Klimaforscher und viele andere Wissenschaftler ärgern sich schon lange über den Begriff "Klimaskeptiker". Beziehungsweise darüber, dass jene Leute, die sich grundlegenden Erkenntnissen der Klimawissenschaft verweigern, diesen Begriff okkupiert haben - und dass die meisten Medien die Selbstetikettierung als "Skeptiker" übernommen haben. In Wahrheit nämlich, so die Kritik an dem Begriff, sei Skepsis eine Grundtugend der Wissenschaft. Jeder gute Forscher stehe Daten und Thesen erstmal skeptisch gegenüber und prüfe sie genau, bevor er sie akzeptiert. Die sogenannten "Klimaskeptiker" hingegen täten etwas ganz anderes, betont beispielsweise das US-amerikanische Comittee for Skeptical Inquiry: Sie lehnten die Klimaforschung von vornherein ab. Sie seien also eigentlich keine "Skeptiker", sondern ideologisch motivierte "Leugner".

Die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) hat solchen Einwänden kürzlich Rechnung getragen, zumindest teilweise: Wie die Agentur Ende September auf ihrem Unternehmensblog mitteilte, wird sie künftig nicht mehr von "Klimaskeptikern" sprechen. Im sogenannten AP Stylebook, das redaktionsinterne Standards für Rechtschreibung, Grammatik und Wortwahl festschreibt, heißt es nun: "Zur Beschreibung derer, die die Klimaforschung nicht akzeptieren oder abstreiten, dass die Welt sich durch menschliche Einflüsse erwärmt, nutze den Begriff 'Klimawandelzweifler' oder 'jene, die die etablierte Klimaforschung ablehnen'." Künftig solle, heißt es weiter, die Bezeichnung "Skeptiker" ebenso gemieden werden wie "Leugner".

Diese Entscheidung hat in Medien und Wissenschaft ein breites Echo gefunden. Denn das AP Stylebook ist ein Standardwerk des anglo-amerikanischen Journalismus; es wird nicht nur von den Reportern der Agentur selbst beachtet, sondern auch von vielen anderen Redaktionen. Die Reaktionen waren gemischt: Während der Abschied vom Begriff "Skeptiker" rundum begrüßt wurde, stieß die Ablehnung des Begriffs "Leugner" auf Kritik. Denn zur Begründung ihrer Empfehlung verwies AP lediglich darauf, dass der Begriff "Leugner" von den Klimawandelzweiflern selbst abgelehnt werde, weil er - so deren Argument - an "Holocaust-Leugner" erinnere und daher negativ konnotiert sei. Dass hier eine Bezeichnung verworfen wurde, nur weil er der betroffenen Personengruppe nicht gefällt, sei ein "heikler Präzedenzfall", kommentiert etwa ein Autor der Washington Post.

tst