"Manometer!"-Durchblick
Der Tankrabatt kostet jeden Haushalt umgerechnet etwa 60 Euro, rechnet Carel Mohn von Klimafakten vor. Die rund zehn Millionen Haushalte ohne eigenes Auto haben davon nichts; Foto: El Jusuf / Pexels.com.
Was bisher geschah: Die Ausgangslage
Hohe Ölpreise treiben die Kraftstoff- und Lebenshaltungskosten nach oben. Viele Menschen spüren die Belastung im Alltag, während die Bundesregierung in Deutschland nach Wahlniederlagen und sinkenden Zustimmungswerten unter Druck gerät. Gleichzeitig erfordert die Klimakrise einen schnellen Ausstieg aus fossilen Energien. Nach einem weiteren Hitzesommer ist der Handlungsbedarf unübersehbar und auch die Bundesregierung hält daran fest, Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen: Erst diese Woche hat Bundesumweltminister Carsten Schneider „Deutschlands Roadmap für die schrittweise Abkehr von fossilen Energien bis 2045“ vorgelegt.
Mit der nun geplanten Neuauflage des Tankrabatts werfen Kritiker:innen der Bundesregierung in Deutschland jedoch vor, auf die fossile Krise wieder mit einer fossilen Antwort zu reagieren. Der Tankrabatt sei eine Wiederholung der Erfahrungen aus dem Frühjahr: Der Steuernachlass komme nicht vollständig bei den Verbraucher:innen an, sondern werde zu Teilen von den Mineralölunternehmen durch Preiserhöhungen abgeschöpft. Zudem profitierten vor allem Menschen mit hohem Kraftstoffverbrauch von der Maßnahme.
Tankrabatt – ein Symbol politischen Handlungsdrucks?
Ob die Bundesregierung den Tankrabatt auch ohne den politischen Druck nach der Sachsen-Anhalt-Wahl eingeführt hätte, lässt sich nicht beantworten. Auffällig ist jedoch die zeitliche Nähe. Die Entscheidung, Benzin und Diesel durch Senkung der Energiesteuer mit Effekten auf die Mehrwertsteuer ab 1. Oktober 2026 um insgesamt 17 Cent pro Liter zu vergünstigen, fiel zwei Wochen nach der Sachsen-Anhalt-Wahl. Die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern standen unmittelbar davor.
Laut Handelsblatt drängten insbesondere die SPD-Ministerpräsidenten um Manuela Schwesig die Bundesregierung darauf, Preissignale an der Zapfsäule zu senden. Rund 80 Prozent der deutschen Haushalte haben mindestens ein Auto, für sie wird der Tankrabatt unmittelbar spürbar.
Spritpreise als Symbol politischer Nähe zum Alltag
Im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt spielten die steigenden Energie- und Spritkosten parteiübergreifend eine sichtbare Rolle. Die FDP machte das Thema zum Wahlkampfschwerpunkt und lockte an einer Tankstelle in Eisleben Autofahrer:innen mit einem Euro Rabatt pro Liter an die Zapfsäule. Der Slogan: „So sieht Entlastung aus!“ Auch der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hatte, so der Kommentar der Süddeutschen Zeitung, während des Wahlkampfs „Spritpreis-Populismus“ betrieben, obwohl ein Landespolitiker nicht für die Spritpreise zuständig ist.
Hohe Spritpreise sind in Ostdeutschland besonders relevant, weil in ländlichen Regionen Menschen durch längere Arbeitswege und weniger Bus- und Bahnangebote stärker auf das Auto angewiesen sind. Die Einkommen liegen außerdem im Durchschnitt weiterhin unter denen westdeutscher Regionen. Somit werden die Energie- und Lebenshaltungskosten von vielen Menschen als Symbol dafür wahrgenommen, ob die Politik ihre Lebensrealität versteht. SPIEGEL-Redakteur Markus Becker spricht von der „milliardenteuren Beruhigungspille“.
Warum fiel die Wahl dann wieder auf den Tankrabatt?
