Ist vielleicht etwas anderes als der Mensch die Ursache?

Behauptung: „Es gibt viele mögliche Gründe für die derzeitige Erderwärmung“

Behauptung: Das Klima hat sich immer schon geändert, lange bevor es den Menschen gab. Daher muss es andere Faktoren geben, die die derzeitige Erwärmung verursachen. Kohlendioxid wird von der Wissenschaft als Ursache für den Klimawandel vorgeschoben, weil sie andere Faktoren wie Veränderungen der Sonnenaktivität  oder der kosmischen Strahlung bisher nicht versteht.  

Fakt ist: Nur menschengemachte Emissionen von Treibhausgasen, etwa aus der Verbrennung fossiler Energieträger, können den derzeitigen Klimawandel erklären

Antwort: 

Es gibt tatsächlich viele Faktoren, die Auswirkungen auf das globale Klima und das Klima in der Vergangenheit beeinflusst haben, z.B. die Sonne, Vulkane oder die Erdumlaufbahn. Schaut man sich jedoch das Muster der gegenwärtigen Erderwärmung genau an, deutet alles auf menschengemachte Treibhausgase als Ursache hin. Jedenfalls kann – basierend auf dem derzeitigen Wissen über die physikalischen Prozesse im Klimasystem der Erde – kein anderer Faktor den Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte erklären.

Das Klima der Erde hat sich in der Vergangenheit schon oft und auch sehr stark verändert. Und es gibt viele Faktoren, die das Klima zu verschiedenen Zeiten beeinflusst haben. Doch schließt die Tatsache, dass es natürliche Klimaänderungen gab und weiterhin geben kann, keinesfalls die Möglichkeit aus, dass ein nicht-natürlicher Anstieg der Treibhausgasemissionen das Klima ebenfalls verändern kann. Aus dem Auftreten natürlicher Waldbrände lässt sich ja auch nicht schließen, dass es nicht auch Waldbrände gibt, die von Brandstiftern gelegt, also vom Menschen verursacht wurden.

Es gibt etliche Gründe, weshalb es sehr wahrscheinlich ist, dass die derzeitige Erderwärmung (d.h. in den letzten 50 Jahren) vorwiegend auf menschengemachte Emissionen von Treibhausgasen zurückzuführen ist:

  • Alle bekannten natürlichen Faktoren, die das Klima beeinflussen, wirken entweder über viel längere Zeiträume (z.B. die Verschiebung der Kontinente über Millionen von Jahren oder Unregelmäßigkeiten in der Umlaufbahn der Erde in Zig-Tausend-Jahres-Zyklen), oder sie haben sich innerhalb der vergangenen Jahrzehnte nicht signifikant verändert (Strahlungsintensität der Sonne, kosmische Strahlung, vulkanische Aktivitäten). Es ist jedenfalls bisher kein natürlicher Klimafaktor bekannt, dessen Entwicklung in der jüngsten Vergangenheit die derzeit beobachtete Erderwärmung mit bekannten Prozessen erklären könnte.
  • Klimamodellierungen der jüngeren Klimavergangenheit können nur dann die aktuelle Erwärmung nachbilden, wenn der anthropogene Treibhauseffekt in die Kalkulation einbezogen wird. Die natürlichen Faktoren allein hätten zu einer geringfügigen globalen Abkühlung über die letzten Jahrzehnte geführt (Ammann 2007).
  • Die beobachteten Temperaturveränderungen in der Atmosphäre ähneln jenen, die bei einem verstärkten Treibhauseffekt zu erwarten wären: So erwärmt sich zur Zeit die unterste Atmosphärenschicht (bis ca. zehn Kilometern Höhe) bei gleichzeitiger Abkühlung der oberen Atmosphärenschichten (über zehn Kilometern Höhe). Eine verstärkte Sonneneinstrahlung würde hingegen eine Erwärmung aller Atmosphärenschichten bewirken. In den letzten Jahrzehnten war die Erwärmung während der Nacht stärker als während des Tages, während eine erhöhte Sonnenstrahlung logischerweise vor allem zu einer Erwärmung tagsüber führen müsste (z.B. Meehl 2003).
  • Direkte Strahlungsmessungen zeigen eine Zunahme der von der Erde ausgehenden langwelligen Wärmestrahlung (Harries 2001) und einen Anstieg der langwelligen Strahlung, die bei klarem Himmel aus der Atmosphäre auf die Erde einfällt und nur von Treibhausgasen stammen kann, da die Sonnenstrahlung kurzwellig ist (Stephens et al. 2012) – beides kann nur mit dem Treibhauseffekt erklärt werden.

Darüber hinaus wurde noch nie ein Grund dafür angegeben, weshalb ein beachtlicher Anstieg der Treibhausgaskonzentration nicht zu einer Erwärmung in der unteren Atmosphäre führen sollte – was, nebenbei gesagt, auch im Widerspruch stünde zum allgemein bekannten physikalischen Wissen und unzähligen wissenschaftlichen Experimenten. 

Dementsprechend fasst der IPCC in seinem Fünften Sachstandsbericht von 2013/14 (WG I, SPM, Abschnitt D.3) den aktuellen Stand der Forschung mit sehr klaren Worten zusammen:

"Es ist äußerst wahrscheinlich [d.h. zu 95-100 Prozent sicher], dass der menschliche Einfluss die Hauptursache der beobachteten Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts war."

Urs Neu/klimafakten.de, Oktober 2011;
zuletzt aktualisiert: September 2014