Kann man sich auf die Klimaforschung verlassen?

Behauptung: „Klimamodelle rechnen mit falschen CO2-Werten“

Behauptung: Klimamodelle rechnen oft mit ganz falschen Zahlen. Beispielsweise wird bei der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre gern angenommen, sie steige pro Jahr um ein Prozent. Die reale Zunahme ist aber viel niedriger.

Fakt ist: Manche Werte in Klimamodellen dienen nur zu theoretischen Experimenten, anhand derer Modelle verglichen werden

Antwort: 

Klimamodelle sind höchst komplexe Simulationen, die verwendeten Daten werden sorgfältig ausgewählt. Der kritisierte Wert von einem Prozent jährlichem CO2-Zuwachs ist lediglich eine fixe Zahl, die für den Vergleich verschiedener Modelle untereinander herangezogen wird, jedoch nicht für Klimaprognosen. Für diese werden sorgfältig erstellte Szenarien (beispielsweise des IPCC) zur künftigen CO2-Konzentration in der Atmosphäre genutzt.

Es stimmt, dass in den üblichen Klimamodellen auch mit der Annahme gearbeitet wird, die Konzentration von Kohlendioxid in der Erdatmosphäre steige Jahr für Jahr um ein Prozent.

Dieser Wert bildet jedoch nicht die Basis für irgendwelche Klimaprognosen. Die Ein-Prozent-Annahme wird hauptsächlich für Vergleichszwecke verwendet; durch diesen standardisierten Wert für den Klimaantrieb ist es beispielsweise möglich, die unterschiedlichen Ergebnisse verschiedener Klimamodelle bei identischem CO2-Anstieg zu vergleichen.

Für konkrete Projektionen von Klimaentwicklungen des 21. Jahrhunderts dienen nicht diese theoretischen Werte, sondern Annahmen zur gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklung auf dem Globus. Aus diesen Überlegungen ergebend sich entsprechende Treibhausgas-Emissionen. In der Regel rechnen Modelle mit verschiedenen Szenarien, wie sich die Welt entwickeln könnte – um für verschiedene (und verschieden realistische) Varianten der Zukunft spezifische Prognosen liefern zu können.

Der IPCC hat für seinen Fünften Sachstandsbericht 2013/14 verschiedene Emissionsszenarien ausarbeiten lassen (vgl. IPCC AR5, WG I, Box TS.6 und Annex II). Diese sogenannten RCP-Szenarien (das Kürzel steht für "Representative Concentration Pathways", zu deutsch: "Repräsentative Konzentrationspfade") wurden dann für die Projektionen des IPCC zur Klimaentwicklung genutzt – und keines enthält die Annahme eines linear ein-prozentigen CO2-Anstiegs.

Urs Neu/klimafakten.de, Oktober 2011;
zuletzt aktualisiert: September 2014