Klimawandel

Was er für die Landwirtschaft bedeutet

Kernergebnisse aus dem Fünften Sachstandsbericht des IPCC

Kernergebnisse

  1. 1 Der Klimawandel hat in einigen Teilen der Welt bereits die Ernteerträge sinken lassen.

    Mit dem weiteren Temperturanstieg wird sich diese Entwicklung voraussichtlich verschärfen. Betroffen sind unter anderem Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais und Reis. Projektionen zufolge wird der Klimawandel zu stärker schwankenden Preisen bei landwirtschaftlichen Grunderzeugnissen und einer verringerten Qualität führen.

  2. 2 An einige Veränderungen infolge des Klimawandels können sich Landwirte anpassen, doch es gibt Grenzen.

    Bei einer Erderwärmung von 3 °C oder mehr (ein Wert, wie er bei weiter ungebremstem Treibhausgasausstoß bis Ende dieses Jahrhunderts erwartet wird), wird Projektionen zufolge in direkter Äquatornähe eine Anpassung nicht mehr machbar sein. Den Interessen des Agrarsektors wäre am besten gedient, wenn er ehrgeizige Maßnahmen zu Emissionsminderung und Klimaanpassung ergriffe.

  3. 3 Im Jahr 2010 stammten etwa zehn bis zwölf Prozent der durch menschliche Aktivitäten verursachten Treibhausgase aus der Landwirtschaft.

    Sie ist außerdem die größte Quelle einzelner Treibhausgase wie Methan oder Lachgas.

  4. 4 Zu den Klimaschutzmöglichkeiten des Agrarsektors gehört die Minderung von Emissionen, die durch Landnutzungsänderungen, Bodenbewirtschaftung und Viehhaltung entstehen.

    Außerdem können Biomasse und Böden Kohlendioxid sogar aufnehmen und speichern. Der Einsatz von Biomasse zur Energieerzeugung anstelle fossiler Energieträger kann unter bestimmten Bedingungen den gesamtwirtschaftlichen Ausstoß von Treibhausgasen verringern.

  5. 5 Ein verändertes Verbraucherverhalten könnte die landwirtschaftlichen Emissionen deutlich stärker senken als technische Maßnahmen.

    Zum Beispiel wäre es erfolgversprechend, wenn weniger Lebensmittel weggeworfen würden, emissionsintensive Lebensmittel tierischen Ursprungs (wie Fleisch oder Milchprodukte) stärker durch pflanzliche Produkte ersetzt würden und in Regionen mit übermäßigem Konsum weniger verbraucht würde.

Zusammenfassung

Der vorliegende Bericht behandelt die Folgen des Klimawandels, Möglichkeiten zur Anpassung und Optionen zur Emissionsminderung für die Landwirtschaft,
nicht jedoch für die Forstwirtschaft oder andere Landnutzungen.

Bereits heute wirkt sich der Klimawandel in verschiedenen Weltregionen auf Ernteerträge und Lebensmittelproduktion aus – negative Folgen sind dabei häufiger zu beobachten als positive. Wenn sich die Landwirtschaft nicht anpasst, werden bis 2050 bei lokalen Temperaturanstiegen um 2 °C oder mehr (gegenüber dem Stand am Ende des 20. Jahrhunderts) Produktionsrückgänge erwartet.

Einzelne Standorte könnten aber auch profitieren. Nach 2050 nimmt das Risiko stärkerer Ernteeinbußen zu, ihr Ausmaß richtet sich nach der eintretenden Erwärmung. In Afrika und Asien wird der Klimawandel die landwirtschaftliche Produktion am stärksten treffen. Ein weltweiter Temperaturanstieg um 4 °C oder mehr) würde in Kombination mit der steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln die Ernährungssicherheit weltweit und regional stark gefährden.

Im Jahr 2010 trug die Landwirtschaft mit zehn bis zwölf Prozent zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei. Der Agrarsektor ist die größte Quelle von Treibhausgasen jenseits des Kohlendioxids (beispielsweise Methan), 2005 verursachte er 56 Prozent dieser Emissionen.

