Ist der Klimawandel wirklich (so) schlimm?

Behauptung: „Die ökonomischen Kosten des Klimawandels sind marginal.“

„Die Erderwärmung bringt ökonomische Vorteile, zum Beispiel wachsen Ackerpflanzen besser, und es muss weniger Geld für Heizenergie ausgegeben werden. Zugleich können die negativen Folgen durch Anpassungsmaßnahmen gemildert werden. Insgesamt fallen die Kosten des Klimawandels angesichts des Wachstums der Weltwirtschaft kaum ins Gewicht.“

Fakt ist: Bei einem ungebremsten Klimawandel werden die wirtschaftlichen Schäden immens sein

Antwort: 

Der Klimawandel hat sehr unterschiedliche ökonomische Auswirkungen, punktuell werden einige Branchen und Weltgegenden durchaus profitieren. Dem stehen aber teils schwere Schäden gegenüber – ausgerechnet in Regionen, die ohnehin zu den ärmeren gehören. Selbst wenn man diese Verteilungsaspekte beiseite lässt, sind Kalkulationen einer volkswirtschaftlichen Gesamtbilanz der Erderwärmung sehr schwierig. Denn die üblichen klimaökonomischen Modelle können bisher einen wesentlichen Teil möglicher Schäden nicht berücksichtigen. Einig ist sich die Forschung, dass positive Effekte – wenn überhaupt – nur bei moderater Erderwärmung eintreten. Bei ungebremstem Klimawandel erwarten selbst Optimisten keine positive Bilanz. Klimaschutz ist also unzweifelhaft eine ökonomische sinnvolle Investition.

Eines der Hauptgebiete der Wirtschaftswissenschaften ist es, die Wirkung von verschiedensten Dingen auf die ökonomische Entwicklung einzuschätzen – beispielsweise von politischen Entscheidungen wie Steuersenkungen, von Preisveränderungen etwa bei Rohstoffen und so weiter. Das übliche (jedoch umstrittene) Maß ist dabei, ob das Bruttoinlandsprodukt, BIP (englisch: Gross Domestic Product, GDP) steigt oder sinkt. Seit gut zwanzig Jahren versuchen Ökonomen, auch die Wirkung des Klimawandels auf die ökonomische Entwicklung abzuschätzen.

Anders als in vorherigen IPCC-Reports gibt es im Fünften Sachstandsbericht erstmals ein eigenes Kapitel zu den Auswirkungen der Erderwärmung auf „wirtschaftliche Schlüsselbereiche und -dienste“ (Teilband II, Kapitel 10: „Key Economic Sectors and Services“). In den vergangenen Jahren hat die Forschung etliche Wirtschaftssektoren genauer untersucht.

Die Folgen sind für die einzelnen Bereiche – wenig überraschend – sehr verschieden. Insgesamt, so ist häufig zu hören, sei das Wachstum der weltweiten Wirtschaft indes so stark, dass selbst milliardenschwere Schäden durch den Klimawandel kaum ins Gewicht fielen.

Welche ökonomischen Folgen hat der Klimawandel für einzelne Wirtschaftssektoren?

Eine der nächstliegenden Konsequenzen ist, dass in einer wärmeren Welt der Bedarf an Heizenergie sinkt. Im Gegenzug allerdings wird die Nachfrage nach Energie für Kühlzwecke steigen. Doch schon bei diesem relativ klaren Fakt ist es schwierig zu ermitteln, ob der Energiebedarf unterm Strich steigen oder sinken wird: In einigen Regionen (vor allem dort, wo es bisher sehr kühl war, etwa in Nordeuropa) wird der Verbrauch wohl insgesamt zurückgehen, in anderen (bereits jetzt warmen) vermutlich steigen. Aber neben der Entwicklung des Klima gibt es weitere Faktoren, die die Energienachfrage beeinflussen: Ob die Bevölkerung wächst oder schrumpft, ob sich Menschen in warmen Regionen die Energie für Klimaanlagen überhaupt leisten können, welche Heiz- und Kühltechnologien verfügbar sind und so weiter. Klar ist, dass die Energiewirtschaft einer der Sektoren ist, die von den Auswirkungen des Klimawandels (wie übrigens auch von Klimaschutzmaßnahmen) am stärksten betroffen sein wird (vgl. zum Beispiel Ebinger/Vergara 2011). 

