlenstoff- oder artenreichen Landschaften von der EU nicht als nachhaltig gefördert. Das schränkt naturgemäß auch den Verbrauch von Holz zur Energieerzeugung ein.

Exakt beziffern lässt sich nicht, wie viel Holz aktuell in der EU als Heizmaterial genutzt wird; ein Report des wissenschaftlichen Dienstes der EU moniert „nennenswerte Lücken“ in den Daten (Camia et al. 2020). Die Größenordnung lässt sich aber erkennen: Laut Europäischer Kommission werden derzeit etwa 17 Prozent des gesamten Heizenergiebedarfs in der EU durch „feste Biomasse“ erzeugt – und das ist vor allem Holz in Form von Rund- und Scheitholz, Holzpellets oder Holzhackschnitzeln. Damit spielt die feste Biomasse fürs Heizen in Europa eine viel wichtigere Rolle als andere Formen von Bioenergie wie beispielsweise Biogas (EU-Kommission 2024, S. 9). Mit Biomasse zu heizen, wird sogar noch beliebter: Laut EU-Kommission nahm die Nutzung in den Mitgliedsstaaten in den vergangenen Jahren stetig zu, 2021 lag sie mehr als 50 Prozent über dem Stand von 2012 (EU-Kommission 2024, Grafik 33, S. 47).

Auch in Deutschland spielt Holz beim Heizen eine relevante Rolle: Laut Bundeslandwirtschaftsministerium heizen hierzulande rund 1,1 Millionen Haushalte mit Holz, sei es in Form von Pellets, Hackschnitzeln, Holzbriketts oder Scheitholz, in Heizkesseln, Kamin- oder Kachelöfen. Am häufigsten werde Scheitholz verwendet, „weil es durch die Brennholznutzer vielfach selbst aufgearbeitet werden kann“, so das Ministerium. Laut Branchenverband BDEW (2025) werden in Deutschland 3,6 Prozent der Wohnungen (Einfamilienhäuser sind mitgemeint) mit einer Holz- oder Pellet-Zentralheizung beheizt, ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem Niveau von 2019.

In Österreich gewinnen nach offiziellen Angaben sogar 18 Prozent der Privathaushalte ihre Wärme aus Holz; in der Schweiz sind es laut Branchenverband rund acht Prozent des gesamten Energiebedarfs für Gebäudeheizungen.

Die Argumentation lässt sich etwa so zusammenfassen: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff. Wird es verbrannt, gelangt nur so viel Kohlendioxid in die Atmosphäre, wie vorher durch das Wachstum der Pflanze gebunden wurde – und wird ein Baum gefällt, macht er im Wald Platz für andere Pflanzen, die durch ihr Wachstum wieder Kohlendioxid aus der Atmosphäre ziehen und so die beim Verbrennen entstandenen Emissionen ausgleichen. Es gebe daher (anders als bei fossilen Brennstoffen) eine Art geschlossenen CO2-Kreislauf. So beschreibt es etwa die dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELH) unterstellte Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR) auf ihrer Website, auch das Ministerium selbst bezeichnet „Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft“ als „klima- und ressourcenschonende“ Quelle von Heizenergie.

Viele Industriestaaten fördern das Verbrennen von Holz, oft auch zur Stromerzeugung, um ihre Erneuerbare-Energie-Ziele zu erreichen (Sterman et al. 2022). In Deutschland wird der Einbau von Holzheizungen staatlich bezuschusst, beispielsweise über die KfW; und Holzheizungen sind vom CO2-Preis ausgenommen, der auf fossile Brennstoffe entrichtet werden muss. Dabei wird häufig davon ausgegangen, dass ein großer Teil des Brennholzes (vor allem Pellets) aus Resten der Holzindustrie stammt, die andernfalls ohnehin verrotten würden – das in ihnen gebundene CO2 würde deshalb so oder so freigesetzt. In einem Bioenergie-Nachhaltigkeitsreport der EU-Kommission heißt es beispielsweise: „Die Umweltauswirkungen von Holzhackschnitzeln und Holzpellets sind in der Regel gering, da diese meist aus Waldrestholz und Nebenprodukten von Sägewerken hergestellt werden.“ (EU-Kommission 2024, S. 11)

Daneben hat der gute Ruf von Holz mit einer Feinheit der internationalen Treibhausgasbilanzierung zu tun: Der Weltklimarat IPCC – dessen Methodik auch für die deutsche Treibhausgasberichterstattung etwa nach dem Klimaschutzgesetz maßgeblich ist – schlägt den CO2-Ausstoß, der durch die Holzernte entsteht, dem Landsektor zu. Rodungen verschlechtern dort also die Bilanz, während Aufforstungen sie verbessern (IPCC 2006: IPCC Guidelines for National Greenhouse Gas Inventories. Volume 4. Agriculture, Forestry and Other Land Use. Chapter 4: Forest Land). Entsprechend werden Emissionen, die später beim Verbrennen des Holzes in anderen Sektoren (etwa beim Heizen) in die Atmosphäre entlassen werden, in der IPCC-Systematik nicht erneut bilanziert. Deshalb ist es logisch und folgerichtig, Holz in den IPCC-Bilanzen zum Energiesektor als emissionsfrei zu bewerten.

