Zusammenfassung:

Die Ernährung ist für ungefähr ein Drittel des menschengemachten Ausstoßes von Treibhausgasen weltweit verantwortlich. Sie ist also eine zentrale Stellschraube, wenn es darum geht, Emissionen zu reduzieren. Besonders viel Kohlendioxid, Methan und Lachgas werden durch tierische Produkte und insbesondere Fleisch verursacht – hier anzusetzen, hat also eine besonders große Wirkung.

Um etwa den Fleischkonsum zu reduzieren, sind keine neuen Technologien nötig; die Umstellung kann theoretisch sofort beginnen. Weniger Fleisch- oder Fleischprodukte zu konsumieren, hätte nicht nur Vorteile fürs Klima, sondern wäre auch förderlich für Naturschutz, Artenvielfalt und die menschliche Gesundheit.

Um zu Veränderungen bei der Ernährung vor allem in westlichen Gesellschaften anzuregen, gibt es viele Ideen – in der Forschung wird zum Beispiel eine Steuer auf Fleisch (bei gleichzeitigen Entlastungen an anderer Stelle) oder generell auf den Ausstoß von Treibhausgasen diskutiert.

 

Diskussionen rund um die Ernährung werden oft emotional geführt. Viele Menschen fühlen sich angegriffen, wenn man ihre Essgewohnheiten thematisiert. Doch jenseits aller Ratschläge hat die Forschung zahlreiche Fakten zu den Folgen der Ernährung fürs Klima zusammengetragen: Wie viele Emissionen verursacht die Herstellung von Fleisch, Fleischprodukten und anderen tierischen Nahrungsmitteln eigentlich? Wie viel würde eine Reduzierung einsparen? Und wie sähe eine klimafreundliche, gesunde und nachhaltige Ernährung aus? Antworten dazu aus der Wissenschaft

 

Der Ernährungssektor insgesamt ist für einen großen Teil der menschengemachten Emissionen an Treibhausgasen verantwortlich. Die Zahl liegt bei etwa einem Drittel – im Detail hängt es davon ab, welche Emissionen man mitrechnet. Entscheidend ist auch, welche Treibhausgase auf welche Weise bei der Bilanzierung berücksichtigt werden: Im Ernährungssektor spielt nicht nur Kohlendioxid eine Rolle, sondern in erheblichem Maße auch Methan und Lachgas, die in der Atmosphäre besonders stark aufheizend wirken.

Treibhausgase, die nicht Kohlendioxid sind, werden in der Forschung und für die Klimapolitik üblicherweise in CO2-Äquivalente (CO2-Äq) umgerechnet – es wird also kalkuliert, welche Menge an CO2-Emissionen die gleiche Klimawirkung hätte wie beispielsweise eine Tonne ausgestoßenes Lachgas. Über einen Zeitraum von hundert Jahren betrachtet, wie es meist üblich ist, wirkt zum Beispiel Lachgas rund 300-mal und Methan rund 25-mal so klimaschädlich wie CO2. Eine Tonne ausgestoßenes Lachgas fließt deshalb in die offiziellen Treibhausgasbilanzen als 300 Tonnen CO2-Äq ein, jede Tonne emittiertes Methan als 25 Tonnen CO2-Äq usw. (hierzu genauer Abschnitt 3)

Die größten Quellen von Treibhausgasen im Ernährungssektor sind Tierhaltung und Pflanzenanbau sowie allgemein die Veränderung der Landnutzung, hat der IPCC in seinem Sechsten Sachstandsbericht von 2021/22 festgestellt (AR6, WG3, Kapitel 12.4.2). Bei der sogenannten Landnutzungsveränderung entstehen Emissionen unter anderem, weil CO2-Senken wie Wälder abgeholzt werden, um etwa Platz zu machen für Anbauflächen von Futterpflanzen – hierdurch wird in den Wäldern und in Böden gespeichertes Kohlendioxid freigesetzt. Direkt beim Pflanzenbau sorgt beispielsweise der Einsatz von Kunstdünger für Emissionen, etwa von Ammoniak, aus dem wiederum Lachgas entsteht. Emissionsintensiv ist außerdem der traditionelle Nassfeldanbau von Reis, dabei geraten große Mengen Methan in die Atmosphäre; der Reisanbau ist die zweitgrößte, landwirtschaftliche Methanquelle neben der Tierhaltung (IPCC 2022, AR6, WG3, Kapitel 7.2.3.1).

Der Weltklimarat IPCC gibt im Sechsten Sachstandsbericht an: 23 bis 42 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen durch menschliche Aktivitäten hängen mit dem Ernährungssystem zusammen. Die Emissionen im Ernährungsbereich nehmen zu: 1990 hat Ernährung 14 Gigatonnen (Gt, also Milliarden Tonnen) CO2-Äquivalente verursacht, 2018 bereits 17 Gt (AR6, WG3, Kapitel 12, Executive Summary).

Die menschliche Ernährung hat übrigens nicht nur große Auswirkungen auf die Treibhausgas-Emissionen. Auch 70 Prozent der weltweiten Trinkwassernutzung entfallen auf die Nahrungsmittelproduktion sowie 78 Prozent der Trinkwasserverschmutzung. Die Landnutzung durch Landwirtschaft ist zudem ein zentraler Grund für den weltweit dramatisch voranschreitenden Verlust von Artenvielfalt, vor allem die Abholzung von Wäldern (Scarborough et al. 2023).

Die Herstellung von tierischen Produkten, also auch Fleisch, ist besonders ressourcenintensiv. Eine Studie, die 2021 im Fachjournal Nature Foods erschien, hat errechnet: 57 Prozent der Emissionen im Ernährungsbereich sind auf tierische Produkte zurückzuführen. Klammert man Milch und Eier aus, macht Fleisch immer noch fast die Hälfte der Ernährungsemissionen aus (Xu et al. 2021).