Seine Vorteile liegen auf der Hand: Er ist schnell und einfach umsetzbar, hat Preiseffekte gerade für Menschen ohne ÖPNV-Alternative und vermittelt die psychologische Wirkung ‚Der Staat tut etwas‘. Bundeskanzler Friedrich Merz begründete die Maßnahme damit, dass viele Menschen an ihre Belastungsgrenze kämen und der Staat schnell handeln müsse. Der Tankrabatt ist Teil eines größeren „Entlastungspakets“ – so der fragwürdige Begriff der Bundesregierung – , zu dem auch ein ab Januar 2027 geplanter Spritpreisdeckel gehört. In dieser Ausgabe des Manometer! konzentrieren wir uns auf die klimapolitische Debatte über den Tankrabatt und blicken noch auf Österreich, das mit der Verlängerung der „Spritpreisbremse“ Steuersenkung mit Margenbegrenzung kombiniert.
Kritik am Tankrabatt – „teuer, kurzsichtig und wenig zielgenau“
Die Pläne, die Kraftstoffpreise kurzfristig zu reduzieren, stoßen auf scharfe Kritik. Die Gesamtkosten des dreimonatigen Tankrabatts belaufen sich nach Angaben der Regierung auf 2,5 Milliarden Euro. Laut Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, ist der Tankrabatt eine Umverteilung von Arm zu Reich, im Handelsblatt kritisiert er, dass er den Staat Milliarden koste. Außerdem sei wegen der großen Preisschwankungen die Kostensenkung „schnell unsichtbar“, weshalb sie mit der Maßnahme kaum an Anerkennung und Popularität gewinnen könne.
Carel Mohn von Klimafakten plädiert dabei für einen kritischen Umgang mit dem wirkmächtigen Begriff „Entlastung“ im Zusammenhang. Denn für viele Haushalte sei er vielmehr eine versteckte Belastung: „Er kostet jeden Haushalt in Deutschland rechnerisch umgerechnet etwa 60 Euro - und rund 10 Millionen Haushalte ohne eigenes Auto sowie die rund zwei Millionen Halter klimafreundlicher E-Autos haben von niedrigeren Preisen an der Tankstelle überhaupt nichts. Und schließlich zahlen wir alle später in Form höherer Klimafolgekosten“.
Die Verbraucherschützerin Ramona Pop kritisierte in einem Interview mit der Rheinischen Post, die Bundesregierung greife erneut zur Gießkanne. „Das ist teuer, kurzsichtig und wenig zielgenau“. Nötig seien finanzielle Hilfen, die vor allem Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen erreichen und die Heizperiode in den Blick nehmen.
Auch die Nürnberger Professorin und Wirtschaftsweise Veronika Grimm wirft im Branchenmagazin der Deutschen Börse der Regierung „opportunistische Politik“ vor, die Wähler nicht zu verprellen versuche. „Aber am Ende führt es nur dazu, dass viele Wähler sich frustriert von den etablierten Parteien abwenden, weil sie ihren Job eben nicht machen", so die Einschätzung der Wirtschaftswissenschaftlerin. „In diesem Fall betrifft das sowohl diejenigen, die die Klimawirkung dieser Maßnahme ablehnen, als auch die Unternehmer, die nur noch den Kopf schütteln angesichts dieser kurzsichtigen Handlungsmaxime."
Es sei „zynisch“ auf Kosten der jungen Generation das Fahren von Autos mit Verbrennungsmotor zu subventionieren. „Weil sich die Politik auf die kurze Frist fokussiere, habe sie keine Kraft für die wirklich wichtigen strukturellen Reformen."
Alternativen zum Tankrabatt – sozialer Ausgleich und klimafreundliche Anreize
Fratzscher wie auch Ifo-Präsident Clemens Fuest raten laut Handelsblatt zu einer einkommensabhängigen Direktzahlung an die Bürger:innen. „Eine Transferzahlung wie die Energiepreispauschale von 300 Euro pro Erwachsenen von 2022 ist der einzig kluge und effektive Weg“, so Fratzscher in der Tagesschau. Der Vorteil: Der Ausgleich für steigende Kosten hängt nicht davon ab, ob jemand Auto fährt. Die Bundesregierung hält jedoch eine kurzfristige, einkommensabhängige Direktzahlung derzeit für technisch nicht umsetzbar – will aber zu Beginn des neuen Jahres weitere „zielgerichtete Maßnahmen“ für Bürger:innen vor allem mit kleinen und mittleren Einkommen sowie für Unternehmen prüfen.