Doch in der Realität setzt Heizen mit Holz sehr wohl Treibhausgase frei, die den Klimawandel erst einmal weiter antreiben. Die wissenschaftliche Debatte über den Brennstoff ist deshalb durchaus kontrovers, zum Beispiel darüber, wie groß der Klimanutzen wirklich ist, wenn man Biomasse (etwa Holz) mit der CO2-Abscheidung (CCS) kombiniert (IPCC 2022, AR6, WG3, Kapitel 7, Box 7.7).

[Zu dieser sogenannten BECCS-Technologie
siehe beispielsweise unser F&A zum Thema Carbon Dioxide Removal, Punkt 7]

Jedenfalls wird das Potenzial der Holzverbrennung zur Senkung des Treibhausgasausstoßes teils sehr unterschiedlich eingeschätzt (was sich dann auch in uneinheitlichen und inkonsistenten Förderregeln zum Beispiel deutscher Behörden niederschlägt – siehe dazu Abschnitt 2).

Zentraler Punkt: Der idealtypische geschlossene CO2-Kreislauf funktioniert nur, wenn tatsächlich ausreichend Holz nachwächst – doch dies geschehe viel zu langsam, argumentieren etliche Forscherinnen und Forscher {siehe dazu Abschnitt 5.2]. Andere hingegen sagen: Da ältere und/oder naturnahe, sich selbst überlassene Wälder praktisch kaum noch weiteres CO2 aufnehmen und speichern könnten, müsse man aus Klimasicht geradezu Platz für nachwachsendes Holz schaffen. In nachhaltig bewirtschafteten Wäldern könne man zudem davon ausgehen, dass der CO2-Speicher Wald mindestens intakt bleibe – oder gar wachse. Die energetische Nutzung von Holz aus solchen Wäldern sei deshalb aus Klimasicht positiv zu sehen, argumentieren etwa die IEA und verschiedene Forscherinnen und Forscher (Irslinger 2022; Schulze et al. 2021; Schulze et al. 2022).

Doch werden Wälder wirklich nachhaltig bewirtschaftet, ist die Menge an Brennholz, die man entnehmen kann, ziemlich begrenzt – darauf weist unter anderem das deutsche Umweltbundesamt hin (UBA 2022). Und auch die IEA sagt in ihrem aktuellen Überblick zur Bioenergie voraus, dass das klimafreundliche Heizen in Zukunft hauptsächlich auf erneuerbarem Strom (und Wärmepumpen) basieren wird und nicht so sehr auf Holz.

Ganz simpel: Auch Heizen mit Holz erhöht (erstmal) den Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre und trägt so zur Erderhitzung bei – eine CO2-Bindung durch nachwachsende Bäume hingegen findet (wenn überhaupt) erst später statt. Jedoch kommt es in der heutigen Zeit, in der die globalen Emissionen an Treibhausgasen schnellstmöglich sinken müssen, darauf an, die sogenannten Kohlenstoffsenken (also Kohlenstoffreservoire wie eben Wälder) nicht nur zu erhalten, sondern zu vergrößern. Vitale Wälder werden gebraucht, um zum Beispiel nicht vermeidbare Emissionen aus Industrie oder Landwirtschaft auszugleichen (und ebenso für den Natur- und Artenschutz). Außerdem nützen gesunde Wälder bei der Anpassung an die Klimakrise, also um deren Folgen abzumildern: Bäume und Wälder wirken kühlend, sie schützen Böden vor Erosion und helfen beim Speichern von Grundwasser. Doch ihre Fähigkeit, alle diese Funktionen zu erfüllen, ist aufgrund der fortschreitenden Erderhitzung akut gefährdet.

Das Bundesumweltministerium sieht Heizen mit Holz daher im Gegensatz zum Landwirtschaftsministerium kritisch: „Heizen mit Holz ist entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht klimaneutral“, schreibt es auf seiner Website. Und weiter:

„Der Idee einer klimaneutralen Energie, die aus Holz gewonnen wird, liegt der Gedanke einer nachhaltigen Waldnutzung zugrunde: Die Vorstellung ist, dass die CO2-Emissionen aus der Verbrennung durch die jährlichen Einbindungen von Kohlenstoff in Waldholz insgesamt ausgeglichen werden. Hierbei wird die vereinfachende Annahme getroffen, dass die durch den Wald erfolgenden Kohlenstoff-Einbindungen zum Ausgleich der CO2-Emissionen der Holzverbrennung zur Verfügung stehen. Diese Kohlenstoff-Einbindungen finden aber unabhängig von der Holzverbrennung statt und sollten besser zum Ausgleich anderer, nicht vermeidbarer CO2-Emissionen genutzt werden.“

