Gibt es wirklich einen Klimawandel?

Behauptung: „Es gibt (noch) keinen wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel“

Behauptung: Es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens darüber, dass die Freisetzung von Kohlendioxid, Methan oder anderen Treibhausgasen durch den Menschen derzeit oder in absehbarer Zeit eine katastrophale Erwärmung der Erdatmosphäre bewirken wird.

Fakt ist: Weit mehr als 90 Prozent der Klimaforscher sind überzeugt, dass der Mensch den gegenwärtigen Klimawandel verursacht

Antwort: 

Es ist wissenschaftlich gesichert und gut belegt, dass menschliche Aktivitäten die Hauptursache der laufenden globalen Erwärmung sind. Diesem Konsens stimmen Wissenschafts-Akademien aus 80 Ländern zu, außerdem viele weitere wissenschaftliche Organisationen und – laut mehrerer Studien – mindestens 97 Prozent der Klimawissenschaftler:innen.

Vermutlich wird es immer Menschen geben, die den menschengemachten Klimawandel bestreiten – die große Frage ist aber, wie kompetent diese sind und wie verlässlich ihre Einschätzungen.

Wissenschaftler:innen müssen bekanntlich ihre Aussagen und Einschätzungen mit Forschungsergebnissen und Daten untermauern, die einen strengen Begutachtungsprozess überstanden haben. Bei diesem sogenannten „Peer Review“-Prozess wird eine Veröffentlichung anderen Kolleg:innen mit derselben Spezialisierung vorgelegt und so geprüft, ob sie eventuell überzeugende Einwände haben.

Vor rund 20 Jahren ergab erstmals eine Untersuchung von peer-reviewten Veröffentlichungen zum Thema (konkret: aller Studien zum Stichwort “globaler Klimawandel” aus den Jahren 1993 bis 2003), dass nicht eine einzige von ihnen den Konsens bestritt, dass der Mensch die wesentliche Ursache des Klimawandels ist (Oreskes 2004). Drei Viertel der Studien stützten den Konsens explizit, ein Viertel machte keine Aussage dazu, weil sie sich etwa mit methodischen oder erdgeschichtlichen Fragen befassten. (Mehr über Naomi Oreskes vielzitierte Untersuchung finden Sie hier.)

Zahlreiche, voneinander unabhängige Studien zum Experten-Konsens

Spätere Untersuchungen bestätigten diesen klaren Befund. Beispielsweise stellte eine Umfrage unter 3146 Geowissenschaftler:innen (Doran/Zimmermann 2009) folgende Frage: „Meinen Sie, dass menschliche Aktivitäten einen entscheidenden Einfluss auf die Veränderung der durchschnittlichen globalen Temperaturen haben?“ Von der Gesamtheit der Studienteilnehmer beantworteten 82 Prozent die Frage mit Ja. Hochinteressant ist der Vergleich der Antworten mit der Fachkompetenz des jeweils Antwortenden: Von den Geowissenschaftlern, die keine Klimatologen waren und auch keine einschlägigen Forschungsarbeiten veröffentlicht hatten, antworteten lediglich 77 Prozent mit Ja. Unter den befragten Meteorologen betrug die Zustimmungsrate nur 64 Prozent. Von den Geologen, die in der Privatwirtschaft arbeiten, bejahten bloße 47 Prozent die Frage. Demgegenüber antworteten von den ausgewiesenen Klimatologen, die auch aktuell Forschungsergebnisse zur Erderwärmung veröffentlicht hatten, mehr als 97 Prozent mit Ja.

 

Einfluss menschlicher Aktivität auf globale Temperatur

Abbildung 1: Antworten auf die Frage „Meinen Sie, dass menschliche Aktivitäten einen entscheidenden Einfluss auf die Veränderung der durchschnittlichen globalen Temperaturen haben?“ Zum Vergleich stellt der dunkelblaue Balken die Einschätzung der allgemeinen Öffentlichkeit (General Public) dar; Quellen: Doran/Zimmermann 2009

Das Papier kam zu dem Schluss:

Unter denen, die die Nuancen und die wissenschaftlichen Grundlagen von langjährigen Klimaprozessen verstehen, gibt es anscheinend so gut wie keine Debatte über die Tatsache der Erderwärmung und die Rolle der menschlichen Aktivitäten dabei. Die Herausforderung scheint eher zu sein, wie diese Tatsache wirksam an Politiker und die Allgemeinheit vermittelt werden kann, die fälschlicherweise von einer Debatte unter Wissenschaftlern ausgehen.“

Der überwältigende Konsens unter den tatsächlichen Fachleuten wurde ein weiteres mal bestätigt durch eine unabhängige Studie, in der jene Klimawissenschaftler:innen gezählt wurden, die Deklarationen für oder gegen den Konsens zur Erderwärmung unterzeichnet haben (Anderegg 2010): Demnach unterstützen 97 bis 98 Prozent der Klimaexpert:innen die Konsensposition. Mehr noch, die Studie untersuchte außerdem die Anzahl von Veröffentlichungen der einzelnen Forscher:innen, was ein fundiertes Indiz für deren Fachexpertise ist. Ergebnis: Personen, die den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel bezweifelten, hatten im Durchschnitt nur rund halb so viele Veröffentlichungen vorzuweisen wie Personen, die den Konsens stützten. Auch Verheggen et al. 2014 ergab, dass mit höherer Expertise der Grad der Zustimmung zum Forschungskonsens in Sachen menschengemachter Klimawandel zunimmt.

Es gibt also nicht nur einen riesigen Abstand in der Zahl der überzeugten gegenüber der nicht überzeugten Expert:innen – zwischen beiden Gruppen gibt es auch einen beachtlichen Unterschied bei der Fachkompetenz. Zugleich gibt es bisher keine einzige peer-rewiewte Forschungsarbeit, die die Erderwärmung des 20. Jahrhunderts ohne den menschlichen Einfluss physikalisch überzeugend erklären könnte.

Einfluss menschlicher Aktivität auf globale Temperatur

Abbildung 2: Verteilung der Anzahl von Forschern, die überzeugt sind von den Belegen zur menschengemachten Erderwärmung (grüne Balken) gegenüber den nicht überzeugten (rote Balken), geordnet nach der Gesamtzahl ihrer Klimapublikationen (waagerechte Skala); Quelle: Anderegg 2010

Im Jahr 2013 kam eine weitere, groß angelegte Untersuchung (Cook et al. 2013) zu einem ähnlichen Ergebnis: Von allen einschlägigen Fachveröffentlichungen, die zwischen 1991 und 2011 erschienen (ca. 12.000), erwähnten (in der Studienzusammenfassung) rund zwei Drittel die Ursachen der Erderwärmung nicht explizit – was wenig überrascht, weil die Ursachen in der Forschung als geklärt gelten und es in den meisten Studien um Detailfragen zu Klimawandel oder Klimaschutz ging. Ein knappes Drittel der Studien (32,6 Prozent) bekräftigte ausdrücklich den wissenschaftlichen Konsens zur menschengemachten Erderwärmung, nur 0,7 Prozent lehnten den Forscherkonsens ab, weitere 0,3 Prozent gaben sich in der Frage unsicher. Von den Studien also, die sich überhaupt zu diesem Punkt äußerten, stimmten 97,1 Prozent mit dem Konsens überein. (Eine Einladung an die betreffenden Forscherinnen und Forscher, ihre Veröffentlichungen selbst zu bewerten, bestätigte das prozentuale Ergebnis.)

Besonders umfassend hat der US-Geologe James Powell den wissenschaftlichen Konsens untersucht – in mehreren Studien analysierte er Zehntausende von Fachveröffentlichungen zum Klimawandel. Für den Zeitraum von 1991 bis 2012 zum Beispiel kam er zu dem Ergebnis dass von 33.700 wissenschaftlichen Autoren lediglich 34 den Konsens bestritten. Eine überwältigende Mehrheit von 99,9 Prozent der erfassten Wissenschaftler:innen war demnach der Überzeugung, dass der Mensch für den gegenwärtigen Klimawandel hauptverantwortlich ist.

Der Klimawandel ist real. Aber ist der Mensch die Ursache?