Auch andere Branchen sind bereits relativ intensiv erforscht (während zu einer Reihe von Wirtschaftssektoren noch kaum Untersuchungsergebnisse vorliegen, etwa zum Bergbau oder zur produzierenden Industrie). So sind in der Landwirtschaft im Einzelnen durchaus positive Wirkungen des Klimawandels zu erwarten: Eine höhere CO2-Konzentration in der Luft hat einen deutlichen Düngeeffekt, und die Erderwärmung wird in bisher zu kalten Weltgegenden Ackerbau ermöglichen, etwa in Sibirien (Tchebakova et al. 2011). Allerdings bedeutet Erderwärmung in vielen anderen Gebieten auch vermehrten Hitzestress für Nutzpflanzen und -tiere. Zunehmende Trockenheit oder die vermehrte Entstehung von bodennahem Ozon werden in vielen Regionen die Landwirtschaft schädigen, ebenso die zu erwartenden Extremwetterereignisse, etwa Starkregen und Fluten. In der Bilanz würden die Folgen einer Erderwärmung um zwei Grad Celsius oder mehr wohl negativ sein, so die Einschätzung im Fünften Sachstandsbericht (Summary for Policymakers, S. 17f.).

Generell bedeuten Extremwetterereignisse wie auch die erwarteten Veränderung von Niederschlagsmustern große Herausforderungen. Weltweit werden für 2050 zusätzliche Kosten für die Trinkwasserversorgung in Höhe von rund zwölf Milliarden Dollar jährlich erwartet, 83 bis 90 Prozent davon fallen in Entwicklungsländern an (Ward et al. 2010). Durch Fluten werden allein in der EU bis Ende des Jahrhunderts sieben bis 15 Milliarden Euro an zusätzlichen Schäden pro Jahr prognostiziert, Hunderttausende Menschen werden zusätzlich von solchen Naturkatastrophen betroffen sein (Feyen et al. 2012).

Deutliche Kosten sind auch für die Infrastruktur zu erwarten, die künftig extremeren Wetterverhältnissen ausgesetzt sein wird – angefangen bei Pipelines und Stromleitungen über Straßen und Schienen bis hin zu Flughäfen. Nicht zuletzt muss sich die Versicherungswirtschaft auf häufigere und größere Schäden einrichten. Ebenfalls stark betroffen ist die Tourismusbranche, einer der umsatzstärksten Sektoren der Weltwirtschaft. Insbesondere Skigebiete, aber auch Orte die auf Strand- oder Natururlaub setzen, müssen sich auf Veränderungen einstellen, heißt es im Fünften Sachstandsbericht des IPCC (Teilband II, Kapitel 10, Executive Summary):

„Touristen dürften ihre Urlaube künftig in höheren Breiten und größeren Höhen verbringen. Die klimawandelbedingten Veränderungen bei Nachfrage und Angebot im Tourismus bedeuten ökonomische Gewinne für Länder näher an den Polen und höher in den Bergen und Verluste für andere Länder.“

Wie sieht die Gesamtbilanz aus – weltweit und über alle Wirtschaftssektoren betrachtet?

Was all diese vielfältigen Veränderungen zusammengenommen für die wirtschaftliche Entwicklung von Regionen, Staaten und der Welt bedeuten, ist schwierig zu ermitteln.

Die Größe der Herausforderung für solche ökonomischen Gesamtkalkulationen illustriert Abbildung 1: Die meisten Einzelbewertungen (wie auch die oben aufgezählten) beziehen sich auf  Veränderungen, die direkt im Markt erfasst und dadurch noch relativ einfach beziffert werden können, beispielsweise Veränderungen des Heizwärmebedarfs, Zusatzkosten für Deiche bei Meeresspiegelanstieg bzw. voraussichtliche Folgen leichter Änderungen der Umgebungstemperatur auf Wachstumsraten von Getreide). Im Wesentlichen werden dabei bekannte Trends fortgeschrieben oder Korrelationen extrapoliert. Andersartige Veränderungen werden hingegen in ökonomischen Berechnungen seltener oder gar nicht erfasst, zum Beispiel die Schwierigkeit, in einem sich ändernden Klima die ertragreichsten landwirtschaftlichen Anbaupraktiken zu finden oder auch die nicht präzise vorhersehbaren, plötzlichen Veränderungen des Klimasystems aufgrund menschlicher Einflüsse (die sogenannten „Tipping Points“ oder „Kipp-Punkte“). Auch sind Gesundheitsbeeinträchtigungen oder Todesopfer nur schwer in Zahlen zu fassen. Zudem werden bei ökonomischen Bewertungen von Klimafolgen meist nur direkte Kosten erfasst, etwa von Deichen – nicht aber indirekte Kosten, beispielsweise infolge von Veränderungen an Ökosystemen, oder gar die Wechselwirkungen mehrerer Stressfaktoren, die zum Beispiel zu umweltbedingten Wanderungsbewegungen führen können.