5.1. Auch die Holzverbrennung, setzt CO2 frei. Sogar ziemlich viel

Ein Baum braucht Jahrzehnte, um heranzuwachsen. Das deutsche Umweltbundesamt geht von rund 80 Jahren aus, bis ein Baum „erntereif“ ist, in jedem Fall sind es mehrere Jahrzehnte. Verbrennt man sein Holz, wird der gespeicherte Kohlenstoff aber auf einen Schlag als Kohlendioxid freigesetzt, was die Erderwärmung erst einmal weiter antreibt.

So wie in der breiten Öffentlichkeit war lange Zeit auch in Fachkreisen die dominierende Ansicht, dass in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern ausreichend Bäume nachwachsen, um die CO2-Emissionen aus Holzheizungen quasi automatisch auszugleichen (z.B. IEA 2018). Doch selbst wenn das so ist, geschieht dies nicht schnell genug, kritisieren manche Forschende [siehe Abschnitt 5.2.] Zudem seien bei einer wirklich nachhaltigen, naturschutzgerechten Waldbewirtschaftung die entnehmbaren Holzmengen sehr begrenzt. 

Oft wird argumentiert, Emissionen aus der Holzverbrennung seien hinnehmbar, sofern diese die Nutzung fossiler Energieträger ersetze. Doch dabei wird meist übersehen, dass Holz ein vergleichsweise CO2-intensiver Brennstoff ist. Dafür sind vor allem zwei Faktoren verantwortlich, wie Kritiker von Holzheizungen argumentieren: Zum einen ist Holz relativ feucht, das Verhältnis von Wasser und Kohlenstoff in einem Kilogramm Brennholz ist ungünstiger als etwa in Kohle. Deshalb wird in Holzkesseln ein Gutteil der Energie, die im chemischen Verbrennungsprozess entsteht, dafür aufgewendet, dieses Wasser verdampfen zu lassen. So steht weniger Wärmeenergie für das eigentliche Heizen oder in holzbetriebenen Kraftwerken für Turbinen und Generationen zur Stromerzeugung zur Verfügung (Dzurenda/Banski 2019; Sterman et al. 2022).

Zum anderen werden beim Brennstoff Holz häufig indirekte Emissionen ausgeblendet, die etwa beim Einschlag im Wald, beim Transport (oft mit fossil betriebenen Lkw), bei der Lagerung (Ausgasen von Methan) oder der Herstellung von Holzpellets (zum Beispiel durch Trocknung) entstehen. Studien verweisen hier auf große Unsicherheiten und Bandbreiten, je nach Herkunft des Holzes und Verarbeitungsweise; eine kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass bei der Stromerzeugung aus Holzpellets in der Gesamtbetrachtung die CO2-Emissionen um 73 Prozent über jenen von Kohlekraftwerken liegen (Röder et al. 2015). In einem Offenen Brief warnte 2021 eine ganze Reihe namhafter Forscherinnen und Forscher, das Verbrennen von Holz setze pro erzeugter Kilowattstunde Wärme oder Strom „wahrscheinlich zwei- bis dreimal so viel“ Kohlendioxid frei  wie die Nutzung fossiler Brennstoffe; sie appellierten deshalb an die Politik, sie möge die Förderung beenden.

Das deutsche Umweltbundesamt berücksichtigte in seiner Neubewertung von Holz als Brennstoff vom März 2024 unter anderem den Energieeinsatz für Ernte, Transport und weitere Herstellungsschritte „auf der Basis durchschnittlicher Wegelängen und üblicherweise genutzter Technik und Verfahren“. Im Ergebnis kalkuliert die Behörde nun für Wärme aus Holz mit Emissionen zwischen 343 Gramm CO2-Äq pro kWh (Hackschnitzel) und 404 Gramm (Stückholz). Das sind merklich höhere Emissionen, als für das Verbrennen von Erdgas oder Heizöl (257 bzw. 313 Gramm) bilanziert werden, und der Unterschied zu Kohle (433 bis 445 Gramm) ist nicht sehr groß. Einzig „Stückholz aus Gartenpflege“ wird vom UBA nun noch als klimaschonend klassifiziert (mit 19 Gramm): Es würde, so die Argumentation, ohnehin verrotten und kann derzeit praktisch nicht anderweitig genutzt werden.

5.2. Der Emissionsausgleich durch nachwachsende Bäume dauert zu lange

Doch es gibt auch Forschende, die selbst diese Art der Rechnung kritisieren und sogar Heizenergie aus Gartenabfällen als klimaschädlich ansehen. Ihr Argument: Pflanzenteile verrotten langsam – sie zu verbrennen, setzt Emissionen hingegen (zu) schnell frei.