Eine andere Studie, die 2018 in Science erschien, kam zu einem fast identischen Ergebnis: Für 56 bis 58 Prozent des Treibhausgas-Ausstoßes der Landwirtschaft seien tierische Produkte verantwortlich – dabei lieferten sie lediglich 37 Prozent der Proteinzufuhr und 18 Prozent der Kalorien (Poore/Nemecek 2018).

Wie in Abschnitt 1 erwähnt, wird Methan – wie auch andere Treibhausgase jenseits von Kohlendioxid – in der Klimaforschung und für die Klimapolitik häufig in jene Menge CO2 umgerechnet, die eine vergleichbare Wirkung auf das Klima hat. Üblicherweise wird dabei eine einmalige Emission und deren Wirkung über die darauffolgenden hundert Jahre betrachtet (der Fachbegriff ist GWP100, das englische Kürzel für „global warming potential over 100 years“). Diese Umrechnungsweise hat auch die internationale Gemeinschaft in den 1990er Jahren in der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) festgelegt; sie hat sich seither als pragmatischer Ansatz in der internationalen Klimapolitik etabliert. GWP100 wird zum Beispiel bei den offiziellen Bilanzierungen der Emissionen von Staaten verwendet – und auch alle Daten in diesem Artikel basieren auf dieser Umrechnungsweise.

Eine generelle Vergleichbarkeit erreicht man durch dieses Vorgehen jedoch nur bei langlebigen Treibhausgasen, zum Beispiel Kohlendioxid und Lachgas. Methan hingegen, im Ernährungssektor eines der relevantesten Treibhausgase (siehe dazu Abschnitt 5), wird durch natürliche Prozesse relativ rasch wieder abgebaut. Es verbleibt im Durchschnitt nur etwa zwölf Jahre in der Atmosphäre (IPCC 2021, AR6, WG1, Kapitel 6.3.1). Wenn das kurzlebige Methan ausgestoßen wird, ist der tatsächliche Effekt fürs Klima deshalb ein deutlich anderer als bei Kohlendioxid: CO2 wirkt gleichmäßig über viele hundert Jahre; die Erhitzungswirkung von Methan hingegen ist direkt nach dem Zeitpunkt der Emission extrem hoch, nimmt dann aber rasch ab.

Neben der Umrechnungsweise gemäß GWP100 hat sich deshalb in der Klimaforschung seit längerem etabliert, auch die Klimawirkung über 20 Jahre zu betrachten (GWP20). Über diesen Zeitraum gerechnet wirkt eine Tonne Methan sogar rund 80-mal so aufheizend aufs Klima wie eine Tonne Kohlendioxid. In den vergangenen Jahren sind in der Wissenschaft noch weitere Umrechnungsmethoden entwickelt worden, eine wichtige mit dem Kürzel GWP*. Mit ihnen kann auch die Wirkung der Emissionsentwicklung im Verlauf der Zeit von kurzlebigen Treibhausgase realistisch mit CO2 verglichen werden (IPCC 2022, AR6, WG1, Kapitel 7.6.1.4); mit GWP100 ist dies höchstens in Spezialfällen möglich.

In der Fachwelt werden die verschiedenen Herangehensweisen und deren Folgen intensiv debattiert, denn die Implikationen für Klimaschutz und Klimapolitik sind – vor allem hinsichtlich Landwirtschaft und Ernährung wegen der dort besonders hohen Bedeutung von Methan – erheblich. Einen Überblick dazu gibt die Schweizer Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) in einem aktuellen Bericht (Neu 2022): Wenn es um Emissionsszenarien für die nächsten Jahrzehnte und das Erreichen von Klimazielen für 2050 geht, so das Fazit, ergebe sich bei „Verwendung von GWP100 als Metrik … kein adäquates Bild“, denn mit ihr werde „die Klimawirkung von Methan kurzfristig (nächste Jahrzehnte) stark unterschätzt, längerfristig jedoch überschätzt“.

Berücksichtigt man nämlich die unterschiedliche Lebensdauer der einzelnen Treibhausgase, ergeben sich überraschende Effekte: Weil Methan relativ schnell wieder zersetzt wird, können sich Emission und natürlicher Abbau quasi einpendeln. Bleibt der Ausstoß von Methan über längere Zeit konstant, bleibt auch dessen Klimawirkung nahezu konstant – eben weil dann praktisch genauso viel des Gases natürlich abgebaut wie emittiert wird. Um eine weitere Erderhitzung zu vermeiden, müsste man daher bei Methan den Ausstoß nur um etwa 0,3 Prozent pro Jahr senken – und vor allem dafür sorgen, dass die Emissionen nicht (wie in den letzten Jahren) drastisch steigen (für weitere Details siehe dieses F&A der Schweizer Akademie der Naturwissenschaften).

Ganz anders ist es bekanntlich bei Kohlendioxid: Weil es ein sehr langlebiges Treibhausgas ist, erhöht erhöht jede einzelne emittierte Tonne für Jahrhunderte die Konzentration des Gases in der Atmosphäre und wirkt so dauerhaft erwärmend. Daher reicht bei CO2, um einen weiteren Temperaturanstieg zu verhindern, nicht ein Stopp des Emissionsanstiegs oder eine Senkung der Emissionen – bei Kohlendioxid müssen die Emissionen auf (Netto)Null sinken, um eine weitere Erderhitzung zu vermeiden. Um die Temperatur wieder zu senken, muss CO2 wieder aus der Atmosphäre entfernt werden (durch Aufforstung, Wiedervernässung von Mooren oder technische Maßnahmen wie DACCS – dazu ausführlicher im Klimafakten-Text zu CCS, Abschnitt 3). Anders ausgedrückt: Eine einmalige Emission von Kohlendioxid hat denselben Erwärmungseffekt wie eine stete Emission von Methan – und umgekehrt: Eine dauerhafte, stabile Freisetzung von Methan ist fürs Klima fast dasselbe wie eine einmalige Emission von Kohlendioxid. Und wenn man den Ausstoß von Methan um mehr als 0,3 Prozent pro Jahr mindert, wirkt das wie eine Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre.