Fuest schlägt außerdem vor, für Fernpendelnde die steuerliche Kilometerpauschale ab einer Entfernung von zum Beispiel 20 Kilometern zu erhöhen.
Vertreter:innen der Grünen wie der Fraktionsvorsitzende Andreas Audretsch setzen sich hier dafür ein, außergewöhnliche Krisengewinne von Mineralölkonzernen abzuschöpfen (Übergewinnsteuer) und die Stromsteuer zu senken. Senkungen von Strompreisen oder Stromsteuern haben den Vorteil, Haushalte und Unternehmen bei den Energiekosten zu entlasten und zugleich die Elektrifizierung (Wärmepumpen, E-Autos) attraktiver zu machen.
Der Deutsche-Bahnkunden-Verband fordert für den Aufbau einer wahrnehmbaren Alternative zum Auto eine langfristige Finanzierung des Deutschlandtickets, den Ausbau des ÖPNV-Angebots und lediglich einen „Treibstoffzuschuss gezielt für Handwerksbetriebe, mobilitätseingeschränkte Menschen, Geringverdiener und Pendler in Regionen mit unzureichendem ÖPNV“.
Auch laut Lausitzer Rundschau aus Cottbus hätten die 2,5 Milliarden investiert werden können, um Alternativen zum Privat-PKW auszubauen. „Länder hätten mehr Züge bestellen können, um den Takt zu verbessern. Wo der Weg zum nächsten Bahnhof weit ist, hätten mittelfristig elektrische Fahrzeuge angeschafft werden können. Oder aber die Bundesregierung hätte mehr Schnellladepunkte für E-Autos bauen können.“
Viele der vorgeschlagenen Alternativen verfolgen ein ähnliches Ziel: Menschen gezielt zu entlasten und gleichzeitig den Übergang zu einer klimafreundlicheren Mobilität zu erleichtern.
Österreich: Spritpreisbremse mit Margenbegrenzung
Österreich will seine Spritpreisbremse für Oktober und November 2026 mit einer Vergünstigung von rund 12,2 Cent pro Liter verlängern. Wie beim deutschen Tankrabatt wird der Preis über Steuern (in Österreich die Mineralölsteuer) gesenkt. Hinzu kommt bei der Spritpreisbremse noch eine Margenbegrenzung pro Liter hinzu. Der ORF hat die befürwortenden und kritischen Stimmen hier gesammelt: https://orf.at/stories/3443029/.
Alternative Maßnahmen, die stärker auf Klimaschutzmaßnahmen einzahlen, werden zum Beispiel vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ – Mobilität mit Zukunft) formuliert. Dieser fordert Maßnahmen zur Reduktion des Verbrauchs wie eine Bewusstseinskampagne für spritsparendes Fahren, die Bildung Fahrgemeinschaften und den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel sowie bei kürzeren Strecken auf das Fahrrad. „Als Anreiz für den Umstieg auf den Öffentlichen Verkehr soll der Preis für regionale Klimatickets und das Klimaticket Österreich zeitlich befristet um 20 Prozent gesenkt werden.“
Zum Schluss
Die Debatte um den Tankrabatt zeigt, dass die politische Akzeptanz von Klimapolitik nicht allein von ihrer Wirksamkeit abhängt. Menschen unterstützen Veränderungen eher dann, wenn sie als fair, alltagstauglich und sozial ausgewogen wahrgenommen werden. Die eigentliche Herausforderung besteht deshalb nicht nur darin, Anreize zu schaffen, um aus fossilen Energien auszusteigen, sondern zugleich glaubwürdige Alternativen zu schaffen und die Kosten der Transformation gerecht zu verteilen.