Eine Studie aus der Schweiz ergab, dass – je nach Holzart und lokaler Feuchtigkeit – das Verrotten von Totholz in Wäldern zwischen 27 und 286 Jahren dauere (Hararuk et al. 2020); über diese Zeiträume verteilen sich also die CO2-Emissionen aus dem natürlichen Kohlenstoffkreislauf des Holzes. Wird es hingegen verbrannt, geschieht der Ausstoß sofort; und bei einem großskaligen Roden von Bäumen zur Energieerzeugung geht es um erhebliche Mengen:

„Die erste Auswirkung der Holzbioenergie ist eine Zunahme von CO2 in der Atmosphäre, was den Klimawandel verschärft. Zwar könnte das Nachwachsen der Wälder das überschüssige Kohlendioxid mit der Zeit abbauen, doch ist dieser Prozess ungewiss und zeitaufwendig – Jahrzehnte bis zu einem Jahrhundert oder länger, je nach konkreter Zusammensetzung des Waldes und der Klimazone. Diese Zeit haben wir nicht, um die Emissionen ausreichend zu reduzieren und die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden.“ (Sterman et al. 2022)

Am Beispiel von US-Wäldern rechnet diese Studie konkret vor, wie lange es dauert, bis ein nachwachsender Wald die Kohlendioxid-Mengen wieder aus der Atmosphäre geholt hat, die beim Verbrennen zuvor eingeschlagener Bäume auf einen Schlag emittiert wurden. Erst nach 15 Jahren, so das Ergebnis, nähmen nachgepflanzte Baumsetzlinge mehr CO2 aus der Luft auf als es ein alter Baumbestand getan hätte – für einen 2025 gerodeten Wald sei dies folglich erst um das Jahr 2040 der Fall. Und es werde sogar „bis deutlich über das Jahr 2100 hinaus“ dauern, das gesamte bei der Verbrennung freigesetzte Kohlendioxid erneut zu binden. Das Autorenteam spricht von „Kohlenstoff-Schulden“, die das Heizen mit Holz in der Atmosphäre anhäufe. Auch eine europäische Studie kommt zum Ergebnis, dass es teils etliche Jahrzehnte dauert, bis der Kohlenstoffvorrat im Wald wieder aufgefüllt ist (Nabuurs et al. 2017a).

Zugleich ist schon jetzt das Ziel, die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten, praktisch nicht mehr zu schaffen. Bei den gegenwärtigen Emissionspfaden wird die Menge an Kohlendioxid, die von der Menschheit insgesamt noch emittiert werden dürfte, um unter der Grenze zu bleiben, bereits in wenigen Jahren ausgeschöpft sein (Friedlingstein et al. 2025). So schnell kann kein Baum nachwachsen, Holzverbrennung verschärft also (kurzfristig) das Problem noch.

5.3. Holz zu verbrennen, verringert die in Wäldern gebundenen CO2-Mengen

Wälder sind unverzichtbare Kohlendioxid-Speicher. Die Menge des gebundenen CO2 wird dabei grundsätzlich durch zwei Entwicklungen bestimmt: Einerseits nimmt sie durch natürliches Wachstum (langsam) zu. Auf der anderen Seite sinkt sie durch verschiedene Prozesse: infolge des Absterbens von Bäumen, durch sogenannte „Störungen“ (etwa Waldbrände) oder eben durch die „Ernte“ von Holz (also das Fällen einzelner Bäume oder das Roden ganzer Flächen).

Neuere Daten zeigen, dass die Kohlenstoffsenken an Land (von denen Wälder einen wichtigen Teil ausmachen) kleiner sind, als bislang gedacht; Forschende rufen deshalb dazu auf, sie besser zu schützen (Friedlingstein et al. 2025). Auch ist bei Wäldern generell ungewiss, wie lange sie bestehen, also wie dauerhaft sie Kohlendioxid wirklich binden. Selbst wenn beispielsweise zum Zeitpunkt des Pflanzens ein strenger Schutz der Bäume versprochen wird, können sich politische oder wirtschaftliche Verhältnisse in einem Land ändern. Und das Risiko von Waldbränden steigt infolge des fortschreitenden Klimawandels sogar noch deutlich (IPCC 2022, AR6, WG3, Kapitel 7.3.1.4).