Abbildung 3: Der wissenschaftliche Konsens ist extrem breit – nur ein Tausendstel der Autor:innen, die zwischen 1991 und 2012 Forschungsaufsätze zum Thema in Fachjournalen veröffentlichten, zweifelt am menschlichen Einfluss auf das Klima; Quelle: Powell 2012

In weiteren Analysen bis einschließlich 2015 bestätigte Powell diese Größenordnung (zum Beispiel Powell 2016Powell 2017); auf Powells Ergebnisse verwies auch die deutsche Bundesregierung im August 2019 in einer Antwort auf eine Bundestagsanfrage (BT-DS 19/12631). In einer Untersuchung von 11.602 Studien aus den ersten sieben Monaten des Jahres 2019 kam Powell gar zu dem Ergebnis, dass keine einzige davon dem menschengemachten Klimawandel widersprach. Bei der Untersuchung ging Powell so vor, dass er nicht sämtliche Studien oder deren Zusammenfassungen analysierte. Er schaute sich nur jene genauer an, deren Titel den Eindruck vermittelten, als könnten die Autoren den menschengemachten Klimawandel anzweifeln. Auch unter diesen Studien fand Powell nichts. Der Konsens unter Klimawissenschaftle:rinnen lag damit laut dieser Untersuchung sogar bei 100 Prozent (Powell 2019).

Vorher, im Jahr 2016 ist zudem eine Studie erschienen, die einen Überblick über zahlreiche Studien zum Thema gab – als "Meta-Studie" werden solche Arbeiten in der Wissenschaft bezeichnet (Cook et al. 2016). Auch ihr Ergebnis war eindeutig: Eine übergroße Mehrheit von "90 bis 100 Prozent" der Klimaexperten teilt den Konsens, dass der Mensch hauptverantwortlich für den gegenwärtigen Klimawandel ist. Diese Meta-Untersuchung ergab außerdem, dass der Grad des in Studien ermittelten Konsens' stark davon abhängig ist, wie sachkompetent die Befragten sind: Unter Klimaforscher:innen, die tatsächlich auf dem Gebiet aktiv sind (also auf viele begutachtete Veröffentlichungen in Fachjournalen verweisen können) ist die Übereinstimmung nahe hundert Prozent. Hingegen findet sich eine deutlich niedrigere Einigkeit über die Ursachen des gegenwärtigen Klimawandels, wenn man Wissenschaftler:innen (oder Laien) befragt, die in anderen Forschungsfeldern oder gar nicht wissenschaftlich aktiv sind.

Reihenweise bestätigen Wissenschaftsinstitutionen den Forschungskonsens

Ein zusätzliches Indiz für einen verlässlichen Konsens ist die große Zahl von Wissenschafts-Organisationen, die der Position zustimmen, dass der größte Anteil an der globalen Erwärmung der letzten Jahrzehnte auf menschliche Aktivitäten zurückgeführt werden kann. Die folgende Liste nennt nur eine begrenzte Auswahl:

Wissenschafts-Akademien aus rund 80 Staaten stützen den Konsens (sie sind unten in Abbildung 4 zusammengestellt). Anlässlich des G8-Gipfels 2007 veröffentlichte das Network of African Science Academies eine Erklärung zum menschengemachten Klimawandel, unterzeichnet wurde es von:

  • Academy of Science of South Africa
  • African Academy of Sciences
  • Cameroon Academy of Sciences
  • Ghana Academy of Arts and Sciences
  • Kenya National Academy of Sciences
  • Madagascar National Academy of Arts, Letters and Sciences
  • Nigerian Academy of Sciences
  • l'Académie des Sciences et Techniques du Sénégal
  • Sudan National Academy of Sciences
  • Tanzania Academy of Sciences
  • Uganda National Academy of Sciences
  • Zambia Academy of Sciences
  • Zimbabwe Academy of Sciences

Im Jahr darauf veröffentlichten die Akademien aus dreizehn Industrie- und Schwellenländer eine gemeinsame Erklärung, der zufolge "der Klimawandel real" und "eine umgehende Reaktion" der Politik darauf nötig ist:

  • Brasilien: Academia Brasiliera de Ciencias
  • China: Chinese Academy of Sciences
  • Deutschland: Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina
  • Frankreich: Academie des Sciences
  • Großbritannien: Royal Society
  • Indien: Indian National Science Academy
  • Italien: Accademia dei Lincei
  • Japan: Nippon Gakushiin
  • Kanada: Royal Society of Canada
  • Mexiko: Academia Mexicana de Ciencias
  • Russland: Rossijskaja Akademija Nauk
  • Südafrika: Academy of Science of South Africa
  • USA: National Academy of Sciences

Abbildung 4: Länder der Erde, deren Wissenschaftsakademien den Forschungskonsens zum Klimawandel teilen; Quelle: SkepticalScience.com

Ende 2009 enthielt ein Brief von 18 wissenschaftlichen Organisationen an den US-Kongress die folgende, ebenfalls unmissverständliche Aussage:

"Beobachtungen auf der ganzen Welt zeigen deutlich, dass Klimawandel stattfindet und sorgfältige wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die durch menschliche Aktivitäten freigesetzten Treibhausgase der Hauptantrieb dafür sind. Diese Schlussfolgerungen basieren auf mehreren unabhängigen Beweisketten – gegensätzliche Behauptungen stehen im Widerspruch zu einer objektiven Beurteilung der großen Menge von durch Experten begutachteten Studien."

Der US-amerikanische Wissenschaftler Peter Gleick hat zahlreiche Statements von Wissenschaftsorganisationen zusammengetragen und kommt zu dem Ergebnis: "Nicht eine einzige Nationale Wissenschaftsakademie bezweifelt oder bestreitet den wissenschaftlichen Konsens rund um den Klimawandel."

Solche Aussagen und Resolutionen werden regelmäßig wiederholt, zum Welttag der Meteorologie am 23. März 2021 zum Beispiel wandten sich 43 internationale meteorologische Organisationen und Gesellschaften mit einer gemeinsamen Stellungnahme an die Öffentlichkeit, in der sie den Konsens zum menschengemachten Klimawandel bekräftigten und anderem schrieben:

"Die Auswirkungen der vom Menschen produzierten Treibhausgase auf das Klima sind zunehmend und überwältigend offensichtlich. [...] Wir wollen ausdrücklich betonen, dass die Welt ihren Einsatz deutlich erhöhen muss, um die Ziele von Paris zu erreichen, damit sie mit den Erkenntnissen des Weltklimarates übereinstimmen. Alle Regierungen werden daher ihre Anstrengungen verstärken müssen, indem sie schnelle und ehrgeizige Maßnahmen ergreifen, darunter auch die Unterstützung derjenigen, die weniger Möglichkeiten haben."

All dies bedeutet natürlich nicht, dass es keinerlei Veröffentlichungen gäbe, die die Konsensposition ablehnen. So werden immer mal wieder "Petitionen" von vermeintlichen Fachleuten veröffentlicht, denen aber bei genauer Betrachtung jede wissenschaftlichen Grundlage fehlt. Gelegentlich wird auch auf den Mediziner Klaus-Martin Schulte verwiesen, der bei einer Untersuchung auf rund sechs Prozent vom Konsens abweichende Studien gestoßen sei; doch eine Überprüfung ergibt, dass Schultes Zählung falsch und irreführend ist.

Auch die ganz zu Beginn dieses Faktenchecks erwähnte Studie von Naomi Oreskes wurde mehrfach angegriffen – ihr wohl bekanntester Kontrahent aber, Benny Peiser, zog seine Kritik sehr bald zurück.

Fazit

Bei den wesentlichen Grundaussagen zum Klimawandel - dass sich die Erde seit Jahrzehnten signifikant erwärmt und der Mensch die Hauptursache dafür ist - gibt es also einen sehr soliden Konsens der Fachwelt. Wer dies bestreitet, kann sich nicht auf die Klimawissenschaft berufen.

Daneben jedoch gibt es natürlich eine große Zahl von Detailfragen, zu denen noch eine Menge Forschungsarbeit zu leisten ist. Und darüber, wie Staaten, Wirtschaft und Gesellschaft am besten auf den menschengemachten Klimawandel reagieren sollten, lässt sich trefflich streiten – das aber haben nicht Wissenschaftler:innen zu entscheiden, sondern es ist eine politische Debatte.

John Cook/klimafakten.de, Juli 2010;
zuletzt aktualisiert: August 2021