Behauptung: „Klimaforscher übertreiben, lügen und betrügen“

Behauptung: „Es gibt (noch) keinen wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel“

Behauptung: Es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens darüber, dass die Freisetzung von Kohlendioxid, Methan oder anderen Treibhausgasen durch den Menschen derzeit oder in absehbarer Zeit eine katastrophale Erwärmung der Erdatmosphäre bewirken wird.

Fakt ist: 97 Prozent der Klimaforscher sind überzeugt, dass maßgeblich der Mensch den Klimawandel verursacht

Antwort: 

Es ist wissenschaftlich gesichert und gut belegt, dass der Mensch Hauptverursacher der bereits laufenden globalen Erwärmung ist. Diesem Konsens stimmen Wissenschafts-Akademien aus 80 Ländern zu, außerdem viele weitere wissenschaftliche Organisationen und – laut mehrerer Studien – rund 97 Prozent der Klimawissenschaftler.

Vermutlich wird es immer Wissenschaftler geben, die den menschengemachten Klimawandel bestreiten – die große Frage ist aber, wie kompetent diese sind und wie verlässlich ihre Einschätzungen.

Bekanntlich müssen Wissenschaftler ihre Meinungen mit Forschungsergebnissen und Daten untermauern, die einen strengen Begutachtungsprozess überstanden haben. Bei diesem sogenannten „Peer Review“-Prozess wird eine Veröffentlichung anderen Kollegen mit derselben Spezialisierung vorgelegt und so geprüft, ob sie überzeugende Einwände erheben. Eine Untersuchung aller peer-reviewten Veröffentlichungen zum Stichwort “globaler Klimawandel” aus dem Jahren 1993 bis 2003 ergab, dass nicht eine einzige Studie den Konsens bestritt, dass der Mensch die wesentliche Ursache des Klimawandels ist (Oreskes 2004). Drei Viertel der Studien stützten den Konsens, ein Viertel machte keine Aussage dazu, weil sie sich etwa mit methodischen oder erdgeschichtlichen Fragen befassten. (Mehr über Naomi Oreskes Untersuchung finden Sie hier.)

Spätere Untersuchungen bestätigten diesen klaren Befund. Beispielsweise stellte eine Umfrage unter 3146 Geowissenschaftlern (Doran 2009) folgende Frage: „Meinen Sie, dass menschliche Aktivitäten einen entscheidenden Einfluss auf die Veränderung der durchschnittlichen globalen Temperaturen haben?“ Von der Gesamtheit der Studienteilnehmer beantworteten 82 Prozent die Frage mit Ja. Hochinteressant ist der Vergleich der Antworten mit der Fachkompetenz des jeweils Antwortenden: Von den Geowissenschaftlern, die keine Klimatologen waren und auch keine einschlägigen Forschungsarbeiten veröffentlicht hatten, antworteten lediglich 77 Prozent mit Ja. Unter den befragten Meteorologen betrug die Zustimmungsrate nur 64 Prozent. Von den Geologen, die in der Privatwirtschaft arbeiten, bejahten bloße 47 Prozent die Frage. Demgegenüber antworteten von den ausgewiesenen Klimatologen, die auch aktuell Forschungsergebnisse zur Erderwärmung veröffentlicht haben, mehr als 97 Prozent mit Ja.

 

Einfluss menschlicher Aktivität auf globale Temperatur

Abbildung 1: Antworten auf die Frage „Meinen Sie, dass menschliche Aktivitäten einen entscheidenden Einfluss auf die Veränderung der durchschnittlichen globalen Temperaturen haben?“ Zum Vergleich stellt der dunkelblaue Balken die Einschätzung der allgemeinen Öffentlichkeit (General Public) dar; Quellen: Doran 2009

Das Papier kam zu dem Schluss:

Unter denen, die die Nuancen und die wissenschaftlichen Grundlagen von langjährigen Klimaprozessen verstehen, gibt es anscheinend so gut wie keine Debatte über die Tatsache der Erderwärmung und die Rolle der menschlichen Aktivitäten dabei. Die Herausforderung scheint eher zu sein, wie diese Tatsache wirksam an Politiker und die Allgemeinheit vermittelt werden kann, die fälschlicherweise von einer Debatte unter Wissenschaftlern ausgehen.“

Der überwältigende Konsens unter den tatsächlichen Experten wurde ein weiteres mal bestätigt durch eine unabhängige Studie, in der jene Klimawissenschaftler gezählt wurden, die Deklarationen für oder gegen den Konsens zur Erderwärmung unterzeichnet haben (Anderegg 2010): Demnach unterstützen 97 bis 98 Prozent der Klimaexperten die Konsensposition. Mehr noch, die Studie untersuchte außerdem die Anzahl von Veröffentlichungen der einzelnen Forscher, um so deren Fachexpertise abschätzen zu können. Ergebnis: Jene Wissenschaftler, die den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel bezweifeln, haben im Durchschnitt nur rund halb so viele Veröffentlichungen vorzuweisen wie Wissenschaftler, die den Konsens stützen. Es gibt also nicht nur einen riesigen Abstand in der Zahl der überzeugten gegenüber der nicht überzeugten Experten – zwischen beiden Gruppen gibt es auch einen beachtlichen Unterschied bei der Fachkompetenz. Zugleich gibt es bisher keine einzige peer-rewiewte Forschungsarbeit, die die Erderwärmung des 20. Jahrhunderts ohne den menschlichen Einfluss physikalisch überzeugend erklären könnte.