"Manometer!"-Überblick
Good-News
Der Klimajournalismus bekommt neuen Schwung
Der Deutschlandfunk hat einen neuen zweiwöchentlichen Podcast mit dem Titel „Die Klimafrage“ gestartet. Ann-Kathrin Büüsker und Ann-Kathrin Horn fragen sich darin, wie wir mit den Folgen des Klimawandels umgehen können, wo die Probleme liegen und wie man sie lösen kann. Anhören kann man ihn hier: https://www.deutschlandfunk.de/die-klimafrage-100.html
Die Nachrichtenplattform Politico hat den neuen Newsletter „Politico Surge“ ins Leben gerufen. Dieser hat sich in Zeiten der Elektrifizierung und des riesigen Energiehungers durch Künstliche Intelligenz auf die Energiepolitik auf beiden Seiten des Atlantiks spezialisiert. Abonnieren kann man ihn hier: https://www.politico.com/politicosurge
Neuigkeiten aus der Forschung
Lieber Emotionen ansprechen als den Kopf
Wie kann man Menschen am besten zu Klimaschutz motivieren? Diese Frage beantworten Forscherinnen und Forscher der Universität Genf (UNIGE) in einer Überblicksstudie, die im Journal of Environmental Psychology erschienen ist. Dafür untersuchten sie 71 Forschungsarbeiten, an denen international insgesamt 216.000 Menschen teilgenommen hatten. Die zentrale Erkenntnis der Überblicksstudie lautet: Besser den Bauch ansprechen als den Kopf. „Strategien, die ein stärkeres emotionales Engagement fördern, wie beispielsweise das Erzählen von Geschichten oder das Wecken von Ehrfurcht vor der Schönheit der Natur, erwiesen sich als wirksamer als Strategien, die lediglich wissenschaftliche Belege und Fakten vermitteln“, schreiben die Wissenschaftler:innen.
Das bedeutet allerdings nur, dass der emotionale Weg besonders erfolgreich ist. Insgesamt können auch viele andere Botschaften Menschen zum Klimaschutz bewegen, auch das Argumentieren mit Fakten. „Nur Strategien, die auf individueller und kollektiver Verantwortung basieren – mit Botschaften wie ‚Der Erfolg hängt weitgehend von Ihnen ab‘ – scheinen wenig oder gar keine Wirkung zu haben. Sie könnten sogar Reaktanz hervorrufen“, erklärt Tobias Brosch von der Uni Genf, der federführend an der Studie mitgearbeitet hat.
Link zur Studie: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S027249442600277X?via%3Dihub
Good-Practice-Klimakommunikation
Wie sieht gute Berichterstattung über die COP aus?
Die Weltklimakonferenz (COP) rückt näher, sie wird von 9. bis 20. November in der türkischen Metropole Antalya über die Bühne gehen. Für gewöhnlich rücken COPs das Klima wieder stärker in die Öffentlichkeit. Schließlich reisen Journalist:innen aus aller Welt an, um über die internationalen politischen Verhandlungen zu berichten. Allerdings stellen Großevents Medienschaffende auch vor Herausforderungen. Um diese zu beleuchten, bringt das irische Institute for Climate and Society der Dublin City University vor der COP Expert:innen zusammen.
Anmelden kann man sich für das Online-Event am 15.10. unter folgendem Link: https://www.eventbrite.ie/e/climate-communications-the-challenges-of-covering-cops-tickets-1996076574768
Klima-Briefings zur Berichterstattung über die Weltklimakonferenz finden auch in der Reihe „5vor12“ des Netzwerks Klimajournalismus Deutschland und Österreich statt. Zu Gast ist im Online-Format u.a. langjähriger Insider der COP-Verhandlungen Jochen Flasbarth (Staatssekretär im BMUKN).
Los geht es am 29.9., immer dienstags finden dann die Klima-Briefings um „fünf vor zwölf" Uhr Mittags statt. Kostenlose Anmeldung für Journalist:innen: https://www.klimajournalismus.de/de/Klima-Wissen/5-vor-12
Vernetzung für Klimaaktive
Kommunikation als Klimalösung
Die englischsprachige Welt hat eine neue Adresse für effektive Klimakommunikation: Die Talking Climate Collaborative ist diesen Monat gestartet. „Fast alle machen sich Sorgen übers Klima. Fast niemand spricht über das Klima“, schreiben die Initiatorinnen Katherine Hayhoe und Bernadette Woods Placky – deshalb haben sie eine neue Plattform ins Leben gerufen, die für Klimakommunikation in den USA und Kanada den ausschlaggebenden Schub geben soll, damit Gespräche übers Klima nicht mehr nur Information vermitteln, sondern zum Handeln animieren. „Kommunikation ist eine Klimalösung, höchste Zeit, dass wir sie als solche begreifen.“
Auf der Plattform gibt es ähnlich wie bei Klimafakten Ressourcen und neue Forschungsergebnisse, und einen eigenen Bereich fürs Networking mit anderen Klimakommunikator:innen: https://talkingclimate.com/
Anmeldung zum digitalen Auftakt-Event mit den Gründerinnen am 1. Oktober, 21 Uhr CET: https://us06web.zoom.us/meeting/register/giFCCCr6T0-Eq3AlGodQbA#/registration
Presseschau
Klimaskeptische „Alternativmedien“
Während etablierte Medien Klimajournalist:innen beschäftigen, die für Aufklärung sorgen, verbreiten sogenannte Alternativmedien im deutschsprachigen Raum Klimaskepsis. Mit welchen Methoden sie die Energiewende und die Klimapolitik hintertreiben, arbeitet Medienforscher Luis Paulitsch von der Datum-Stiftung für Journalismus und Demokratie in einem Beitrag für die Journalismusforschungszeitschrift Journalistik heraus: Rechtsextreme Seiten greifen den klimawissenschaftlichen Konsens und politische Gegner an, zitieren dabei unseriöse Quellen und verzerren Informationen.