risk matrix

Abbildung 1: Welche Phänomene des Klimawandels werden in wirtschaftswissenschaftlichen Berechnungen üblicherweise erfasst? Und welche von deren Folgen? Nur ein kleiner Teil, wie diese „Risikomatrix“ verdeutlicht. Lediglich den Inhalt des weißen Feldes – nämlich Auswirkungen projizierbarer Veränderungen auf Märkte – erfassen die verbreiteten klimaökonomischen Modelle; Quelle: Grubb/Hourcade/Neuhoff 2014, S. 23 unter Verwendung von Watkiss/Downing 2008, Jones/Yohe 2008 und Downing/Dyszynski 2010

Die ökonomischen Berechnungen hängen jedenfalls sehr stark davon ab, welche Effekte des Klimawandels berücksichtigt werden und welche wirtschaftswissenschaftlichen Modelle gewählt wurden – dies gilt umso mehr bei einem Thema wie den Kosten des Klimawandels. Hier wirken physikalische Faktoren (Temperaturentwicklung, Reaktion beispielsweise der Ozeane oder von Gletschern usw.), menschliche Faktoren (Reaktion von Staaten und Gesellschaften), technische Entwicklungen (Fortschritte bei Energieerzeugungstechnologien) und vieles mehr zusammen. Besonders schwer ist es, Kostenrisiken von Extremwetterereignissen zu berücksichtigen, weil Zeitpunkt und Umfang ihres Auftretens nicht präzise zu berechnen sind – oft werden sie deshalb komplett ausgeblendet, also behandelt, als existierten sie gar nicht.

Wegweisend für die ökonomische Forschung zur Erderwärmung war im Jahr 2006 ein Forschungsbericht im Auftrag der britischen Regierung, der Stern Review on the Economics of Climate Change. Seine Haupterkenntnis lautete, dass die wirtschaftlichen Schäden infolge eines ungebremsten Klimawandels die ökonomischen Kosten von Klimaschutzmaßnahmen bei weitem übertreffen werden. Wörtlich hieß es in der Zusammenfassung des mehr als 600-seitigen Berichts:

„Die Kosten für die Stabilisierung des Klimas sind erheblich, aber tragbar; Verzögerungen wären gefährlich und viel teurer. … Die Bekämpfung des Klimawandels ist langfristig gesehen eine Pro-Wachstums-Strategie und kann auf eine Weise erfolgen, die die Wachstumsambitionen reicher oder armer Länder nicht behindert.“

Der Vierte IPCC-Sachstandsbericht, der 2007 die damals vorliegenden Forschungsergebnisse  zusammenfasste, betonte, dass die ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels „regional variieren“: Bei moderater Erwärmung seien „für einige Orte und Sektoren“ Vorteile zu erwarten, während gleichzeitig anderswo Nachteile aufträten; insgesamt aber ergäben sich „sehr wahrscheinlich Nettokosten, die im Laufe der Zeit bei zunehmenden Temperaturen steigen“ (Synthesereport, Kapitel 5.7).

Seitdem sind zwar eine Vielzahl von Studien zu ökonomischen Einzelaspekten des Klimawandels erschienen, aber nur eine Handvoll von Untersuchungen zur Gesamtbilanz. Beispielsweise kamen Bosello et al. 2012 zu dem Ergebnis, dass ein moderater Klimawandel nur leichte Einbußen bei der weltweiten Wirtschaftsleistung verursachen würde: Bei einer Erwärmung um knapp zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau bezifferten sie den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (englisch: Gross Domestic Product, GDP) auf etwa 0,5 Prozent. Hinter diesem relativ niedrigen  globalen Gesamtsaldo stecken aber beträchtliche regionale Variationen: So seien Russland und China deutliche Gewinner, vor allem durch Vorteile für die Landwirtschaft. Die größten Verlierer mit deutlichen Schäden für die Wirtschaftsleistung seien weniger entwickelte Weltgegenden, etwa Süd- und Südost-Asien sowie Afrika.