Für die praktische Klimapolitik bedeutet dies zweierlei, erklärt der oben zitierte SCNAT-Bericht:

„Die Senkung der Emissionsrate von Methan ist ein wichtiges und kurzfristig hochwirksames Mittel für die Einhaltung von Temperaturzielen (1,5 oder 2 °C).“

Den Methanausstoß (zum Beispiel im Ernährungssektor) zu mindern, könne sehr stark dabei helfen, die Erderhitzung in den kommenden Jahrzehnten zu bremsen und das baldige Überschreiten bestimmter Temperaturschwellen zu verhindern – und vielleicht auch etwas Zeit zu gewinnen, bis weitere Maßnahmen zur Minderung des CO2-Ausstoßes zu wirken beginnen.

Langfristig hingegen, erläutert der SCNAT-Bericht, ist es für das Erreichen von Klimazielen und das Stabilisieren der Erdtemperatur nicht unbedingt nötig, den Methanausstoß auf (Netto)Null zu bringen – anders als bei Kohlendioxid. So sehen die Emissionsszenarien des IPCC, welche die Einhaltung der Klimaziele erlauben, bei Methan eine rasche Reduktion der Emissionen um zwischen 35 und 70 Prozent in den nächsten beiden Jahrzehnten vor und danach nur noch ein leichtes Absinken. Salopp gesagt: Eine gewisse Menge an Methan-Emissionen (und damit auch von Fleisch und anderen tierischen Lebensmitteln) kann man sich nach 2050 also auch bei ansonsten strengem Klimaschutz leisten. (Hingegen müssten die Methan-Emissionen, die bei Gewinnung, Transport und Lagerung fossiler Brennstoffe wie Erdgas oder Kohle entstehen, vollständig vermieden werden.)

Weltweit wurden 2020 rund 337 Mio. Tonnen Fleisch produziert, so eine Schätzung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), das sind 45 Prozent mehr als im Jahr 2000. Darunter fällt nicht nur das Fleisch, das von Menschen selbst gegessen, sondern auch, was für andere Bereiche verwendet wird, beispielsweise als Tierfutter. Weltweit werden für die Herstellung von Fleisch und Fleischprodukten jeden Tag schätzungsweise 202 Millionen Hühner, 3,8 Millionen Schweine und 900.000 Rinder geschlachtet.

Wie viel Fleisch ein Mensch verzehrt, unterscheidet sich je nach Land stark – in Australien sind es jährlich 120 Kilogramm pro Kopf, in Indien lediglich 4,5 Kilo. Der globale Schnitt lag 2014 bei 43 Kilo, diese Zahl ist ebenso wie die insgesamt produzierte Menge an Fleisch in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen.

Grafik: OurWorldInData.org/meat-production

In Deutschland ist der Trend ein anderer – hier sank der Fleischkonsum in den vergangenen Jahren deutlich. 2022 wurden nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung 4,4 Mio. Tonnen Fleisch konsumiert, das sind 52 Kilogramm pro Einwohner. Vor 15 Jahren waren es noch 62,4 Kilo pro Kopf, also rund 20 Prozent mehr als heute.

Grafik: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) 2023

In Österreich liegt der Konsum laut der dortigen Bundesanstalt Statistik bei rund 59 Kilo pro Person (insgesamt 2021: 0,8 Mio. Tonnen), auch dort ist die Tendenz sinkend. Für die Schweiz bezifferte das Berner Bundesamt für Landwirtschaft den Pro-Kopf-Konsum auf knapp 52 Kilogramm (insgesamt 2021: 0,45 Mio. Tonnen), hier ist der Wert gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen.

Emissionen fallen auf mehrere Weisen an: bei der Tierhaltung selbst, bei der Weiterverarbeitung etwa von Fleisch und indirekt durch die veränderte Landnutzung und den Einsatz von Düngern. Im landwirtschaftlichen Bereich sind laut IPCC (AR6, WG3, Kapitel 12, Tabelle 12.7) mehr als die Hälfte der Emissionen nicht Kohlendioxid, sondern andere Treibhausgase – vor allem Methan, aber auch N2O (Lachgas). In der EU entfällt nach Angaben der Europäischen Umweltagentur (EEA) fast die Hälfte des landwirtschaftlichen Treibhausgas-Ausstoßes auf Methan, das Wiederkäuer (vor allem Rinder, aber auch Schafe und Ziegen) verursachen; weitere rund zehn Prozent der Emissionen stammen aus der Nutzung von Gülle und anderen Fäkalien.

Bei der Weiterverarbeitung tierischer Lebensmittel werden Emissionen vor allem wegen der benötigten Energie verursacht – Strom für die Produktion, für Wärme und Kühlung, aber auch den Transport. Gerade in der Fleischindustrie macht der Transport aber lediglich einen kleinen Teil der Gesamtemissionen aus. (Nur bei wenigen Lebensmitteln hat der Transport einen erheblichen Anteil an der Klimabilanz – nämlich wenn Anbau bzw. Produktion wenig Emissionen verursacht, die Produkte aber über eine weite Strecke transportiert werden. Bei Bananen beispielsweise stammen über 40 Prozent der Gesamtemissionen aus dem Transport; besonders klimaschädlich ist der Transport etwa von Erdbeeren per Flugzeug.) Schließlich tragen auch Verpackung und Entsorgung – der Verpackungen, von Abwasser und Lebensmittelresten – merklich zu den Gesamtemissionen bei (IPCC AR6, WG3, Kapitel 12.4.2.1).