Einfluss menschlicher Aktivität auf globale Temperatur

Abbildung 2: Verteilung der Anzahl von Forschern, die überzeugt sind von den Belegen zur menschengemachten Erderwärmung (grüne Balken) gegenüber den nicht überzeugten (rote Balken), geordnet nach der Gesamtzahl ihrer Klimapublikationen (waaggerechte Skala); Quelle: Anderegg 2010

Im Jahr 2013 kam eine weitere, groß angelegte Untersuchung (Cook et al. 2013) zu einem ähnlichen Ergebnis: Von allen Fachveröffentlichungen zum Klimawandel, die zwischen 1991 und 2011 erschienen (ca. 12.000), stimmten mehr als 97 Prozent mit dem wissenschaftlichen Konsens überein.

Ein zusätzliches Indiz für einen verlässlichen Konsens ist die große Zahl von Wissenschafts-Organisationen, die der Position zustimmen, dass „der größte Anteil an der globalen Erwärmung der letzten Jahrzehnte auf menschliche Aktivitäten zurückgeführt werden kann“:

Ein Brief von 18 wissenschaftlichen Organisationen an den US-Kongress enthält folgende Aussage:

„Beobachtungen auf der ganzen Welt zeigen deutlich, dass Klimawandel stattfindet und sorgfältige wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die durch menschliche Aktivitäten freigesetzten Treibhausgase der Hauptantrieb dafür sind. Diese Schlussfolgerungen basieren auf mehreren unabhängigen Beweisketten – gegensätzliche Behauptungen stehen im Widerspruch zu einer objektiven Beurteilung der großen Menge von durch Experten begutachteten Studien.“

Weiterhin vertreten Wissenschafts-Akademien aus 80 Staaten den Konsens (sie sind in Abbildung 3 zusammengestellt), dreizehn Länder haben eine gemeinsame Erklärung unterschrieben, der zufolge „der Klimawandel real“ und „eine umgehende Reaktion“ der Politik darauf nötig ist:

  • Brasilien: Academia Brasiliera de Ciencias
  • China: Chinese Academy of Sciences
  • Deutschland: Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina
  • Frankreich: Academie des Sciences
  • Großbritannien: Royal Society
  • Indien: Indian National Science Academy
  • Italien: Accademia dei Lincei
  • Japan: Nippon Gakushiin
  • Kanada: Royal Society of Canada
  • Mexiko: Academia Mexicana de Ciencias
  • Russland: Rossijskaja Akademija Nauk
  • Südafrika: Academy of Science of South Africa
  • USA: National Academy of Sciences

Abbildung 3: Länder der Erde, deren Wissenschaftsakademien den Forscherkonsens zum Klimawandel teilen; Quelle: SkepticalScience.com

All dies bedeutet natürlich nicht, dass es keinerlei Veröffentlichungen gäbe, die die Konsensposition ablehnen. Der Mediziner Klaus-Martin Schulte untersuchte zwischen 2004 und Februar 2007 Abhandlungen und behauptete danach, er habe 32 Studien gefunden (das entspräche sechs Prozent), die den Konsens ablehnten. Doch eine genaue Überprüfung ergibt, dass Schultes Zählung falsch und irreführend ist. Auch die oben erwähnte Studie von Naomi Oreskes wurde mehrfach angegriffen – ihr wohl bekanntester Kontrahent, Benny Peiser, hat inzwischen seine Kritik zurückgezogen.

Bei den wesentlichen Grundaussagen zum Klimawandel - dass sich die Erde seit Jahrzehnten signifikant erwärmt und der Mensch die Hauptursache dafür ist - gibt es also einen soliden Konsens. Wer dies bestreitet, kann sich nicht auf die Klimawissenschaft berufen. Daneben jedoch gibt es natürlich eine große Zahl von Detailfragen, zu denen noch eine Menge Forschungsarbeit zu leisten ist. Und darüber, wie Staaten, Wirtschaft und Gesellschaft am besten auf den menschengemachten Klimawandel reagieren sollten, lässt sich trefflich streiten - darüber aber haben nicht Wissenschaftler zu entscheiden, sondern es ist eine politische Debatte.

John Cook/klimafakten.de, Juli 2010;
zuletzt aktualisiert: November 2014