"Oh, wie süß ist das denn!?" - Tierbabys als Trojanisches Pferd des Klimas

DeutschlandRadio Wissen

Eigentlich mag der Fotograf und Meeresbiologie Paul Nicklen gar keine Tierbabys - jedenfalls nicht mehr oder weniger als andere Wunder der Natur. Aber der Kanadier weiß, dass kleine Seerobben mit großen Kulleraugen, flauschige Eisbären und tapsige Pinguine viele Menschen mehr bewegen als tauende Eisberge oder überschwemmte Küsten. Deshalb macht sich der Fotograf diese menschliche Schwäche für Tierbabys zunutze, um für mehr Klimaschutz zu werben. Mit Erfolg, wie DeutschlandRadio Wissen berichtet. Seinen Fotoveröffentlichungen auf der Online-Plattform Instagram folgen inzwischen mehr als 2,6 Millionen Abonnenten.

Die Bilder der süßen Tierbabies nutzt der Fotograf, um schockierende Geschichten zu erzählen. "Durch den vom Menschen verursachten Klimawandel geht immer mehr Eis verloren, und die Sattelrobben verlieren ihre Kinderstube", schreibt Nicklen zu einem Robbenbaby-Foto. Und weiter: Bereits 2007 seien mehr als 70 Prozent des Nachwuchses wegen schlechter Eisbedingungen gestorben, doch 2010 sei es noch schlimmer gekommen - fast kein einziges Neugeborenes habe überlebt. "Wenn wir die Robbenbabies retten wollen, müssen wir unseren CO2-intensiven Lebensstil ändern."

Fotos wie dieses von einer kleinen Sattelrobbe benutzt der kanadische Fotograf Paul Nicklen, um Botschaften zum Klimawandel unter die Leute zu bringen; Quelle: Paul Nicklen/Instagram 

Solche Botschaften kämen durchaus an, urteilt Deutschlandradio Wissen. Nachdem die Instagram-Nutzer die niedlichen Fotos gesehen haben, schauten sie auch andere Bilder an: sterbende Seelöwen, verhungernde Eisbären und andere Zeugen dafür, wie der Klimawandel die Umwelt verändert. Ähnlich geht es auch anderen Fotografen, die auf Umwelt- und Klimaschäden aufmerksam machen. Der niederländische Fotograf und Naturschützer Jasper Doest etwa meint: Durch Kitsch könne man die Menschen eben noch am ehesten erreichen - und zum Handeln bewegen.

sg

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