Mit ähnlichen regionalen Ungleichgewichten ist auch bei einer stärkeren Erwärmung zu rechnen. Roson/van der Mensbrugghe 2012 untersuchten die ökonomischen Folgen einer Erwärmung um 4,8 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 (wie sie durchaus möglich ist, wenn die Treibhausgasemissionen in den kommenden Jahrzehnten weiter wachsen wie bisher). Ihr Ergebnis: in der weltweiten Summe zum Ende dieses Jahrhunderts wirtschaftliche Verluste, die 4,6 Prozent des globalen GDP entsprechen. Allerdings wurde dabei (wie so oft bei derartigen Modellrechnungen) nur ein Teil der Klimawandelfolgen einbezogen, zum Beispiel ein linearer Anstieg der Meeresspiegel, Nachfrage nach Energie oder temperaturbedingte Veränderungen der Leistung von Arbeitnehmern. Doch ein so wichtiger Aspekt wie Extremwetterereignisse, also Fluten, Dürren oder Stürme, deren Häufigkeit im Zuge des Klimawandels zunehmen wird, blieben unberücksichtigt. 

Konsens der Ökonomen: Je stärker die Erwärmung, desto deutlicher die Negativbilanz

Deshalb ist es nicht überraschend, dass unter Wirtschaftswissenschaftlern kontrovers über die bislang üblichen Modelle diskutiert wird. Nicholas Stern von der London School of Economics (LSE), der Hauptautor des oben zitierten Stern-Review, beispielsweise meint (Stern 2013):

„Es gibt sehr starke Gründe zu argumentieren, dass [die bislang üblichen Modelle] die Risiken des Klimawandels krass unterschätzen, … weil die in ihnen enthaltenen Rahmenannahmen über Wachstum, Klimaschäden und Risiken so gewählt sind, dass sie fast direkt voraussetzen, Folgen und Kosten der Erderwärmung seien bescheiden und nahezu ausschließen, dass katastrophale Konsequenzen möglich sind.“

Sterns Fazit (bei dem er übrigens auch von ihm selbst verwendete Modelle einschließt) lautet, man brauche „eine neue Generation von Modellen“. Ähnlich kritisch äußert sich Robert Pindyck vom Massachusetts Institute of Technology, MIT (Pindyck 2013); er hält die existierenden Modelle für „nahezu nutzlos“, um verlässliche Aussagen die künftige Klimapolitik zu treffen. Ihre Ergebnisse seien so stark von den gewählten Annahmen und eingebauten Formeln  abhängig, dass sie einem Modellierer „erlauben, fast jedes gewünschte Resultat zu erhalten“. Rosen/Günther 2014 warnen nach einer ausführlichen Analyse bisher vorgelegter Berechnungen ausdrücklich davor, sich bei politischen Entscheidungen zum Klimaschutz auf die Ergebnisse volkswirtschaftlicher Modelle zu stützen. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus stelle sich nämlich die grundsätzliche Frage, ob überhaupt

"Kosten und Nutzen der Vermeidung des Klimawandels über Perioden von 50 bis 100 Jahren mit einem solchen Maß an Genauigkeit ermittelt werden können, dass sie politischen Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit mitgeteilt werden sollten".

Auch der Fünfte IPCC-Sachstandsbericht (Summary for Policymakers, S. 19) warnt davor, ökonomische Kosten-Nutzen-Rechnungen überzubewerten, unter anderem weil viele Folgen des Klimawandels, etwa der Verlust von Menschenleben, von kulturellen Denkmälern oder Ökosystemen, „schwer zu bewerten und in Geld auszudrücken sind“ (so die dortige Fußnote 59). Eine häufige Kritik ist zudem, dass die an unterschiedlichen Orten auftretenden Schäden und Nutzen in den Gesamtbilanzen einfach verrechnet werden – und dabei untergeht, dass ein Verlust von hundert Euro für einen afrikanischen Kleinbauern ganz andere Folgen hat als der Gewinn von hundert Euro bei einem Landwirt in Nordeuropa. Viele Befunde klimaökonomischer Berechnungen, warnt etwa Rosen 2015, seien jedenfalls "irreführend, wenn nicht gar trügerisch".