Laut Paulitsch pflegt „etwa die Hälfte der zwanzig führenden deutschsprachigen 'Alternativmedien' ökonomische, persönliche und/oder mediale Verbindungen zum Kreml bzw. nach Russland". Es stelle sich daher die Frage, „ob bei der medialen Agitation gegen Klimaschutz vereinzelt nicht auch ausländische (wirtschaftspolitische) Interessen eine Rolle spielen".
Seinen Aufsatz „Klimaskepsis durch ‚Alternativmedien‘?“ gibt es online hier: https://journalistik.online/wp-content/uploads/2026/07/Journalistik-2569-152X-2-2026-16192-de.pdf
Vernetzung für Klimaaktive
Spielerische Wissensvermittlung „Out of the Box“
Am 13. Oktober beginnt die zweitägige Konferenz zur Klimabildung in Berlin „Out of the Box“ und bringt außerschulische Bildungsträger zusammen. Dort können sich die Besucher:innen über Methoden austauschen und die Herausforderungen der Klima- und Nachhaltigkeitsbildung diskutieren. Aufs Tapet kommen unter anderem die Themen Finanzierung, Künstliche Intelligenz sowie Gamification und spielerische Wissensvermittlung.
Das Programm bietet praktische Workshops, Vorträge und Gelegenheiten zum Netzwerken. Die Konferenz ist Teil der Aktionswoche Berlin spart Energie, mit dem das Land Berlin eine Woche lang Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Energiewende und Effizienz in den Mittelpunkt stellt. Sie findet im FEZ-Berlin, dem Deutschen Technikmuseum und der Bezirkszentralbibliothek Pablo-Neruda Friedrichshain statt.
Zur Konferenz kann man sich hier anmelden: https://www.klimabildung.berlin/aktionen-und-events/klimabildungskonferenz-2026.html
Klimabewegung
Proteste für österreichisches „Klimagesetz mit mehr Biss
Jahrelang hatte Österreich kein wirksames Klimaschutzgesetz. Ergebnislos hatte die schwarz-grüne Vorgängerregierung darum gerungen. Nach langen Verhandlungen hat die schwarz-rot-pinke Koalition nun den Entwurf eines neuen Klimaschutzgesetzes in Begutachtung geschickt.
Der Entwurf schreibt zwar Ziele, aber keine Sanktionen vor. Umwelt-NGOs kritisieren das Gesetzesvorhaben deshalb als „zahnlosen Kompromiss“ (Greenpeace), als Mogelpackung (WWF) und fordern ein „Klimagesetz mit mehr Biss“ (Global 2000).
Fridays for Future ruft unter dem Motto „Ohne Klimaschutz ist alles nix!“ zu Streiks in Wien und den fünf Landeshauptstädten Graz, Innsbruck, Klagenfurt m Linz und Salzburg auf. Die Bewegung will „die ganze aufgestaute Wut dieses Klimakrisen-Sommers“ auf die Straße bringen und will Druck für ein „wirksames und verbindliches“ Klimaschutzgesetz machen.