Sowohl über angebots-, als auch über nachfrageseitige Maßnahmen lässt sich der agrarbedingte Treibhausgasausstoß senken. Zu den Möglichkeiten auf der Angebotsseite (also bei der Landwirtschaft selbst) gehört die Senkung der Emissionen aus Landnutzungsänderungen, Bodenbewirtschaftung und Viehhaltung. Außerdem ließe sich die Menge an Kohlendioxid erhöhen, die von Böden und Biomasse aufgenommen und gebunden wird.

Die Emissionen der Gesamtwirtschaft können sinken, wenn fossile Brennstoffe durch solche aus Biomasse ersetzt (und wenn bei deren Produktion bestimmte Bedingungen eingehalten) werden. Auch die Nachfrageseite kann an der Minderung agrarbedingter Emissionen mitwirken, etwa wenn weniger Lebensmittel weggeworfen und verschwendet oder wenn andere (mit niedrigerem Treibhausgasausstoß verbundene) Lebensmittel konsumiert werden, also etwa weniger Fleisch.

Es liegt im eigenen Interesse des Landwirtschaftssektors, ehrgeizige Maßnahmen zur Emissionsminderung zu ergreifen und mitzuhelfen, dass wichtige Schwellenwerte bei der Erderwärmung nicht überschritten werden.

Ebenso wichtig ist es, sich auf den unvermeidlichen Temperaturanstieg und die damit verbundenen Klimaereignisse einzustellen. Zwar ist eine Anpassung an klimatische Auswirkungen grundsätzlich möglich (vor allem durch die Verbreitung bereits verfügbarer Techniken), doch es gibt Grenzen. Ein Anstieg der Erdmitteltemperatur um 3 °C oder mehr, wird Projektionen zufolge die Anpassungsfähigkeit insbesondere in äquatornahen Regionen überfordern.

Folgen des Klimawandels

Der Klimawandel dürfte starke Auswirkungen auf Wasserverfügbarkeit, Ernährungssicherheit und landwirtschaftliche Einkommen haben, und die Anbaugebiete werden sich Projektionen zufolge verschieben.

Ernährungssicherheit

Die Kombination aus klimatischen Extremereignissen (etwa Hitzewellen, Dürren, Überflutungen und Waldbränden) und langfristigen Entwicklungen (steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster usw.) hat breite und tiefgreifende Folgen für den Agrarsektor und die weltweite Ernährungssicherheit. Der Klimawandel wird Ökosysteme beeinträchtigen oder gar zerstören, die vielfältige, für die landwirtschaftliche Produktion unerlässliche Dienstleistungen erbringen (beispielsweise Verbreitung von Samen, Abbau von Abfallstoffen, Bereitstellung von Nährstoffen). Nach dem Verlust von Lebensräumen ist der Klimawandel die weltweit größte Bedrohung für Bestäuberinsekten wie Bienen oder Hummeln.

Ernteerträge

Die während der vergangenen Jahrzehnte freigesetzten Treibhausgase beeinträchtigen bereits heute den Anbau von Reis, Weizen und Mais. Bei lokalen Temperatursteigerungen um 2 °C (die bei ungebremsten Emissionen an vielen Orten durchaus zu erwarten sind) ist mit weiter sinkenden Erträgen zu rechen, wenn keine Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden. Die Folgen der Emissionen für die Ernten sind sehr komplex: Einerseits hat Kohlendioxid in den meisten Fällen eine stimulierende Wirkung auf das Pflanzenwachstum, andererseits werden Pflanzen durch bodennahes Ozon geschädigt, das im Zusammenhang mit menschlichen Emissionen entsteht. Erhöhte Ozonwerte haben die weltweiten Ernteerträge sehr wahrscheinlich bereits verringert, Schätzungen zufolge um zehn Prozent bei Weizen und Sojabohnen.