Schauen wir – bei allen erwähnten Einschränkungen – trotzdem auf die Ergebnisse von Modellrechnungen zur ökonomischen Gesamtwirkung des Klimawandels, die in den vergangenen 20 Jahren veröffentlicht wurden. Laut Fünftem IPCC-Sachstandsbericht gab es 18 relevante, die er in einer Grafik zusammengefasst hat (siehe Abbildung 2). Selbst vor dem Hintergrund der ausgeblendeten Kostenfaktoren ergaben neunzig Prozent der Studien teils drastische Negativeffekte.

Abbildung 2: Schätzungen der ökonomischen Gesamtwirkungen des Klimawandels bei bestimmten angenommenen Graden der Erderwärmung (die blauen Punkte stehen für Studien, die bereits in den IPCC-Sachstandsberichten von 1995, 2001 und 2007 berücksichtigt wurden, die violetten Karos für neuere Studien); Quelle: IPCC 2014, AR5, WG2, Kap.10, Abb.10.1

Nur eine Studie von dem niederländischen Umweltökonomen Richard Tol (ihr entspricht der einzelne blaue Punkt links oben in Abbildung 2)kommt zum Ergebnis, dass ein Klimawandel eine deutlich positive gesamtwirtschaftliche Wirkung hat. Allerdings wurde dabei ein Temperaturanstieg von lediglich einem Grad Celsius untersucht. (Tol 2002).  

Abbildung 3 vergleicht das von Tol mitentwickelte Modell namens FUND mit zwei anderen häufig genutzten Modellen („DICE“ und „PAGE“). Während unterschiedliche Kosten des Klimawandels prognostiziert werden, sind sich die drei Modelle in einer grundsätzlichen Aussage einig: Die ökonomischen Kosten werden umso größer sein, je stärker die Erderwärmung ausfällt.

model comparision

Abbildung 3: Jährlicher Konsumverlust im Jahr 2100 (gemessen als Anteil des globalen GDP) infolge der Erderwärmung. Die vertikale Skala zeigt Bruchteile an (0,05 entspricht fünf Prozent, 0,1 entspricht zehn Prozent usw.), die horizontale Skala den Anstieg der Erdmitteltemperatur). Die rote Linie gibt die gemittelten Ergebnisse des DICE-Modells wieder, die hellblaue bzw. grüne jene von PAGE bzw. FUND. Nur bei letzterem ist bei schwacher Erderwärmung der Saldo von Kosten und Nutzen noch leicht positiv; Quelle: Stern 2013

Bei einem ungebremsten Anstieg des Treibhausgasausstoßes ist es laut IPCC (AR5, WG I, SPM, Abschnitt E.1) gut möglich, dass die Erderwärmung am Ende des Jahrhunderts bei mehr als vier Grad Celsius liegt – in einer Größenordnung also, in der selbst die optimistischen Modelle eine deutlich negative ökonomische Gesamtbilanz errechnen. Sogar ein Autor wie Richard Tol, dessen Ergebnisse weit positiver ausfallen als der Mainstream seines Fachs, kommt daher in einer jüngeren Arbeit zu dem Ergebnis (Tol 2011):

„Nach dem Jahr 2070 wird die Erderwärmung unterm Strich negative Folgen für die Welt haben.“

Selbst optimistischste wirtschaftswissenschaftliche Kalkulationen kommen also zu dem Ergebnis, dass eine ungebremste Erderwärmung teuer wird und Klimaschutz auch ökonomisch klug ist. Bedenkt man zudem die Warnung namhafter Experten (siehe oben), dass alle üblichen Modelle die Risiken des Klimawandels „krass unterschätzen“ (Nicholas Stern) und sich hinter dem globalen Saldo teils sehr starke Verluste in einzelnen, insbesondere den ohnehin ärmeren Weltregionen verbergen, scheint eine Senkung des Treibhausgasausstoßes umso mehr geboten.   

klimafakten.de, April 2014;
zuletzt aktualisiert: Januar 2016