Alle Informationen gibt es online hier: https://fridaysforfuture.at/events/grossstreik
Druck rausnehmen
Selbstfürsorge für nachhaltiges Engagement
Hoher Einsatz, mühsame Arbeit: Immer wieder laufen engagierte Klimaaktivist:innen Gefahr, auszubrennen. Um das zu verhindern, hält der Verein Hallo Klima! den Online-Workshop „Klima Resilienz. Klimaschutz durch Selbstschutz“ ab. Darin geht es um die Fragen, wie man mit sich selbst und seinen Ressourcen in krisenhaften Zeiten umgeht, wie man Kraft tanken kann und sein eigenes Umfeld stärkt.
Anmelden kann man sich hier: https://ccca.ac.at/events/detail/halt-geben-halt-finden-elternsein-in-der-klimakrise-1830-2100-1
Kunst und Kultur
Kreative Kompetenzen in der Erwachsenenbildung
Wie kann man mit Realutopien Lust auf eine nachhaltige Zukunft machen? Ist die Künstliche Intelligenz Hoffnungsträger oder eine Riesenbedrohung fürs Klima? Wie nutzen Rechtsextreme die Klimakrise für ihre Narrative? Und wie bleibt man in der Diskussion mit Klimawandelleugnerinnen und -leugnern souverän?
Diesen Fragen geht das Bildungs- und Kulturhaus Villa Fohrde in ihrer Online-Veranstaltungsreihe „Politische Kompetenzen in der BNE" im Oktober und November nach. Alle Informationen dazu gibt’s hier: https://www.villa-fohrde.de/veranstaltungen/2959201/2026/11/03/klima-ki-online.html#content
Fundstücke des Monats
Desinformation: Aufgeflogen
Bereits im August hat die ARD in der Podcast-Serie „Reich“ das „Geschäft mit dem Zweifel“ beleuchtet. Ein Journalistenteam spürt ein Netzwerk auf, das unter anderem für die Öl- und Gasbranche lobbyiert, Desinformation verbreitet und Klimaschutz ausbremst.
Hören kann man die fünf Episoden hier: https://www.ardsounds.de/sendung/reich-das-geschaeft-mit-dem-zweifel/urn:ard:show:f5091cc57904afb9/
Auch für den STANDARD war es zuletzt Thema, wie Klimawandelleugner eine Parallelwelt aufbauen und damit Politik machen. Die Redaktion hat deshalb eine Spezialausgabe zum Thema „Medienkompetenz“ veröffentlicht und den Newsletter „Re: Check“ gelauncht, der monatlich darüber informiert, wie man sich gegen Desinformation schützen kann.
Anmelden kann man sich hier: https://about.derstandard.at/services/newsletter/medienkompetenz-anmeldung/?ref=nl
Dieser Text ist Teil unseres Projekts #DebattenKLIMA. Es will – möglichst praxisnah – der Frage nachgehen, wie gesellschaftliche und politische Debatten über Klimaschutz und Klimaanpassung so geführt werden können, dass sie möglichst viel dazu beitragen, die Emissionen auf Null herunterzubringen. Eine der besonders spannenden Fragen hierbei ist, wie dies auch dann gelingen kann, wenn sich wichtige gesellschaftliche Akteure (seien es politische Parteien, seien es reichweitenstarke Medien, seien es einzelne Interessengruppen) einem solchen Diskurs entziehen oder verweigern oder ihn gar aktiv torpedieren – aus welchen Motiven auch immer.
Im Rahmen des Projekts erscheint unter anderem die monatliche Rubrik Manometer! – hier beobachten und analysieren wir die klimapolitischen Debatten im deutschsprachigen Raum und gehen der Frage nach, wie man Druck aus der klimapolitischen Debatte nehmen kann, um Lösungen zu erleichtern. Eine weitere Rubrik ist die „Studie des Monats“, in der wir monatlich besonders wegweisende Ergebnisse der Sozialforschung zur Klimakommunikation vor – und beschreiben, was sich daraus ganz praktisch ableiten lässt für die tagtägliche Kommunikationsarbeit rund ums Klima. Hierbei arbeiten wir zusammen mit einem Forschungsteam um Michael Brüggemann, Professor für Kommunikationswissenschaft, Klima- und Wissenschaftskommunikation an der Universität Hamburg und langjähriger wissenschaftlicher Berater von Klimafakten.
Gefördert wird das Projekt #DebattenKLIMA von der Marga und Kurt-Möllgaard-Stiftung sowie der Naturstromstiftung.
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