Die grundsätzlich förderliche Wirkung eines höheren CO2-Niveaus auf die Photosynthese von Pflanzen dürfte zudem relativiert werden durch Veränderungen im Stickstoffkreislauf, Temperaturextreme oder Wassermangel, die im Zuge des Klimawandels ebenfalls zu erwarten sind. Infolge der Erwärmung und anderer Faktoren werden wahrscheinlich jene Gebiete stark schrumpfen, die für den Anbau von Kaffee, Tee und Kakao geeignet sind – die Existenzgrundlage von Millionen Kleinbauern in mehr als 60 Ländern. Solchen Projektionen steht eine erwartete Zunahme der Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten um rund 14 Prozent pro Jahrzehnt bis 2050 gegenüber.

Entwicklungsländer

In Entwicklungsländern sind die klimabedingten Risiken für die Landwirtschaft am größten. Den dortigen Bauern und Viehhaltern fehlt es an Ressourcen, die unverzichtbar sind zur Anpassung an die Erderwärmung (etwa Kapital, Technik und Wissen). Zudem treffen die Klimarisiken dort auf andere, bereits vorhandene Probleme ökologischer (zum Beispiel Bodenerosion, Wasserverschmutzung, schwindende Artenvielfalt), gesellschaftlicher (wie Ungleichheit, Armut, Geschlechterdiskriminierung) oder staatlicher Art (beispielsweise schwache Institutionen). Verschiedene Wechselwirkungen verschärfen die Risiken.

Wassersicherheit

Veränderte Niederschlagsmengen und -muster sowie der Rückgang von Schnee, Eis und Gletschern wirken sich in vielen Regionen auf die Wasserkreisläufe und damit auf Menge und Qualität des verfügbaren Wassers aus. Mit jedem weiteren Grad Celsius Erwärmung ist damit zu rechnen, dass für weitere sieben Prozent der Weltbevölkerung die erneuerbaren Wasserressourcen um mindestens 20 Prozent abnehmen.

Preisschwankungen

Ein wichtiger Faktor bei den jüngsten Anstiegen der Lebensmittelpreise war, dass mehr Ackerland für den Anbau von Energiepflanzen genutzt wird. Doch dürften auch wetterbedingte Ertragsschwankungen eine Rolle gespielt haben, denn die Preisspitzen folgten oft auf klimatische Extreme in wichtigen Anbauländern. Wegen zunehmender Folgen der Erderwärmung werden bis 2050 Preissteigerungen für Mais um 55 Prozent, für Reis um 37 Prozent und für Wei­zen um elf Prozent erwartet.

Eine größere Schwankungsbreite (”Volatilität“) der Preise hat negative wirtschaftliche Folgen, denn sie erhöht die Unsicherheit und möglicherweise auch die Produktionskosten und erschwert dadurch den Zugang zu lebenswichtigen Grunderzeugnissen. Arme Bevölkerungsgruppen werden durch klimabedingte Preissteigerungen überdurchschnittlich hart getroffen. Die Preisspitzen von 2010/2011 drückten schätzungsweise 44 Millionen Menschen in 28 Ländern unter die Armutsgrenze.

Lebensmittelqualität

Der Klimawandel wird wahrscheinlich die Qualität mancher Lebensmittel beeinträchtigen. Herrschen beim Anbau von Weizen, Reis, Gerste und Kartoffeln hohe CO2-Konzentrationen, verringert sich der Proteingehalt dieser Produkte um zehn bis 14 Prozent. Bei einigen Lebensmittelpflanzen könnte auch der Gehalt an Mineralien und Spurenelementen sinken.

Schädlinge und Krankheiten

In manchen Fällen lässt sich das Auftreten von Schädlingen auf den Klimawandel zurückführen. Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster sowie häufigere und stärkere Hitzeextreme stören die natürliche Regulierung von Schädlingen und Krankheiten. Zugleich dehnen sich die Verbreitungsgebiete verschiedener Schädlinge aus. Hierdurch sind weitere Ernteeinbußen und Preisanstiege zu erwarten.

