Der Tourismus leidet unter dem Klimawandel. Und treibt ihn an

Der Tourismus wird in den kommenden Jahrzehnten mit schwerwiegenden Auswirkungen des Klimawandel konfrontiert sein - weltweit ebenso wie nin Deutschland, Österreich und der Schweiz.

So wird der Anstieg der Meeresspiegel Strände und Marinas gefährden, die Versauerung der Ozeane bedroht Korallenriffe. In Wintersportgebieten werden steigende Temperaturen die Saison verkürzen und die wirtschaftliche Basis vieler Skiorte bedrohen. Dies sind einige Eckpunkte des Reports "Klimawandel: Was er für den Tourismus bedeutet", den klimafakten.de heute veröffentlicht hat. Die 16-seitige Broschüre fasst erstmals in deutscher Sprache Kernergebnisse aus dem Fünften IPCC-Sachstandsbericht zusammen, die speziell für die Reisebranche relevant sind.

Der Report ist der letzte in einer Reihe von insgesamt elf Berichten, die in den letzten zwei Jahren erschienen sind. Sie blicken unter anderem auf die Bau-, Fischerei- und Finanzwirtschaft oder auch auf Aspekte der Sicherheitspolitik. "Der Weltklimabericht des IPCC ist fachsprachlich und sehr umfangreich. Wir sind überzeugt, dass Entscheidungsträger in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft die Befunde des IPCC besser nutzen können, wenn ihnen kurze, verständliche und trotzdem akkurate Zusammenfassungen vorliegen", erklärt klimafakten.de-Projektleiter Carel Mohn. "Dies sollen unsere elf Branchenreports leisten."

Klimawandel bedroht die Reisebranche gerade in vielen ärmeren Ländern

Der Tourismus gehört zu den größten Wirtschaftssektoren der Welt: Auf ihn entfallen rund neun Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Die Branche erzielt pro Jahr mehr als sechs Billionen US-Dollar Umsatz - zum Vergleich: Das sind rund drei mal mehr als die gesamte Wirtschaftskraft Indiens. Und der Tourismus bietet weltweit mehr als 255 Millionen Menschen eine Existenzgrundlage. Außerdem ist die Branche ein teilweise sehr energieintensiver Wirtschaftszweig; dies betrifft vor allem Flugreisen. Am weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen hat der Tourismus derzeit einen Anteil von 3,9 bis sechs Prozent, und für die kommenden Jahre wird eine deutliche Zunahme erwartet. Bei unbegrenztem Wachstum der Branche würde, Studien zufolge, allein schon die Tourismuswirtschaft in manchen Ländern (etwa Großbritannien) bis 2050 das ganze "CO2-Budget" aufbrauchen, das bei einer am Zwei-Grad-Limit ausgerichteten Entwicklung insgesamt für dieses Land zur Verfügung stünde.

Für einige der weltweit ärmsten Länder ist der Tourismus besonders wichtig, vor allem für manche kleine Inselstaaten. Zugleich ist die Branche auf besondere Art vom Klimawandel bedroht: So würden bei einem Anstieg der Meeresspiegel um einen Meter in der Karibik rund die Hälfte der Ferien-Resorts sowie 21 Flughäfen beschädigt oder zerstört werden. Zudem wird die Erderwärmung beispielsweise die Artenvielfalt beeinträchtigen, was Folgen für den Naturtourismus haben wird. Der Report zeigt aber nicht nur Folgen des Klimawandels auf, sondern beschäftigt sich auch damit, wie sich die Reisebranche an ein verändertes Klima anpassen kann - und welche Möglichkeiten es gibt, den Ausstoß an Treibhausgasen zu mindern.

Der Tourismus-Report wurde wie auch die anderen zehn Branchenberichte in Zusammenarbeit mit dem University of Cambridge Institute for Sustainability Leadership (CISL) erarbeitet. Er stützt sich ausschließlich auf den Fünften Sachstandsberichts zur Klimaforschun, den der IPCC 2013/2014 vorgelegt hat und der ein einmaliges Wissenskompendium darstellt. "Die deutsche Öffentlichkeit ist sehr gut informiert, was den Zusammenhang zwischen Klimaschutz und Energiewirtschaft betrifft. Beim Tourismus sind wir von einem solchen öffentlichen Grundwissen weit entfernt – auch das wollen wir mit unserem Report ändern", so Projektleiter Carel Mohn.

tst

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