Überhaupt hat die Grundannahme, Wälder würden immer und verlässlich Treibhausgase binden, in den vergangenen Jahren deutliche Risse bekommen. Zwar haben die Wälder der Welt historisch und in der Gesamtbilanz – also wenn man Zuwächse und (Brand)Rodungen verrechnet – erhebliche Mengen an Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufgenommen, Studien sprechen von rund 1,1 bis 1,4 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr (Pan et al. 2011; Pan et al. 2024). Doch wie sich ihre Speicherleistung künftig entwickelt, lässt sich kaum verlässlich vorhersagen – unter anderem wegen der Auswirkungen des Klimawandels (etwa Dürren und Hitzestress, siehe z.B. Ibisch 2025). An etlichen Orten weltweit, etwa in Südostasien und großen Teilen Nord- und Südamerikas (Gatti et al. 2021; Friedlingstein et al. 2025; Zhao et al. 2021) sind Wälder bereits von einer Kohlenstoffsenke zur Kohlenstoffquelle geworden. Statt also CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen, setzen sie in der Summe Kohlendioxid frei.

Auch in Deutschland gilt der Wald inzwischen nicht mehr als verlässliche Kohlenstoffsenke – zum Beispiel durch Dürren, Hitze und Waldbränden werden mindestens zeitweise mehr Treibhausgase freigesetzt als gebunden (BMELH 2024; BMLEH 2025), wobei neuere Modellrechnungen des Thünen-Instituts auf Unsicherheitsfaktoren hinweisen. Manche Fachleute sehen in der starken energetischen Nutzung der deutschen Wälder – circa die Hälfte des jährlichen Holzaufkommens hierzulande wird verbrannt – schon eine wesentliche Ursache für ihren schlechten Zustand (Luick et al. 2025). Bisweilen wird deshalb bereits gefordert, nach Waldbränden insgesamt die forstwirtschaftliche Ernte von Holz zurückzufahren, um in der Summe den CO2-Speicher Wald zu schonen.

Ein erheblicher Teil des Kohlenstoffs, den Wälder insgesamt binden, wird außerdem im Waldboden gespeichert, also dort über lange Zeiträume eingelagert – in intensiv bewirtschafteten Wäldern jedoch nimmt die Fähigkeit des Bodens ab, Kohlenstoff aufzunehmen (Achat et al. 2015). Bei der Klimawirkung von Wäldern darf deshalb nicht nur der reine Holzzuwachs junger, nachwachsender Bäume betrachtet, sondern der ganze Wald muss in den Blick genommen werden. Auch der ökologische Wert naturnaher Wälder mit altem Baumbestand und Totholz ist wichtig, beispielsweise für den Wasserhaushalt und die Artenvielfalt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Dem Wald Holz zu entnehmen (egal ob zur Verbrennung oder für andere Zwecke), verkleinert die gebundene CO2-Menge mindestens vorübergehend – und es ist nicht garantiert, dass Bäume in ausreichendem Maß nachwachsen.

Doch es gibt auch die Gegenposition. Andere Fachleute plädieren für eine stärkere Nutzung von Wäldern als Holzlieferant [siehe auch Abschnitt 4]: Je älter die Vegetation werde, argumentieren sie, desto langsamer wachse ein Wald, und desto weniger weiteres CO2 nimmt er pro Jahr auf. Langfristig nehme so die Aufnahmefähigkeit auch der nachwachsenden Wälder ab. Deshalb sei es sinnvoll und machbar, gezielt Bäume aus dem Wald zu holen, um immer wieder Platz für junge Pflanzen zu schaffen (Mishra et al. 2022; IEA 2018). Ein weiterer Vorschlag ist, die Pflege des Waldes als Kohlenstoffspeicher zu kombinieren mit einer begrenzten Entnahme von Holz, aber die beim Verbrennen entstehenden CO2-Emissionen aufzufangen und unterirdisch zu speichern – diese in der Fachwelt teils kontrovers diskutierte Klimaschutzoption wird als BECCS bezeichnet (Favero et al. 2017; Hanssen et al. 2020; Creutzig et al. 2021; Cowie et al. 2025).

Auseinanderzuhalten sind bei der Diskussion zwei Aspekte: Ältere oder naturnahe Wälder nehmen zwar pro Jahr weniger Kohlendioxid auf als jüngere, intensiv bewirtschaftete; allerdings ist in ihnen insgesamt mehr Kohlendioxid bzw. Kohlenstoff gebunden. Oder umgekehrt formuliert: Jüngere Wälder sind ein kleinerer Kohlenstoffspeicher, sie wachsen aber schneller. Verschiedene Wissenschaftler gewichten beide Aspekte unterschiedlich und kommen auch deshalb zu unterschiedlichen Empfehlungen bezüglich dem Heizen mit Holz. Jedenfalls dürften die Fachdebatten zum Thema anhalten (z.B. Luyssaert et al. 2008; Gundersen et al. 2021; Maierhofer et al. 2024).