Auch beim Anbau von Futter für die Tiermast werden erhebliche Emissionen verursacht – laut Welternährungsorganisation FAO macht dies allein 7,1 Gt CO2-Äq jährlich aus. Ein relevanter Punkt ist hier die Herstellung von Ammoniak, das für Kunstdünger benötigt wird. Etwa die Hälfte der Futteremissionen entsteht durch die Düngung der Futterpflanzen und das Ausbringen von Gülle. Durch den oft übermäßigen Einsatz von stickstoffhaltigem Kunstdünger werden erhebliche und seit Jahren zunehmende Mengen an Lachgas verursacht (Thompson et al. 2019). Ein weiterer erheblicher Teil der tiermast-bedingten Emissionen stammt aus fossilem Kraftstoff, mit dem Landmaschinen betrieben werden. Schließlich die schon erwähnte Landnutzungsänderung – konkret das Abholzen von Bäumen, die Futterpflanzen weichen. Besonders hohe Emissionen fallen also bei der Massentierhaltung in Ställen und mit Futterpflanzen wie Soja an; umgekehrt sind Tiere, die zum größten Teil auf Weideland leben, erheblich weniger klimaschädlich. Selbst bei Einhaltung strenger Klimaziele kann deshalb – unter bestimmten Bedingungen – auch weiterhin eine gewisse Menge an Fleisch und Milchprodukten hergestellt und konsumiert werden (siehe dazu Abschnitt 11).

Grundsätzlich verursachen tierische Lebensmittel deutlich mehr Emissionen als pflanzliche, der IPCC hat dies in seinem Sechsten Sachstandsbericht sehr übersichtlich in einer Grafik dargestellt (siehe unten). Zum Beispiel fallen bei der Produktion von 100 Gramm Protein in Rindfleisch im Mittel 45 Kilo CO2-Äquivalente an (je nach Haltungsart kann es auch noch viel mehr sein), hingegen sind es bei 100 Gramm Protein in Tofu bloß ca. 2 Kilo.

Die Grafik zeigt, wie viele Treibhausgase bei der Produktion des jeweiligen Lebensmittels verursacht werden. Für eine bessere Vergleichbarkeit sind jeweils die Emissionen (in Kilogramm CO2-Äquivalente) für je 100 Gramm Protein eines bestimmten Lebensmittels dargestellt. Teilweise variieren die Emissionen je nach Produktionsweise und -ort stark, weshalb die Spannbreite (Länge der blauen Balken) teils sehr hoch ist; der schwarze Strich zeigt jeweils den Mittelwert. Die verwendeten Daten basieren auf einer Umrechnung der verschiedenen Treibhausgase gemäß GWP100, – dadurch wird aber, wie in Abschnitt 3 erläutert, die kurzfristige Klimawirkung von Methan deutlich unterschätzt. Bei anderen Betrachtungsmethoden würden vor allem Rindfleisch (beef), Milch und Milchprodukte noch schlechter abschneiden; Quelle: IPCC 2022, AR6, WG3, Kapitel 12, Grafik 12.6

Theoretisch wäre eine Umstellung auf eine klimafreundlichere Ernährung nicht schwierig. Neue Technologien sind nicht nötig – alles, was gebraucht wird, ist bereits vorhanden. Dabei geht es nicht unbedingt um den Wechsel auf eine komplett vegetarische oder gar vegane Ernährung, sondern es hat bereits einen erheblichen Effekt, tierische Produkte zu reduzieren und deutlich mehr pflanzliche Produkte zu konsumieren. Der Weltklimarat geht davon aus, dass eine Umstellung auf eine nachhaltige (und übrigens auch für den Menschen selbst gesündere) Ernährung weltweit erhebliche Mengen an Treibhausgasen vermeiden könnte – in seinem Sonderbericht zu Klimawandel und Landnutzung von 2019 bezifferte er das Einsparpotenzial durch eine veränderte Nachfrage nach Nahrungsmitteln bis Mitte des Jahrhunderts auf 0,7 bis 8 Gt CO2-Äquivalente pro Jahr (SRCCL, Kapitel 5, Executive Summary). Bei den globalen Gesamtemissionen von derzeit etwa 40 Gt CO2-Äquivalenten entspricht dies also bis zu einem Fünftel des menschengemachten Treibhausgas-Ausstoßes.

Wieviel unterschiedliche Stufen einer Reduzierung des Fleischkonsums fürs Klima bringen würden, hat eine britische Studie berechnet – und dabei sogar zwischen den verschiedenen Treibhausgasen differenziert. Wer viel Fleisch oder Fleischprodukte isst (mehr als 100 Gramm pro Tag), verursacht täglich 7,28 Kilogramm CO2. Zwar spart eine vegane Ernährung am meisten CO2 ein – bei ihr werden lediglich 2,16 kg täglich verursacht. Aber bereits durch ein Verringern der täglichen Fleischportion auf 50 Gramm oder weniger, kann man die Emissionen fast halbieren (eine fleischarme Ernährung verursacht demnach noch 4,21 Kilo CO2.) Beim Methanausstoß ist der Effekt noch deutlicher: Wer viel Fleisch isst, verursacht 15-mal so viel von diesem besonders klimaschädlichen Treibhausgas wie ein Veganer, gut dreieinhalb Mal so viel wie ein Vegetarier und immer noch mehr als doppelt so viel wie jemand mit geringem Fleischkonsum. Auch der Verbrauch von Land und Frischwasser sowie der Schaden für die Artenvielfalt lässt sich deutlich senken, wenn man weniger Fleisch isst (Scarborough et al. 2023).