Viehhaltung

Zunehmender Hitzestress und häufigere Wetterextreme werden sich negativ auf die Viehbestände auswirken. Hochleistungsrassen sind besonders gefährdet. Die in Entwicklungsländern gehaltenen Züchtungen sind tendenziell widerstandsfähiger gegenüber Hitze und saisonaler Mangelernährung. Für Nutztiere gefährliche Krankheitserreger werden sich im Zuge des Klimawandels voraussichtlich ausbreiten.

Arbeit

Durch Hitzestress und Krankheiten, die beispielsweise von Insekten übertragen werden, wird eine Abnahme der Arbeitsproduktivität erwartet, vor allem für körperliche Arbeit in feuchtem Klima. Es liegt nahe, dass dies auch die Landwirtschaft treffen wird.

Lieferketten

Die Landwirtschaft ist nur ein Glied in den Lieferketten der Lebensmittelindustrie. Die Branche ist ebenso darauf angewiesen, dass Kühlung, Beförderung, Verarbeitung und Vertrieb funktionieren – und alle Glieder der Lieferketten sind klimatischen Risiken ausgesetzt, etwa Betriebsunterbrechungen.

Möglichkeiten der Anpassung

Bei manchen Folgen des Klimawandels verfügen Landwirte (und andere Akteure im Bereich der Lebensmittelversorgung) über Möglichkeiten, sich anzupassen. Wie genau sie aussehen, hängt stark vom jeweiligen Kontext ab. Es gibt keinen allgemeingültigen Ansatz, mit dem sich für alle Regionen, Sektoren und Situationen die Klimarisiken verringern ließen. Doch je weiter die Erderwärmung fortschreitet, desto stärker wird die Anpassungsfähigkeit des Agrarsektors sinken – und ab gewissen Temperaturen wird sie wahrscheinlich überfordert sein.

Um die Pflanzenproduktion effektiv, nachhaltig und klimaangepasst zu gestalten, sind beispielsweise ein genaueres Wissen über die Vegetationsperioden, verbesserte Fruchtwechsel, flexibles Wassermanagement und bessere Wettervorhersagen hilfreich. In manchen Regionen sind Landwirte bereits dabei, sich durch veränderte Anbau- und Saatzeiten auf veränderte lokale Bedingungen einzustellen.

Eine Erwärmung kann die Vegetationsperioden verlängern. Die Änderung der Pflanzzeitpunkte ist daher eine häufige Anpassungsmöglichkeit beim Anbau von Getreide und Ölsaaten, sofern zum Ende der Vegetationsperiode nicht vermehrt Dürren auftreten. Veränderte Pflanzzeiten könnten die Erträge im Mittel um drei bis 17 Prozent erhöhen. Eine frühe Aussaat wird heutzutage durch bessere Maschinen und Techniken wie die Trockenaussaat, die Vorbehandlung von Samen oder das Umpflanzen von Setzlingen erleichtert. Die Optimierung von Pflanzensorten und Pflanzplanung kann die Erträge gegenüber herkömmlichen Praktiken um bis zu 23 Prozent erhöhen.

Von der Forschung sind noch weitere Erkenntnisse zu erwarten, wie sich Lebensmittelproduktion und -lieferketten stabiler gestalten lassen. Wenn Unternehmen mit langen landwirtschaftlichen Vorketten die Verwundbarkeiten der Erzeugerebene analysieren und angehen, können sie ihre Risiken und die ihrer Lieferanten mindern.

Hohe Temperaturen verringern Ernteerträge und -qualität. Die Verbesserung der Hitzetoleranz ist deshalb eine häufige Anpassungsstrategie für fast alle Kulturpflanzen. Die Bewahrung genetischer Vielfalt und der Zugang zu umfangreichen Genbanken kann die Entwicklung besser angepasster Sorten fördern. Wegen der zunehmenden Trockenheit in vielen Regionen steigt der Bedarf an dürreresistenten Züchtungen.