So oder so ist entscheidend: Auch wer den Klimanutzen von Holzenergie verficht, knüpft das meist an die Voraussetzung, dass der Wald nachhaltig bewirtschaftet wird (wofür es verschiedene Definitionen gibt) und entnommenes Holz vorrangig in langlebige Produkte wie Baumaterial oder Möbel verarbeitet werden sollte – und erst am Ende der Nutzungskette verbrannt (sogenannte Kaskadennutzung). In Deutschland ist laut Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) ein Hauptteil des Holzes, das in größeren Heizanlagen verbrannt wird, solches Holz. In Holzheizungen von Privathaushalten jedoch wird nur zu rund 50 Prozent Holz aus Kaskadennutzung verbrannt. Daten der EU-Kommission zeichnen ein deutlich kritischeres Bild, demnach stammt insgesamt nur rund ein Viertel des in Deutschland energetisch verwerteten Holzes aus Kaskadennutzung.

Der IPCC wies schon 2011 in seinem Sonderbericht über erneuerbare Energien darauf hin, dass es sehr kompliziert und mit Unsicherheiten behaftet ist, die Auswirkungen der Bioenergie-Nutzung auf die Kohlenstoffspeicher der Erde zu berechnen (IPCC 2011, SRREN, SPM). Neuere Metastudien kommen zum Ergebnis, dass die Entnahme von Holz den CO2-Speicher Wald mindestens über einen Zeitraum von hundert Jahren schrumpfen lässt, selbst wenn man die Biomasse der nachwachsenden Bäume einberechnet (Soimakallio et al. 2022).

5.4. Wälder und Landflächen sind nur begrenzt vorhanden   

Land ist weltweit knapp, und viele verschiedene Nutzungen konkurrieren miteinander. Flächen werden für den Anbau von Nahrungsmitteln gebraucht, zur Gewinnung anderer natürlicher Ressourcen und Bodenschätze, für Siedlungen, für den Arten- und Umweltschutz – und als Kohlenstoffspeicher in Form von Wald oder Mooren zur Stabilisierung des Klimas. Der Anbau von Biomasse, um sie zu verbrennen, erhöht die Flächenkonkurrenz zusätzlich. Manche Forschende befürchten, dass es gar nicht genügend Flächen gibt, um die Produktion von Holzenergie in größerem Maßstab auszuweiten. Auch die Europäische Umweltagentur (EEA) warnt: Wissenschaftliche Forschung deute darauf hin,

„dass nicht ausreichend heimische Biomasse zur Verfügung stehen wird, um alle ihr zugeschriebenen Rollen zu erfüllen“ (EEA 2023).

Das Umweltbundesamt (UBA) merkt an, dass schon heute durch den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen die Nachfrage nach Holz weltweit ansteigt, während der Waldbestand zurückgeht. Im Februar 2021 schrieb eine Gruppe international renommierter Fachleute in einem Offenen Brief an EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sowie die Staats- und Regierungschefs von USA, Südkorea und Japan:

„Wir appellieren dringend, nicht Klimaziele und weltweite Biodiversität dadurch zu gefährden, dass Bäume statt fossiler Energieträger verbrannt werden. [...] Würde die Welt nur zwei Prozent mehr Energie aus Holz gewinnen, müsste sie ihre kommerziellen Holzeinschläge verdoppeln. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass der verstärkte Einsatz von Bioenergie in Europa bereits zu einer erheblichen Zunahme der Holzernten geführt hat. Dies schafft zudem ein Modell, das tropische Länder dazu ermutigt, mehr ihrer Wälder abzuholzen […] Um diese Schäden zu vermeiden, müssen Regierungen die bestehenden Subventionen und Anreize für die Holzverbrennung – ob aus eigenen oder fremden Wäldern – beenden.“

Vor allem das schnell wachsende Geschäft mit Holzpellets steht dabei in der Kritik (Schlesinger 2018). Sie gelten bisher weithin als nachhaltig und klimafreundlich und werden aktuell beispielsweise in Kraftwerken eingesetzt, um den fossilen Brennstoff Braunkohle zu ersetzen. Um die dafür nötigen großen Mengen zu liefern, wurden Umweltschützern und Medienberichten zufolge etwa in den USA, Kanada und auch in Osteuropa teils sehr naturnahe und geschützte Wälder großflächig abgeholzt.

Auch wegen solcher Fälle hat die EU seit November 2023 in ihrer RED-III-Richtlinie die Nutzung von Holz als Energielieferant eingeschränkt. Dort ist unter anderem festgeschrieben, dass Holz vorrangig für die Produktion langlebiger Holzprodukte eingesetzt werden soll; die Förderregeln der Mitgliedsstaaten sollen unter anderem die „Erhaltung der nationalen Kohlenstoffsenken und Ökosysteme in Wäldern“ berücksichtigen, und Holz soll erst ganz am Ende der Verwertungskette verbrannt werden, wenn keine andere Verwendungsmöglichkeit mehr besteht („Kaskadennutzung“; Amtsblatt der EU, Richtlinie 2023/2413, S. 3).

