Karsten Schwanke studierte Meteorologie in Berlin und Hamburg, seine Diplomarbeit schrieb er über die "Simulation von Vulkanausbrüchen". Seit 1995 arbeitet er als Wetterjournalist, Meteorologe und Moderator von Wissensmagazinen für verschiedene Medien, darunter die ARD. Er ist Autor mehrerer Bücher, darunter des Bandes "Wetter" in der Kinderbuchreihe "WAS IST WAS" des Tesloff-Verlags.

 

1. Nennen Sie bitte eine Sache, die Ihnen wirklich wichtig ist – und die Sie durch den Klimawandel gefährdet sehen.

Der Frieden - und zwar der Weltfrieden genauso wie der soziale Frieden. Das hört sich vielleicht sehr pathetisch an. Aber ich befürchte, dass Konflikte durch den Klimawandel zunehmen werden: Sei es der Kampf ums Wasser, der Migrationsdruck an den Küsten aufgrund des steigenden Meeresspiegels oder Flüchtlingsströme, weil sich in vielen Regionen die klimatischen Bedingungen so verändern, dass Menschen abwandern müssen und nach einem neuen Zuhause suchen.

2. Wann und mit wem haben Sie zuletzt – jenseits Ihres Jobs – über den Klimawandel gesprochen?

Die meisten Gespräche finden ja doch im weitesten Sinne "in meinem Job" statt, da ich oft auch Vorträge zu diesem Thema halte oder zu Diskussionsrunden eingeladen werde. So war ich letztens bei einer Veranstaltung in Köln und traf dort die Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Ich habe dafür geworben, sich Gedanken zu machen, wie eine Stadt wie Köln auch bei einer Erwärmung um drei oder vier Grad lebenswert bleiben kann. Da geht es um Frischluftschneisen, Grünflächen, Dachbegrünung usw. Stadtplaner müssen sich diesen Themen heute schon annehmen, denn wir reden über eine Erwärmung, die schon in 50 bis 80 Jahren eintreten kann.

3. … und mit wem würden Sie sich gern einmal unterhalten?

Mit Menschen, die mir eine Frage vielleicht beantworten können: Wie kann man es schaffen, eine Gesellschaft, also eine möglichst große Gruppe von Menschen, zum Handeln zu bewegen? Und das auch noch international, über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg. Und ansonsten mit unserer Bundesregierung, weil ich gern wüsste, welche Anstrengungen die Minister unternehmen, damit Deutschland das Pariser Klimaschutzabkommen erfüllen kann. Immerhin haben wir einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag unterschrieben. Und machen: nichts (oder sagen wir: deutlich zu wenig).

4. Sie versuchen täglich, Menschen mit dem Thema Klimawandel zu erreichen. Hatten Sie schon einmal einen Aha-Effekt in der Frage, wie das am besten gelingt?

Es gelingt dann am besten, wenn man es schafft, die Menschen in ihrem Lebensumfeld abzuholen. Bei einem Vortrag in einer Gemeinde im Schwarzwald auf rund 700 Metern Höhe habe ich gesagt, dass ihre Enkelkinder das heutige Klima Karlsruhes erleben werden - auf 700 Meter Höhe. Raunen im Saal. Das ist für die Menschen konkret nachvollziehbar, weil alle froh sind, die Sommernächte nicht in der stickigen Luft am Oberrhein erleben zu müssen, sondern in ihrer Sommerfrische mit deutlich angenehmeren Temperaturen. Aber das wird sich ändern…

5. Die Menschen, die Ihnen besonders nahestehen - könnten die zutreffend beschreiben, was Sie in Sachen Klimawandel tun?

Das müssten Sie die anderen fragen! Aber alle in meiner Umgebung wissen, dass mir das Thema am Herzen liegt und dass ich den Klimawandel als ernstzunehmendes Problem der Menschheit sehe. Mein Freundeskreis weiß vermutlich aber auch, dass ich aufgrund meiner vielen (beruflichen) Reisen einen eher schlechten ökologischen Fußabdruck habe - obwohl ich zu Hause oft das Fahrrad nehme. Immerhin bewege ich etwas mit meinen Vorträgen. Ich versuche, den Menschen das komplexe Thema des Klimawandels anschaulich näher zu bringen. Zum Nachdenken anzuregen, Augen zu öffnen. Ich diskutiere die Frage, ob das, was wir erleben, noch Wetter ist - oder schon Klimawandel

Achso, und ich plane, auf das Dach unseres Hauses eine Photovoltaik-Anlage zu bauen. Darauf freue ich mich, weil mir das Thema wirklich am Herzen liegt.

6. Stellen Sie sich vor, Sie wären der/die Vorsitzender einer politischen Partei, die den Klimaschutz voranbringen will. Was wäre der Schlüsselsatz, mit dem Sie Ihre Wählerinnen und Wähler erreichen?

Puh. Ich habe nicht den einen Schlüsselsatz parat. In jedem Fall müsste dieser Satz aber die Zukunft enthalten – es geht um die nächsten Generationen, unsere Kinder und Kindeskinder. Für sie müssen wir heute etwas tun. Und diese Partei müsste sich vom Blick auf die nächste Legislaturperiode verabschieden. Es geht nicht um die nächste Wahl oder die nächsten vier Jahre – es geht um die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte. Ein solcher Abschied wäre für politische Parteien eine Zäsur, aber anders geht es nicht.

Kommenden Monat in dieser Rubrik:
Lore Zablonier vom Schweizer Verein KlimaSeniorinnen

Foto:
Pervin Inan-Serttas