Zu den Techniken eines flexiblen Wassermanagements gehören ein besserer Zugang zu und eine bessere Speicherung von Wasser zur künstlichen Bewässerung, effektiveres Auffangen und effizienteres Verteilen des Wassers, verbesserte Bewässerungstechniken (etwa Defizitbewässerung), Laubdachmanagement oder eine Minimalbearbeitung der Böden, was ihre Wasserspeicherfähigkeit stärkt.

Unternehmen mit hohem Wasserbrauch bei Erzeugung und Verarbeitung von Kulturpflanzen können die Veränderung der Wasserressourcen ebenso in späteren Phasen der Lieferkette im Blick behalten – und entsprechend ihre Beschaffungsstrategien und ihren Produktionsbedarf anpassen.

Viele Systeme der Nutztierhaltung sind gut angepasst an vergangene klimatische Schwankungen – und könnten ein solider Ausgangspunkt sein, um sich auf den künftigen Klimawandel einzustellen. Möglich ist beispielsweise, die Viehdichte an die Futterproduktion anzupassen, beim Management von Herden und Wasserentnahmestellen die saisonalen und räumlichen Veränderungen der Grünfutterproduktion zu berücksichtigen, die Futterqualität zu steuern, Silage effektiver zu nutzen, zwischen Weiden zu rotieren und sie zeitweise ruhen zu lassen, besser geeignete Arten und Züchtungen zu verwenden sowie die Ausbreitung von Schädlingen, Unkraut und Krankheiten zu beobachten und zu steuern.

Diese Ansätze zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel sind präventiver Art – ihr Hauptziel ist, Störungen zu minimieren. Daneben gibt es auch reaktive Maßnahmen, etwa indexbasierte Wetterversicherungen. Solche Ansätze zielen darauf, die Fähigkeit zur Reaktion auf Klimaschocks und zum folgenden Wiederaufbau zu stärken.

Die meisten Anpassungsmöglichkeiten sind lokaler Art, doch es gibt auch Maßnahmen auf globaler Ebene. Wenn das Welthandelssystem durch Reformen berechenbarer und zuverlässiger gemacht würde, könnte dies dabei helfen, Preisausschläge zu verringern und einen besseren Umgang mit Engpässen zu ermöglichen. Mehr noch, ökonomische Instrumente können die Anpassung fördern: Sie könnten Anreize setzen, die Auswirkungen des Klimawandels vorab in Entscheidungen einzubeziehen und diese abzumildern. Zu diesen Instrumenten gehören beispielsweise Zahlungen an Landwirte für den Erhalt von Ökosystemdienstleistungen oder eine kostengerechte Bepreisung von Ressourcen. Insgesamt könnten solche Ansätze die Erträge um rund 15 bis 18 Prozent erhöhen.

Bei Temperaturanstiegen von höchstens 2 °C gegenüber vorindustriellem Niveau können die genannten Ansätze zu einer wirkungsvollen Anpassung beitragen. Doch bei einer Erderwärmung von mehr als 4 °C – mit zeitgleich steigender Nachfrage durch das Bevölkerungswachstum – werden sie wahrscheinlich nicht ausreichen.

Die Anpassungsplanung und Erhöhung der Widerstandsfähigkeit sind mit einer Reihe (miteinander verknüpfter) Hindernisse konfrontiert. Dazu gehören Unsicherheiten über die genauen Folgen des Klimawandels, begrenzte finanzielle und menschliche Ressourcen, mangelnde Koordination verschiedener (betrieblicher und politischer) Führungs- und Entscheidungsebenen, unzureichende Reaktionen politischer Institutionen, Unterschiede bei der Risikowahrnehmung, konkurrierende Werte, das Fehlen von Vorreitern und Vorbildern sowie begrenzte Möglichkeiten der Erfolgskontrolle.

