Auf eine Karte gesetzt: Klimaforschung und Social Media im "Tweetoscope"

Die Erkenntnisse der Klimawissenschaften sind längst so umfassend, dass sie selbst für Fachleute nurmehr schwer überschaubar sind. Um auf dem unübersichtlichen Forschungsterrain Orientierung zu bieten, haben französische Datenexperten jetzt eine Art Landkarte der Klimaforschung programmiert. Für ihr sogenanntes Tweetoscope  haben David Chavalarias, Samuel Castillo und Maziyar Panahi vom Institut für Komplexe Systeme Paris Ile de France (ISCPIF) seit März 2015 rund 20 Millionen Tweets und mehr als 250.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen aus 30 Jahren Klimaforschung ausgewertet. Das groß angelegte Datenprojekt stellt elf zentrale Bereiche der Klimaforschung mit ihren Bezügen untereinander dar.

Die Landkarte der Klimaforschung bietet viele Aha-Effekte und erlaubt es, von Oberbegriffen aus tief in die Wissenschaft einzutauchen; Abbildung: Screenshot Tweetoscope

Das Besondere an der Karte: Man kann zwischen zwei Ansichten wechseln. Einerseits zeigt sie, an welchen Themen die Wissenschaft forscht – andererseits ist zu sehen, zu welchen Klimathemen die meisten Meldungen im Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlicht werden. Je nachdem, ob das Thema in der Wissenschaft häufiger oder seltener behandelt wird als auf Twitter, sind die entsprechenden Stichworte blau oder orange gefärbt.

Für Multiplikatoren, die sich beruflich mit Klimakommunikation beschäftigen, ergeben sich daraus nützliche Erkenntnisse: Beispielsweise wird der Artenschutz von der Wissenschaft weniger beachtet als von der Öffentlichkeit. Hingegen spielt das Thema Landnutzung in der Wissenschaft eine größere Rolle als auf Twitter. Mit dem Tweetoscope lassen sich also sehr schnell Themen identifizieren, die unterbelichtet sind oder aber die Öffentlichkeit überproportional stark bewegen.

Auf einen Blick wird klar, was wichtige Themen der Klimaforschung sind

Die Karte bietet viele weitere Aha-Effekte: Beispielsweise erscheint ein Begriff umso größer in der Wortwolke, je mehr Fundstellen es zu diesem Schlüsselwort gibt. So wird auf einen Blick klar, was besonders wichtige Themen in der Forschung sind: unter anderem precipitation (Niederschlag), foret (Wald) und écosystème (Ökosystem). Immer tiefer und tiefer kann man sich dann in Unterthemen hineinzoomen. Klickt man auf einen der Begriffe, wird am linken Bildschirmrand eine Auswahl der wissenschaftlichen Publikationen zum Thema angezeigt. Am rechten Bildschirmrand erscheinen verwandte Tweets. Die Karte kann also zum Beispiel auch als Lexikon dienen, um die weite Welt der Klimaforschung zu erkunden und um Twitterer ausfindig zu machen, die für Klimathemen ansprechbar sind.

Technisch hakt das Tweetoscope leider etwas. Der Schieber, mit dem man von der Wissenschaftsansicht zur Social-Media-Ansicht umschaltet, funktioniert zwar im Browser Chrome, mit Firefox aber nicht immer. Im Internet-Explorer wird die Karte gleich gar nicht angezeigt. Insgesamt bietet die Website aber einen reizvollen Zugang auch zu schwierigen Details.

Susanne Ehlerding

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