Doch im Grundsatz gilt Holzenergie weiterhin als erneuerbar. Vertreter der Wärmepumpenbranche kritisieren dies, und manche Forschende (etwa vom Öko-Institut) halten auch die RED-III-Regeln für unzureichend und für nicht konsistent mit IPCC-Standards.

Wer Holz als Brennstoff befürwortet (in Deutschland etwa das Bundeslandwirtschaftsministerium oder die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe), geht mehr oder weniger explizit von nachhaltig bewirtschafteten Wäldern aus und davon, dass das verbrannte Holz „bei der Waldpflege und der Holzernte“ ohnehin anfällt und „für andere stoffliche Verwendungen nicht geeignet“ ist, etwa weil es krumm gewachsen oder dürr ist.

Doch dies ist nicht immer und überall der Fall. Außerdem werden Aspekte wie die Emissionen aus Verarbeitung und Transport des Brennholzes oder das (zu) langsame Nachwachsen neuer Bäume häufig ausgeblendet [siehe dazu ausführlich Abschnitt 5]. Nicht zuletzt könnte die Vermarktbarkeit von Holzresten einen Zusatzanreiz schaffen, Bäume früher zu fällen: Ließe sich nur mit Bau- oder Möbelholz signifikant Geld verdienen, würden Forstwirte ihre Bäume vermutlich länger wachsen lassen, um mehr hochwertiges Holz gewinnen zu können.

Der IPCC weist schon seit längerem darauf hin, dass die Nachhaltigkeit von Bioenergie stark von den jeweiligen „Praktiken der Bewirtschaftung von Land- und Biomasse-Ressourcen beeinflusst“ wird – und dass sich deren Auswirkungen und Wechselwirkungen oft nicht exakt nachvollziehen lassen. Bioenergien könnten, so die vorsichtige Formulierung des Weltklimarats, die Kohlenstoffspeicher sowohl verkleinern als auch vergrößern (IPCC 2011, SRREN, SPM). Das gilt ebenso für die noch nicht in der Praxis etablierte Kombination von Bioenergie mit CCS (BECCS) – dabei wird Kohlendioxid aus der Verbrennung etwa von Holzpellets aufgefangen und unterirdisch verpresst (mehr dazu in unserem F&A zum Thema CCS und in IPCC 2022, AR6, WG3, Kapitel 7.4.4).

In seinem Sechsten Sachstandsbericht schreibt der IPCC, der Schutz von Wäldern (vor allem artenreicher Urwälder) könne die Fähigkeit des Landsektors erhöhen, Emissionen aus anderen Quellen (etwa Industrie oder Landwirtschaft) auszugleichen – dies schränke aber zugleich die Verfügbarkeit von Brennholz ein. Je nach Einzelfall, so das abwägende Fazit des IPCC, könne eine Waldbewirtschaftung, die auf eine höhere Brennholzerzeugung ausgerichtet sei, dem Umwelt- und Artenschutz dienen oder schaden. Es sei

„nicht möglich, präzise das Maß der Nutzung von Bioenergie und BECCS zu bestimmen, ab dem negative Folgen die Vorteile überwiegen“ (IPCC 2022, AR6, WG3, Kap. 7.4.4.; siehe auch Kap. 7.5.3).

Dies gilt erst recht für die energetische Nutzung von Holz, bei der die entstehenden CO2-Emissionen nicht aufgefangen und unterirdisch eingelagert werden.

Nur unter engen und schwer zu kontrollierenden Bedingungen also kann das Heizen mit Holz als klimaschonend gelten. Grundsätzlich sollte aus Klimasicht den Wäldern nur so viel Holz entnommen werden, dass der Kohlenstoffspeicher dadurch nicht schrumpft, also die Funktion des Waldes als CO2-Senke erhalten bleibt und er sich gut an das sich ändernde Klima anpassen kann. Der Ansatz der „climate smart forestry“ (Nabuurs et al. 2017b; Verkerk et al. 2020) könnte dazu laut Weltklimarat einen Beitrag leisten; er wird beispielsweise in Europa erforscht und in Projekten umgesetzt (IPCC 2022; AR 6, WG 3, Kapitel 7.4.2.3).

In der Konsequenz bedeutet das: Holz sollte nur vorsichtig und innerhalb enger Grenzen, erst nach „Kaskadennutzung“ (also der vorherigen Verwendung in  langlebigen Produkten) und in vergleichsweise geringen Mengen zum Heizen genutzt werden – und nur in Kombination mit einer tatsächlich nachhaltigen Waldbewirtschaftung (die nicht nur das Nachwachsen von genügend Holz im Blick hat, sondern zum Beispiel auch Umwelt- und Artenschutz – und die je nach regionalen Klima- und Umweltverhältnissen sehr unterschiedlich aussehen kann).