Manche Maßnahmen erhöhen die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel und tragen zugleich zur Emissionssenkung bei. Wird etwa die Aufnahme und Bindung von CO2 in Böden gefördert, können diese auch mehr Feuchtigkeit speichern und Erosion besser standhalten. Weniger Kunstdünger zu verwenden, mehr Hülsenfrüchte in die Fruchtwechselsysteme zu bringen, eine größere Kulturpflanzenvielfalt zu gewährleisten, hochwertigere Samen zu verwenden, integrierte Ackerbau- und Viehzuchtsysteme sowie Produktionssysteme mit niedrigem Energieverbrauch zu etablieren, Wildfeuer besser zu regulieren oder die Energieeffizienz im Bereich der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu steigern – all dies sind Maßnahmen mit Mehrfachnutzen.

Optionen zur Emissionsminderung

Angebotsseitige Möglichkeiten

Die mit Abstand größte Quelle agrarbedingter Treibhausgasemissionen ist mit 32 bis 40 Prozent die sogenannte enterische Fermentation (also die Entstehung von Methan im Verdauungstrakt von Nutztieren). Weitere bedeutende Verursacher sind Gülle und Mist (15 Prozent), Kunstdünger (12 Prozent), der Nassreisanbau (neun bis elf Prozent), die Biomasseverbrennung (sechs bis zwölf Prozent) und Stalldung (sieben bis acht Prozent). Der Einsatz von Kunstdünger ist in den letzten Jahrzehnten drastisch gestiegen und dürfte schon in zehn Jahren auf Platz zwei der Quellen vorrücken.

Emissionsminderungen im Getreideanbau können durch bessere Produktionstechniken, verbessertes Nährstoff- und Düngemanagement, durchdachte Bodenbearbeitung und Rückstandsverwertung sowie Ausbau der Agroforstwirtschaft erreicht werden. Im Bereich der Viehhaltung sind beispielsweise eine optimierte Ernährung und der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln möglich (wodurch bei der Verdauung weniger Methan entsteht). Die Emissionsintensität ist je nach Sektor unterschiedlich. Zwischen den 1960er- und den 2000er-Jahren nahm sie bei Getreide um 45 Prozent zu, ging aber bei Milch um 38 Prozent, bei Reis um 50 Prozent, bei Schweinefleisch um 45 Prozent, bei Hühnerfleisch um 76 Prozent und bei Eiern um 57 Prozent zurück.

Zur Minderung des Treibhausgasausstoßes ist es in der gesamten Weltwirtschaft eine wichtige Strategie, die Nutzung fossiler Brennstoffe zur Energieerzeugung zu verringern – eine Möglichkeit ist dabei der Ersatz durch feste, flüssige oder gasförmige Brennstoffe aus Biomasse. Auf diese Weise können die Gesamtemissionen deutlich sinken, sofern die Anbauflächen für Energiepflanzen klimaschonend bewirtschaftet und keine Ökosysteme zerstört werden, die viel Kohlenstoff speichern (Wälder, Grünland, Moore).

Die Erzeugung von Biomasse zur energetischen Verwertung lässt sich in die Lebensmittelproduktion integrieren, etwa durch Fruchtwechsel oder die Nutzung von Nebenprodukten und Rückständen. Bei nachhaltiger Umsetzung können höhere Lebensmittel- und Energieerträge erzielt und so Flächenkonkurrenzen entschärft werden.

Trotzdem bleibt das Risiko eines zunehmenden Wettstreits um Böden, Wasser und andere Ressourcen. Klimaschutz kann so in Konflikt mit anderen wichtigen Zielen wie Ernährungssicherheit und Artenvielfalt geraten. In einem Szenario mit großangelegter Nutzung von Bioenergie und strengem Waldschutz könnten die Lebensmittelpreise bis 2100 in Afrika um 82 Prozent, in Lateinamerika um 73 Prozent und im pazifischen Teil Asiens um 52 Prozent steigen (gegenüber einem Szenario ohne Bioenergie und ohne Waldschutz).

