Behauptung: „Nicht der Mensch ist Ursache, ...“

Behauptung: „Vulkane emittieren mehr Kohlendioxid als die Menschen“

Behauptung: Vulkane setzen mehr Treibhausgase frei als es anthropogene Emissionen tun. Diese werden von der Klimawissenschaft nicht berücksichtigt.

Fakt ist: Die vulkanischen CO2-Emissionen betragen nur etwa ein Hundertstel der menschengemachten, zum Klimawandel tragen sie nicht bei

Antwort: 

Schätzungen der vulkanischen CO2-Emissionen auf der Basis von Messungen ergeben, dass diese viel niedriger als anthropogene Emissionen sind. Darüber hinaus gibt es keine Hinweise für eine Veränderung der vulkanischen Aktivität in den letzten Jahrzehnten. Daher ist es sehr unwahrscheinlich, dass vulkanische Emissionen zu einem Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre beigetragen haben.

Vulkanische Kohlendioxid-Emissionen (z.B. die Gasaustritte, die neben Eruptionen auftreten) hat es schon immer gegeben. Diese Emissionen sind Teil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs. Vulkanisches CO2 könnte nur dann der Grund für den seit dem 19. Jahrhundert deutlich messbaren Anstieg der Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre sein, wenn es eine klare Zunahme der Vulkanaktivität gäbe. Doch es gibt keinerlei Belege für irgendeine langfristige Entwicklungstendenz vulkanischer Aktivitäten im gleichen Zeitraum.

Aber wie viel Kohlendioxid stoßen die Vulkane der Erde eigentlich aus? Eine Studie des British Geological Survey hat die Menge auf 210 bis 360 Megatonnen (Mt) pro Jahr beziffert (Hards 2005), was ungefähr einem Prozent der menschengemachten CO2-Emissionen entspricht. Solche Kalkulationen beruhen auf stichprobenartigen Messungen oder dem Verhältnis von Kohlenstoff und Helium3 in der Atmosphäre und beziehen sowohl Emissionen infolge von Vulkanausbrüchen als auch passives Ausgasen ein (Mörner/Etiope 2002).

Das Ausgasen von Kohlendioxid findet hauptsächlich an den Vulkanrändern oder in geothermisch aktiven Gegenden wie dem Yellowstone-Nationalpark in den USA  statt. Es erfolgt von Jahr zu Jahr und von Vulkan zu Vulkan verschieden. Oberflächenmessungen in der Yellowstone-Gegend zeigten ein Ausgasen von circa 1,6 Mt/Jahr (Werner/Brantley 2003). Schätzungen für den Ätna, einen der am stärksten gasenden Vulkane der Welt, bewegen sich in einer Spanne von 15 bis 25 Mt/Jahr (Hards 2005). Die durch Ausgasung entstehenden CO2-Emissionen der 500 historisch aktivsten Vulkane werden auf ungefähr 50 Mt/Jahr geschätzt (Mörner/Etiope 2002).

Für eine Kalkulation der Netto-Emissionen könnte man andererseits noch Kohlendioxid abziehen, das der Atmosphäre bei der Neubildung von Gestein aus dem von Vulkanen ausgestoßenen Material (kontinentalem Basaltgestein) entzogen wird. Studien zufolge (Dessert et al. 2003) schlägt dies mit ungefähr 180 Mt/Jahr zu Buche. Der Beitrag der vulkanischen Emissionen zum CO2-Umsatz der Atmosphäre betrüge dann sogar nur noch 30 bis 180 Mt/Jahr.

Jedenfalls sind, wie auch der Fünfte Sachstandsbericht des IPCC von 2013/14 betont, die vulkanischen Kohlendioxid-Emissionen "mindestens hundertmal kleiner als die menschengemachten Emissionen" (IPCC, AR5, WG I, Kap. TS.3.5). Und wie gesagt, nur eine signifikante Änderung dieses Betrags würde zu einer Veränderung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre führen und damit überhaupt infrage kommen als eine Ursache der aktuellen Klimawandels.

Hätte vulkanisches Kohlendioxid einen relevanten Anteil an den gesamten CO2-Emissionen, müssten sich auch größere Vulkanausbrüche in den laufenden Messungen der atmosphärischen CO2-Konzentration (z.B. Mauna Loa) niederschlagen. Das aber war in der Vergangenheit nie der Fall. Ganz im Unterschied übrigens zu Aerosol-Partikeln (v.a. Sulfataerosole), die nach Vulkanausbrüchen in der Atmosphäre messbar zunehmen, einen deutlichen (kurzfristigen) Einfluss auf das Klima haben und von der Klimaforschung natürlich berücksichtigt werden.

Urs Neu/klimafakten.de, November 2011;
zuletzt aktualisiert: September 2014

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