Praktisch alle maßgeblichen Fachleute empfehlen, beim Klimaschutz im Heizsektor statt stark auf Holz hauptsächlich auf eine Kombination von erneuerbar erzeugtem Strom mit Wärmepumpen und Fernwärmenetzen zu setzen (ergänzt durch eine effizientere Nutzung der Wärmeenergie, beispielsweise bessere Dämmungen von Gebäuden). Bei der Dekarbonisierung der Heizenergie-Erzeugung betont beispielsweise der Weltklimarat die Bedeutung von Strom (vor allem aus Erneuerbaren Energien): Wärmepumpen sind laut IPCC die „Hauptantriebskraft“ für die Elektrifizierung des Heizens (IPCC 2022, AR6, WG 3, Box 9.3) – siehe auch unser F&A zu Wärmepumpen.

Zugleich betont das Gremium: Um die Heizemissionen so stark zu senken, wie es für den Klimaschutz nötig ist, brauche es eine Vielzahl politischer Ansätze. Auch eine bessere Dämmung der Gebäude, mehr Energieeffizienz (beispielsweise durch digitale Steuertechnik), regulatorische Vorgaben und eine Bepreisung von CO2-Emissionen sowie genügsameres Verhalten (beispielsweise weniger Wohnfläche pro Kopf, Fachleute sprechen von „Suffizienz“) spielten wichtige Rollen (IPCC AR6, WG3, Kap. 9, FAQ 9.3).

Ein erheblicher Nachteil von Holzheizungen ganz jenseits des Treibhausgasausstoßes sind ihre Emissionen von Luftschadstoffen. Das deutsche Umweltbundesamt zum Beispiel verweist hier auf Feinstaub, organische Kohlenwasserstoffe wie Polyzyklisch Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs), Stickoxide, Kohlenmonoxid und Ruß. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Deutsche Grüne Kreuz warnen: Die Schadstoffe können ernsthafte und gar tödliche Herz- und Kreislaufprobleme sowie Lungenschäden verursachen und außerdem die Entstehung von Krebs begünstigen; ein internationales Netzwerk aus Ärzten und Forschenden hat zahlreiche Studien gesammelt, welche die gesundheitsschädliche Wirkung der Schadstoffe belegen.

Seit langem warnen Umweltorganisationen, Wissenschaftler und teils auch Behörden, Holzheizungen trügen vor allem in ländlichen Regionen und im Winter erheblich zur Luftverschmutzung bei und seien daher „schlecht für die Gesundheit“. Die Beliebtheit etwa von Kaminen könne Erfolge bei der Luftreinhaltung (durch weniger Auto- und  Industrieabgase) gefährden oder zunichtemachen, inzwischen stamme mehr als ein Fünftel der gesamten Feinstaubemissionen in Deutschland aus Holzheizungen. Hingegen fallen beim Einsatz von Wärmepumpen (betrieben mit Strom aus erneuerbaren Energien) praktisch keine gesundheitsschädlichen Luftschadstoffe an.

Ein breites Forschungskonsortium hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Berechnungen und Modellierungen für eine wirksame und effiziente Energiewende in Deutschland vorgelegt – und auch in diesen sogenannten Ariadne-Szenarien ist das Fazit klar: Biomasse inklusive Holz ist von eher geringer Bedeutung und nur sehr begrenzt empfehlenswert, erst recht bei Heizungen in einzelnen Häusern oder Wohnungen:

„Wärmepumpen sind aus systemischer Sicht die kostengünstigste Alternative für die Dekarbonisierung der dezentralen Wärmeversorgung. Daneben spielt in allen Zielszenarien die zentrale Wärmeversorgung über Wärmenetze eine wichtige Rolle. Hier kommen zur Wärmebereitstellung Großwärmepumpen, KWK-Anlagen, Geothermie, Biomasse und Solarthermie zum Einsatz.“ (Ariadne 2025, Kap. 9)

Grob zusammengefasst in ganz einfachen Worten

Die pauschale Annahme, Holzheizungen seien klimaschonend, ist falsch. Denn auch sie stoßen im Betrieb (viel) CO2 aus – und es dauert sehr lange, bis diese Emissionen von nachwachsenden Bäumen wieder aus der Atmosphäre gezogen werden (falls es überhaupt geschieht). Außerdem verkleinert jede Baumentnahme die Menge des in Wäldern gebundenen Kohlenstoffs – während sie zugunsten des Klimas eigentlich zunehmen muss. Deshalb sollte nur Abfall- oder Restholz sehr begrenzt zum Heizen genutzt werden (und nicht, um in großem Maßstab in Kraftwerken Kohle, Öl und Gas zu ersetzen). Voraussetzung für jede Nutzung ist eine nachhaltige Waldwirtschaft.

Alexandra Endres/Klimafakten
zuletzt aktualisiert: Juni 2026

 

Infografik:

Infografik zur Klimabilanz von Holzheizungen