Nachfrageseitige Möglichkeiten

Eine sinkende Nachfrage nach Lebensmitteln könnte die Treibhausgasemissionen deutlich beeinflussen. So ließe sich in den Erzeugungsketten und beim Endverbraucher von Lebensmitteln darauf achten, dass weniger verlorengeht oder weggeworfen wird. Hilfreich wäre ebenso, wenn vermehrt emissionsarme Lebensmittel verzehrt würden (z. B. pflanzliche statt tierische) und ganz generell in Regionen mit verschwenderischem Konsum der Verbrauch sänke. 

Groben Schätzungen zufolge gehen rund 30 bis 40 Prozent aller produzierten Lebensmittel zwischen Ernte und Verbrauch verloren. In den Entwicklungsländern betragen die Verluste auf den Farmen oder im Vertrieb wegen schlechter Lager- und Transportmöglichkeiten bis zu 40 Prozent. Zwar sind diese Verluste in den Industrieländern geringer, doch werden dort bedeutende Mengen von den Endverbrauchern, bei der Verarbeitung oder im Handel verschwendet.

Die Entwicklungsländer könnten mit Investitionen in Ernte-, Verarbeitungs- und Lagertechnologien gegensteuern. In den Industrienationen wären Aufklärung, Besteuerung und andere Anreize zur Verringerung der Verluste bei Handel und Konsumenten hilfreich.

Veränderungen in der Ernährungsweise würden sich ebenfalls stark auf die künftigen Treibhausgasemissionen der Lebensmittelproduktion auswirken. Einigen Studien zufolge könnte sich der Ausstoß etwa von Methan und Lachgas (Distickstoffmonoxid) bis 2055 verdreifachen, wenn sich die heutigen Trends bei Ernährung und Bevölkerungswachstum fortsetzen. Das Klimaschutzpotenzial von Verbrauchsänderungen kann wesentlich größer sein als das Potenzial technischer Maßnahmen.

Regionale Perspektiven

Zwei Beispiele besonderer Verwundbarkeit:

Afrika

Für das Afrika südlich der Sahara wird erwartet, dass der Klimawandel die Flächenproduktivität bis 2080 um 14 bis 27 Prozent verringert. Steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster werden sehr wahrscheinlich den Getreideanbau und damit die Ernährungssicherheit stark beeinträchtigen. Beim Umgang mit Risiken, die aus dem heutigen Niveau klimatischer Schwankungen und dem kurzfristigen Klimawandel resultieren, sind Fortschritte erzielt worden. Doch alle bisherigen Maßnahmen werden nicht genügen, um langfristig den Folgen des Klimawandels zu begegnen.

Er wird vermehrt bereits bestehende existenzielle Gefährdungen wie den mangelnden Zugang zu sicherem Wasser, Lebensmitteln, sanitären Anlagen, Gesundheitsdienstleistungen und Bildung verschärfen.

Asien

Der Kontinent mit den höchsten agrarbedingten Treibhausgasemissionen ist Asien. Auch dort wird der Klimawandel die landwirtschaftliche Produktivität verringern, für Südostasien werden bis 2080 Rückgänge zwischen 18 und 32 Prozent erwartet.

Auch in anderen Gebieten werden die Erträge der wichtigsten Kulturpflanzen wie Reis zurückgehen. Dürren im westlichen Turkmenistan und Usbekistan könnten dazu führen, dass die Baumwollproduktion sinkt, die Wassernachfrage für die Bewässerung steigt und die Wüstenbildung voranschreitet. Im Norden und Osten Kasachstans könnte die Getreideproduktion von längeren Vegetationsperioden, wärmeren Wintern und leicht zunehmenden Winterniederschlägen profitieren.

Für die meisten Teile Asiens sind die Projektionen der künftigen Niederschlagsentwicklung unsicher, doch Bevölkerungswachstum, zunehmender Pro-Kopf-Verbrauch und schlechtes Wassermanagement werden in den meisten Regionen die Wasserknappheit verschärfen.