In Deutschland hat die Ernährung im Jahr 2010 insgesamt etwa 60 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente verursacht, das waren knapp ein Zehntel der deutschen Gesamtemissionen. Etwa 60 Prozent der Emissionen aus dem Ernährungssektor stammten von tierischen Produkten. Der Ernährungs- und Gesundheitsforscher Marco Springmann von der Universität Oxford hat für das Umweltbundesamt (UBA) ausgerechnet: Würden sich die Deutschen stärker pflanzenbasiert ernähren und tierische Produkte deutlich reduzieren, könnte das jährlich 40-52 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente einsparen, also 63 bis 81 Prozent der ernährungsbedingten Emissionen (UBA/Springmann 2023).

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), der seit mehr als 50 Jahren die Bundesregierung wissenschaftlich berät und inhaltlich unabhängig arbeitet, hat sich in einem Gutachten von 2023 unter anderem mit den Folgen des Fleischkonsums beschäftigt (und Empfehlungen abgegeben, wie sich dieser beeinflussen ließe – dazu siehe Punkt 8). Demnach unterscheiden sich die jährlichen Emissionen aller Treibhausgase bei den verschiedenen Ernährungsstilen erheblich: Wer sich „omnivor“ ernährt, also Fleisch und Wurst, Fisch und Milch und Molkereiprodukte konsumiert, verursacht pro Jahr 1,75 Tonnen CO2-Äquivalente, ein Vegetarier mit 1,19 Tonnen nur rund zwei Drittel davon und ein Veganer (0,81 Tonnen pro Kopf und Jahr) sogar weniger als die Hälfte (siehe Grafik).

Vergleich der Jahresemissionen an Treibhausgasen bei verschiedenen Ernährungsstilen in Deutschland (bei „vegan“ wurde ein kompletter Verzicht auf tierische Lebensmittel angenommen, bei „vegetarisch“ kein Verzehr von Fleisch oder Fisch, jedoch von 124,7 kg Milch und Molkereiprodukten pro Person und Jahr, bei „omnivor“, also „Mischkost“ außerdem noch von 57,1 kg Fleisch und Wurst und 9,2 kg Fisch); Quelle: SRU 2023, Abbildung 5-1

Verglichen mit anderen Maßnahmen ist eine Ernährungsumstellung ein ziemlich wirksamer Weg, um Emissionen einzusparen – darauf hat eine Studie hingewiesen, die 2020 in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters erschien. Eine Umstellung auf vegane Ernährung spart demnach pro Jahr mehr Emissionen ein als beispielsweise der Verzicht auf einen mittellangen Flug (0,6 Tonnen) oder der Einbau einer Wärmepumpe (0,8 Tonnen jährlich). Das Senken des Fleischkonsums bringt auch deutlich mehr als etwa die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung, durch die sich lediglich rund 0,3 Tonnen pro Person und Jahr einsparen lassen (wobei zu einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen sicherlich beides gehört bzw. eigentlich alle in der Studie genannten Maßnahmen gleichzeitig). Wer von emissionsintensivem Fleisch (wie Rind) zu Fleisch mit geringeren Emissionen umsteigt (etwa Geflügel), vermeidet immerhin noch knapp 0,5 Tonnen. Und wer sich einfach nur nachhaltiger ernährt, nicht unbedingt vegan, senkt seine Emissionen trotzdem stärker als jemand, der weniger fliegt, Car-Sharing nutzt oder auf Haustiere verzichtet (Ivanova et al. 2020).

Wie in Abschnitt 3 erläutert, wird bei der üblichen Vergleichsmethode von Methan und Kohlendioxid die kurzfristige Klimawirkung von Methan deutlich unterschätzt. Betrachtet man die Folgen von Emissionen nicht für hundert Jahre, sondern für zwanzig (als den Zeitraum, in dem ungefähr die Klimaneutralität in Deutschland und anderen Industriestaaten erreicht werden soll), ist der Effekt von Methaneinsparungen noch viel größer. Eine wesentliche Reduktion ist zudem entscheidend für die Erreichung der weltweiten Klimaziele. In keinem der IPCC-Szenarien nämlich, in denen die Erderhitzung bis Ende des Jahrhunderts unter 2 °C oder gar 1,5 °C gehalten wird, können die Emissionen von Kohlendioxid allein rasch genug gesenkt werden – die Ziele sind nur noch in Kombination mit einer Reduktion der Methan-Emissionen um 35 bis 70 Prozent bis 2050 erreichbar (IPCC 2022, AR6, WG3, Kapitel 3.3.2.3).

Zusammenfassend kommt auch der SRU zu einer sehr deutlichen Bewertung:

„Die Frage, wie wir uns in Deutschland ernähren, hat einen erheblichen Einfluss darauf, ob die deutschen Umwelt- und Klimaziele erreicht werden. Hierfür ist es zwingend notwendig, das Ernährungsverhalten zu ändern und insbesondere den Konsum tierischer Produkte zu reduzieren.“

Ein Gutteil der Bevölkerung übrigens tut dies längst. So ist der Pro-Kopf-Konsum von Fleisch und Fleischprodukten seit Jahren rückläufig (siehe Punkt 4); und Verbraucherbefragungen belegen das steigende Interesse an pflanzlichen Alternativen. Der Anteil von Menschen in Deutschland, die (nach eigenen Angaben) täglich Fleisch oder Wurst essen, sank zwischen 2015 und 2023 von 34 Prozent auf 20 Prozent. Im Gegenzug verdoppelte sich der Anteil jener, die täglich vegetarische oder vegane Produkte konsumieren, zwischen 2020 und 2023 von fünf auf zehn Prozent (BMEL-Ernährungsreport 2023).

