"Die Zunahme von Hitzewellen ist zweifelsfrei eine Folge der globalen Erwärmung"

"Ist das schon der Klimawandel?" Wann immer es eine Hitzewelle gibt, eine Dürre, eine Überschwemmung oder ein anderes größeres Extremwetterereignis, wird diese Frage von vielen Menschen gestellt. Doch lange Zeit konnte die Forschung nur wenig Konkretes auf solche Fragen antworten. Und Journalist:innen fiel es oft schwer, wissenschaftliche Ergebnisse präzise in allgemeinverständliche Artikel und Sendungen zu übersetzen.

Um den Medien - aber auch allen Interessierten - eine verlässliche und aktuelle Orientierung zu geben, hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) gemeinsam mit und auf dem Extremwetterkongress in Hamburg ein kompaktes Faktenblatt veröffentlicht. "Was wir heute über das Extremwetter in Deutschland wissen", lautet der Titel. Es wurde auf dem diese Woche stattfindenen Kongress vorgestellt.

"Die zum Teil katastrophalen Folgen von Stürmen, Hitzewellen und Starkregen können heute fast jeden von uns treffen", warnte Tobias Fuchs, Vorstandsmitglied und Leiter der Klimaabteilung des DWD, auf der begleitenden Pressekonferenz. "Mit dem fortschreitenden Klimawandel müssen wir künftig mit noch intensiveren und oft mehr Wetterextremen rechnen - auch in Deutschland."

In Anlehnung an ein allgemeineres Papier zum Stand der Klimaforschung, das beide Institutionen in der Vorwoche gemeinsam mit weiteren Partnern (darunter klimafakten.de) veröffentlicht hatten, fasst das neue Dokument nun die Kerninformationen speziell zu Extremwetter in Deutschland in fünf kurzen Sätzen zusammen. "Die globale Erwärmung erhöht generell die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten bestimmter Extreme", lautet einer dieser Sätze. Ein weiterer: "Die Zunahme von Hitzewellen ist zweifelsfrei eine Folge der globalen Erwärmung."

Mehr Hitze, höhere Waldbrandgefahr, aber keine Zunahme von Stürmen

Insgesamt führe die Erderhitzung, so das Papier unmissverständlich, zu "starken Veränderungen bei extremen Wetterereignissen" - allerdings nicht bei allen und nicht überall. Es komme beispielsweise "zu regionalen Verlagerungen", also Extreme treten in Weltgegenden auf, in denen sie vorher unbekannt waren. Und während einerseits Temperaturextreme bei Hitze zunehmen, werden extrem strenge Fröste deutlich weniger.

Konkret stellt das Papier beispielsweise fest:

  • Neun der zehn wärmsten Jahre seit 1881 in Deutschland traten seit 2000 auf. In den letzten 20 Jahren waren bereits sechs Jahre um mehr als 2,0 Grad wärmer als die Werte zwischen 1881 und 1910. Drei Jahre lagen sogar über der 2,5-Grad-Marke.
  • Die Anzahl Heißer Tage (Tagesmaximum der Lufttemperatur mindestens 30 °C), über ganz Deutschland gemittelt, hat sich seit den 1950-er Jahren von etwa drei Tagen pro jahr auf derzeit durchschnittlich neun Tage pro Jahr verdreifacht. Die mittlere Anzahl der Eistage (Tagesmaximum der Lufttemperatur kleiner als = °C) hat im gleichen zeitraum von 28 Tagen auf 19 Tage abgenommen.
  • Die Waldbrandgefahr nimmt zu. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Tage mit hohem bis sehr hohem Waldbrandrisiko bereits gestiegen: Deutschlandweit gemittelt gab es im Zeitraum 1961 bis 1990 rund 27 Tage im Jahr mit hohem oder sehr hohem Waldbrandrisiko. Im Zeitraum 1981 bis 2010 waren es schon rund 33 Tage, im Zeitraum 1991 bis 2019 sogar rund 38 Tage pro Jahr.

Wichtig sei es, so die Herausgeber, den Stand der Forschung zu verschiedenen Extremwetter-Typen differenziert zu betrachten. Während zur Entwicklung bei Temperaturextremen bereits eindeutige und gut gesicherte wissenschaftliche Befunde vorlägen, bestehe bei anderen Phänomenen noch großer Forschungsbedarf, etwa zu Veränderungen im Bereich von Niederschlägen und Winden. Betrachte man zum Beispiel Stürme, so sei bisher in Deutschland keine Zunahme zu verzeichnen. Dass die Zahl der beobachteten Tornados gewachsen ist, liege "zu großem Teil" daran, dass heute viel mehr Menschen Smartphones mit Foto- und Videofunktion besitzen - und damit Wetterphänomene einfacher dokumentieren und melden können.

Was extrem starke Regenfälle angehe (die zu kurzzeitigen, lokalen Überflutungen führen können, sogenannten "Sturzfluten" bzw. engl. "flash floods"), gebe es "zwar einige Anhaltspunkte für eine Zunahme". So deuten die Daten der DWD-Regenradars darauf hin, dass es in einen Regionen bereits eine Zunahme von Starkregen gebe. Doch die Radaranlagen wurden erst 2001 in Betrieb genommen, und eine Datenreihe von bislang nur 19 Jahren ist noch zu kurz, um daraus gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse zu klimatischen Veränderungen abzuleiten.

Toralf Staud

Transparenzhinweis: klimafakten.de unterstützt den Extremwetterkongress2020 als Kooperationspartner.

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