Fazit

Maßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Bioenergie könnten 20 bis 60 Prozent der Emissionsminderungen erbringen, die bis 2030 zum Einhalten des Zwei-Grad-Limit erforderlich sind.

Insgesamt wird infolge des Klimawandels mit einer geringeren Lebensmittelproduktion und Ernteeinbußen bei den wichtigsten Kulturpflanzen gerechnet – bei einem gleichzeitigem Nachfrageanstieg, der laut Projektionen bis 2050 jedes Jahrzehnt 14 Prozent betragen wird. Wenn es keine Anpassungsmaßnahmen gibt, ist schon bei einer lokalen Erwärmung von bis zu 2 °C in den gemäßigten Regionen ein Rückgang der durchschnittlichen Erträge der wichtigsten Kulturpflanzen (beispielsweise Weizen, Reis und Mais) zu erwarten.

Der Klimawandel dürfte zu einem erhöhten Druck auf Süßwasserressourcen führen, zu stärker schwankenden Preisen und volatilen Märkten, zu weiteren Ernteverlusten durch Unkraut und Schädlinge sowie zu bedeutenden Verlusten von Ökosystemen (und der Dienstleistungen, die sie erbringen).

Auf dem UN-Klimagipfel im Jahr 2010 einigten sich die Regierungen darauf, die durchschnittliche weltweite Erwärmung auf höchstens 2 °C gegenüber vorindustriellem Niveau zu begrenzen. Dafür muss der Ausstoß von Treibhausgasen stark sinken. Der Agrarsektor birgt ein enormes Potenzial für Emissionsminderungen. Eine Kombination aus Maßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Bioenergie könnte 20 bis 60 Prozent der Emissionsminderungen erbringen, die insgesamt bis 2030 erforderlich sind, um die Gesellschaft auf einen Entwicklungspfad in Richtung des Zwei-Grad-Limits zu bringen.

Und betrachtet man die Einschnitte beim Treibhausgasausstoß, die insgesamt bis 2100 notwendig sind, so könnten Maßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Bioenergie immerhin noch 15 bis 45 Prozent beitragen. Bei Maßnahmen zur Emissionssenkung und Klimaanpassung ist große Sorgfalt angebracht, weil es zahlreiche Hürden gibt – und die Gefahr besteht, dass Fortschritte beim Klimaschutz auf Kosten anderer Nachhaltigkeitsziele (etwa der Ernährungssicherheit) gehen könnten.

Der Kampf gegen Hunger und Unterernährung wird in vielen Entwicklungsländern die Pro-KopfNachfrage nach Lebensmitteln erhöhen. Zudem brauchen infolge des Bevölkerungswachstums immer mehr Menschen eine sichere, reichhaltige Ernährung. Für eine nachhaltige Entwicklung ist es somit unerlässlich, dass die Nettoproduktion von Lebensmitteln erhöht wird. Dies zu erreichen, wenn zeitgleich rasche Emissionssenkungen nötig sind, ist eine anspruchsvolle Aufgabe.

Zwar behandelt dieser Bericht – wie auch bei IPCC-Berichten üblich – die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel getrennt von den Möglichkeiten zur Emissionsminderung. Doch der Agrarsektor kann beide Ziele gleichzeitig angehen. Wie der AR5 zeigt, dürften zum Beispiel bei einer Erderwärmung um 3 °C oder mehr (die bei ungebremstem Wachstum des Treibhausgasausstoßes bis Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich ist) die Anpassungsmöglichkeiten der Landwirtschaft in äquatornahen Regionen nicht mehr ausreichen.

Es ist folglich im eigenen Interesse des Agrarsektors, ehrgeizige Emissionsminderungen umzusetzen, damit wichtige Temperaturschwellen nicht überschritten werden. Parallel dazu müssen die Fähigkeiten gestärkt werden, sich der unvermeidlichen Erwärmung und den damit verbundenen Klimaereignissen anzupassen.