Ein Ernährungsstil, wie er in vielen wohlhabenden Ländern üblich ist, sorgt mit seinem großen Anteil an tierischen Produkten für besonders viele Emissionen – gleichzeitig ist er auch für die einzelnen Konsumentinnen und Konsumenten ungesund (siehe dazu auch Abschnitt 10). Die Forschung empfiehlt deshalb Ernährungsformen, die weniger Land und Wasser verbrauchen, für weniger Emissionen sorgen und die Empfehlungen für eine gesunde Ernährung besser einhalten.

Eine wissenschaftsbasierte, nachhaltige und gesunde Ernährung ist die sogenannte Planetary Health Diet der EAT-Lancet Kommission, gegründet von der Non-Profit-Organisation EAT, die sich mit globalen Ernährungssystemen beschäftigt, sowie dem renommierten Medizin-Fachjournal The Lancet und besetzt mit Forschenden etwa vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung PIK oder der Universität Harvard. Die Planetary Health Diet (zu Deutsch etwa: „Planetare Gesundheits-Diät“) wurde mit dem Gedanken entwickelt, alle Menschen auf der Welt auf nachhaltige Weise mit Nahrungsmitteln versorgen zu können – sie würde also zugleich weniger Emissionen und kein Hunger bedeuten. Eine Weltbevölkerung von rund zehn Milliarden Menschen könnte 2050 mit dieser Diät ernährt werden, schrieb die Kommission in ihrem Abschlussbericht (Willett et al. 2019).

Die Planetary Health Diet ist flexitarisch. Das heißt, der größte Teil der täglichen Kalorien stammt aus pflanzlichen Quellen, vor allem aus Gemüse, aber auch Nüssen, Hülsenfrüchten und Getreide. Tierische Produkte wie Eier, Milch, Fleisch und Fisch sind ebenfalls vorgesehen, allerdings deutlich reduzierter als in vielen wohlhabenden Ländern bislang üblich.

Aus der Forschung gab es aber auch Kritik an der Planetary Health Diet, etwa an der Methodik, die zu positive Effekte versprechet, was die reduzierte Sterblichkeit angeht, also die gesundheitlichen Vorzüge (Zagmutt et al. 2019). Eine andere Kritik lautete, der Anbau der Nüsse, die in der Ernährung vorgesehen sind, würde zu viel Wasser verbrauchen (Vanham et al. 2020). Trotzdem wird das Konzept häufig verwendet, um zu zeigen, wie sich eine nachhaltigere, gesündere Ernährung auf Umwelt und Klima auswirken würde – und bei der niemand auf der Welt hungern müsste. Ein Vorteil für vermutlich viele Menschen: Ein kompletter Verzicht auf tierische Produkte ist nicht vorgesehen, sondern nur die deutliche Reduzierung.

Bisher wurde und wird – im Lebensmittelsektor wie in vielen anderen Wirtschafts- und Lebensbereichen – häufig eher versucht, Treibhausgas-Emissionen auf der Produktionsseite einzusparen, beispielsweise durch bessere Technologien (Garnett 2016). Der IPCC geht allerdings in seiner Zusammenschau der weltweiten Forschung davon aus, dass Maßnahmen auf beiden Seiten – Produktion und Konsum – notwendig sind, um die Klimaziele zu erreichen. Zum ersten Mal überhaupt enthält deshalb der Sechste Sachstandsbericht von 2021/22 ein eigenes Kapitel dazu (Band 3, Kapitel 5), welche Möglichkeiten zu Emissionssenkungen es auf der Nachfrageseite gibt und welche sozialen bzw. gesellschaftlichen Aspekte hier relevant sind.

„Schnelle und tiefgreifende Veränderungen in der Nachfrage machen es in allen Sektoren leichter, den Ausstoß an Treibhausgasen kurz- und mittelfristig zu senken“,

schreibt der IPCC. Das Potenzial für Emissionsminderungen betrage allein im Ernährungsbereich acht Milliarden Tonnen CO2-Äq – mehr als in allen anderen Bereichen, die Verbraucher direkt beeinflussen können. Und der Wechsel zu einer pflanzenbasierten Ernährung zählt hier zu den drei wirksamsten Dingen überhaupt (AR6, WG3, TS.5.8). Und in dem Abschnitt des Reports, in dem es speziell um den Ernährungssektor geht und Möglichkeiten zur Veränderung, heißt es:

„Studien deuten darauf hin, dass ambitionierte Klimaziele leichter zu erreichen sind, wenn politische Maßnahmen gleichzeitig an der Angebots- und der Nachfrageseite ansetzen.“ (AR6, WG3, Kapitel 12.4.4)

Doch viele Menschen reagieren sehr sensibel, wenn sie das Gefühl haben, ihnen solle vorgeschrieben werden, was sie zu essen haben. Dies jedoch tut etwa der IPCC gar nicht. Hingegen wird intensiv dazu geforscht, wie gezielte Anreize aussehen und was sie bringen könnten, damit Menschen sich für eine nachhaltigere und gesündere Ernährung entscheiden. Bislang gibt es eher Anreize, sich klimaschädlich zu verhalten – und das müsse sich ändern, schreibt der Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung in einem Sondergutachten mit dem Titel „Politik in der Pflicht: Umweltfreundliches Verhalten erleichtern“ (SRU 2023).

Eine in der Forschung diskutierte Maßnahme ist, Fleisch deutlich teurer zu machen und so dafür zu sorgen, dass sich die mit der Fleischproduktion verbundenen Umwelt- und Klimaschäden stärker im Produktpreis widerspiegeln – über eine Fleischsteuer oder einen allgemeinen CO2-Preis auf emissionsintensive Produkte. Untersuchungen zeigen jedoch, dass moderate Preissteigerungen lediglich kleine Effekte haben; damit es sich erheblich aufs Ernährungsverhalten auswirkt, müsste der Preis eines Produkts um mindestens 20 Prozent steigen (IPCC 2021, AR6, WG3, Kapitel 12.4.4.1). Bei einem CO2-Preis von 52 US-Dollar pro Kilo könnte einer Studie zufolge weltweit eine Gt CO2-Äquivalente pro Jahr eingespart werden (Springmann et al. 2017). Als relativ einfach und schnell umzusetzende Maßnahme schlagen zahlreiche Autoren etwa für Deutschland vor, den derzeit ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Fleisch auf den regulären Satz zu erhöhen – dies entspräche einer Preiserhöhung um gut elf Prozent (SRU 2023, Kapitel 5.1.3).

Eine Preiserhöhung müsste allerdings von anderen Maßnahmen begleitet werden, um wirklich sinnvoll zu sein und soziale Aspekte zu berücksichtigen: Gäbe es beispielsweise nur eine zusätzliche Steuer auf Fleisch, könnten Verbraucher ihren Fleischkonsum schlicht durch Fisch ersetzen (Garnett 2016). Für Umwelt und Klima wäre es aber deutlich besser, Fleisch würde durch Gemüse und Hülsenfrüchte ersetzt. Zusätzlich zur Preiserhöhung für Fleisch könnte also der Zugang zu den nachhaltigsten Alternativen einfacher gemacht werden, oder pflanzliche Lebensmittel könnten im Gegenzug billiger verkauft werden, etwa durch eine Freistellung von der Mehrwertsteuer. Die Einnahmen aus der Preiserhöhung könnten außerdem dazu genutzt werden, ärmere Haushalte dabei zu unterstützen, ihre Ernährung umzustellen – denn Menschen mit geringen Einkommen würden bei Preiserhöhungen besonders stark getroffen (IPCC 2022, AR6, WG3, Kapitel 4.2.6.4; UBA/Springmann 2023, Klenert et al. 2023).

Ein erhöhter Steuersatz auf Fleisch, betont auch der SRU, sollte „unbedingt mit Ausgleichsmaßnahmen einhergehen, die Haushalte mit geringem Einkommen entlasten“. Das Gremium nennt in seinem Sondergutachten noch weitere Maßnahmen, mit denen die Politik klimaschonende Verhaltensänderungen fördern könnte, unter anderem bessere Bildungsangebote oder die Einschränkung von Werbung für Fleisch. Der SRU empfiehlt dringend, eine Vielzahl von Maßnahmen zu kombinieren – und kommt insgesamt zu einem positiven Fazit:

„Auch wenn der Fleischkonsum für einen Verhaltensbereich steht, der besonders stark durch Gewohnheiten, das soziale Umfeld und die kulturelle Prägung gekennzeichnet ist, erscheint es möglich, durch eine geschickte Kombination aus verschiedenen Instrumenten und einer bewussten Gestaltung im politischen Prozess umweltfreundliches Verhalten anzuregen, bereits begonnene Prozesse zu unterstützen und umweltfreundlichen Konsum zu erleichtern.“ (SRU 2023, Kapitel 5.1.5)

Auf der Produktionsseite könnte, etwa auf Ebene der Europäischen Union, über Agrarsubventionen angesetzt werden. Aktuell wird die Hälfte der Agrarzahlungen in der EU dafür genutzt, um Fleisch oder Milchprodukte zu erzeugen – die emissionsintensivsten Lebensmittel. Würde die Herstellung nachhaltiger Lebensmittel stärker und gezielt gefördert, könnte das ihre Produktion um 40 Prozent und den Konsum um bis zu 20 Prozent steigern. Die ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen ließen sich auf diese Weise um rund vier Prozent reduzieren (UBA/Springmann 2023).

Wenn deutlich weniger Fleisch konsumiert und produziert würde, hätte das natürlich deutliche Folgen für die Landwirtschaft. Der IPCC schreibt (mit weltweitem Blick), dass möglicherweise die wirtschaftliche Stabilität des Sektors darunter leiden könnte, weil ein Großteil der bäuerlichen Einnahmen aus tierischen Produkten resultiert – doch mit kluger, ganzheitlicher Politik ließe sich hier gegensteuern, zum Beispiel indem sie neue Einkommensmöglichkeiten für Bauern eröffnet (AR6, WG3, Kapitel 7.4.5.1).

Die Reduzierung der Fleischproduktion sollte sich außerdem auf die Massentierhaltung fokussieren, nicht so sehr auf Tiere, die aus Weideland stammen. Wie bereits erwähnt (siehe Punkt 5), verursachen Futtermittel wie Sojapflanzen einen großen Teil der Treibhausgase aus der Fleischproduktion. Weideland hingegen hat sogar Vorteile für den Naturschutz gegenüber Äckern. Laut Umweltbundesamt kommt beispielsweise die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten in Deutschland auf Grünland vor.

Insbesondere wenn die Reduzierung von Fleisch durch steigende Preise erreicht wird, könnten ärmere Menschen stärker belastet werden. Auch hier aber können politische Maßnahmen die Nachteile lindern oder ausgleichen (siehe Punkt 8).

Eine Ernährungsweise mit einem hohen Anteil an Fleisch und anderen tierischen Produkten, wie sie in vielen wohlhabenden Ländern üblich ist, ist nicht nur emissions- und ressourcenintensiv, sondern – wie in Abschnitt 7 bereits erwähnt – auch ungesund. Eine stärker pflanzenbasierte Ernährung würde daher insbesondere das Risiko für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes Typ 2 und weiterer Krankheiten reduzieren (AR6, WG3, Kapitel 7.4.5.1). Laut einer Studie zu neun repräsentativ ausgewählten Ländern (u.a. Deutschland, USA, Indien, Südafrika) könnte eine gesündere und nachhaltigere Ernährungsweise allein dort bis 2040 5,86 Millionen Todesfälle vermeiden, die auf ungesundes Essverhalten zurückzuführen sind (Hamilton et al. 2021; generell zu positiven Gesundheitseffekten von Klimaschutz siehe IPCC 2022, AR6, WG3, Kapitel 3.7.5)

Für Deutschland hat eine Studie zudem berechnet, dass eine Ernährungsumstellung auch finanzielle Vorteile hätte. Eine flexitarische Ernährung – also Fleisch und andere tierische Produkte zu reduzieren – senkt die Ausgaben eines Durchschnittshaushalt für Lebensmittel um etwa sechs Prozent (bei gleichem Nährwert und Vorteilen für die Gesundheit). Eine vegetarische Ernährung spart 21 bis 25 Prozent und eine vegane Ernährung 15 bis 28 Prozent an Kosten (UBA/Springmann 2023).

Doch nicht nur für den Menschen wäre ein geringerer Fleischkonsum vorteilhaft, sondern zum Beispiel auch für Natur und Umwelt (IPCC 2022, AR6, WG3, Technical Summary TS.5.6.2). Wenn weniger Tierfutter angebaut würde, müssten weniger Waldfläche gerodet und insgesamt weniger Flächen für die Landwirtschaft genutzt werden. Das hätte Vorteile für die Artenvielfalt, aber auch die Qualität von Luft, Wasser und Böden und für das Tierwohl, das in intensiver Massentierhaltung oft weniger berücksichtigt wird. In seinem Spezialreport zu Klimawandel und Landnutzung von 2019 zog der IPCC dieses Fazit:

„Ausgewogene Ernährungsweisen mit pflanzlichen Nahrungsmitteln, z. B. auf Basis von Grobgetreide, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse, Nüssen und Samen, sowie tierischen Nahrungsmitteln aus resilienter, nachhaltiger und treibhausgasarmer Produktion bieten bedeutende Gelegenheiten für Anpassung [an die Folgen des Klimawandels] und Minderung [von Treibhausgas-Emissionen] und schaffen gleichzeitig signifikante Zusatznutzen für die menschliche Gesundheit. Bis 2050 könnten Ernährungsumstellungen mehrere Millionen Quadratkilometer Land freisetzen und ein technisches Minderungspotenzial von 0,7 bis 8,0 Gt CO2-Äq pro Jahr im Vergleich zu Business-as-usual-Projektionen bieten.“ (SRCCL, SPM B.6.2)

Ja. Obwohl Rinder und andere Wiederkäuer wegen ihres verdauungsbedingten Methan-Ausstoßes besonders viele Treibhausgase verursachen, schließen sich ein Erreichen der Klimaziele und Tiermast bzw. Milchproduktion nicht aus. Aber es kommt stark auf die Produktionsbedingungen und die konsumierte Menge an.

Wie in Abschnitt 5 beschrieben, sind direkte Emissionen der Tiere nur ein Faktor von vielen. Der Treibhausgas-Ausstoß durch Transport, Verarbeitung und Kühlung von Fleisch oder tierischen Produkten zum Beispiel lässt sich stark senken, wenn dort klimaneutrale Energie eingesetzt wird und die Transportwege kurz sind. Einen erheblichen Teil der Emissionen der heutigen Tiermast in der intensiven Landwirtschaft verursacht zudem die Futtermittelproduktion auf Äckern, insbesondere der Sojaanbau auf ehemaligen Regenwaldflächen. Wenn stattdessen eine stabile oder leicht sinkende Zahl von Rindern ausschließlich mit Gras von Wiesen (in der Fachsprache: Dauergrünland) ernährt wird, allenfalls ergänzt mit Rückständen aus der pflanzlichen Nahrungsmittelproduktion, und wenn die Emissionen aus Kot und Gülle etwa mit Biogasanlagen aufgefangen und genutzt werden, dann kann Rindfleisch und Milch ohne schwerwiegende Folgen fürs Klima produziert werden. Weil Methan ein kurzlebiges Treibhausgas ist, reichert es sich (solange die Emissionen nicht steigen) auch nicht in der Atmosphäre an – anders als es bei langlebigen Treibhausgasen wie Kohlendioxid oder Lachgas der Fall ist (siehe dazu Abschnitt 3). Eine geringe Restmenge an Methan-Emissionen kann etwa durch die Bindung von Kohlendioxid in Wäldern oder die Wiedervernässung von Mooren ausgeglichen werden.

Ausführlicher wird das Thema in diesem F&A der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz erklärt – sowie auch eine Konsequenz aus dieser klimaschonenden Produktionsweise (die übrigens der Bio-Landwirtschaft sehr ähnlich ist): „Unter dem Strich würde aus einer vorwiegend graslandbasierten Rinderproduktion ein geringerer Output an Milch und Fleisch resultieren.“ Selbst in einer klimaneutralen Welt kann deshalb Käse und Rinderbraten (und Fleisch von anderen Tieren) hergestellt und konsumiert werden – allerdings deutlich weniger als heute. Was nebenbei aber auch gesünder für die Menschen wäre (siehe Abschnitt 7 und 10).

Grob zusammengefasst in ganz einfachen Worten

Rund ein Drittel der menschengemachten Treibhausgase resultieren aus der Ernährung, und der überwiegende Teil davon ist auf Fleisch und andere tierische Produkte zurückzuführen. Auch wenn sich viele Menschen ungern etwas über ihre Ernährung sagen lassen, so ist doch wissenschaftlich klar: Weniger Fleisch zu essen, wäre sehr gut fürs Klima (wie auch allgemein für Natur und Umwelt) – und zudem gesünder für die Menschen.

Lena Bültena/Klimafakten
zuletzt aktualisiert: Januar 2024